French Open 2026: "Gegen eine Wand gelaufen" - Sinner-Drama ändert für Zverev alles
Der Körper des großen Turnierfavoriten streikt, Jannik Sinner ist raus. Plötzlich ist Alexander Zverev der am höchsten gesetzte Spieler bei den French Open.
von SID
zuletzt bearbeitet:
28.05.2026, 18:15 Uhr

Jannik Sinner konnte nicht mehr. Der große Turnierfavorit der French Open wankte bedenklich auf dem Court Philippe-Chatrier, geschüttelt von schweren körperlichen Problemen in der gnadenlosen Hitze. "Mir ist sehr schwindelig", sagte der Weltranglistenerste aus Südtirol, der wenig später seinen großen Traum vom ersten Titelgewinn in Paris schon in der zweiten Runde aufgeben musste - für Alexander Zverev verändert sich damit alles.
"Niemand ist ein Roboter", sagte Sinner, der sich lange nur noch über den Platz geschleppt hatte und sein Duell gegen den Argentinier Juan Manuel Cerúndolo schließlich mit 6:3, 6:2, 5:7, 1:6 und 1:6 verlor. Damit endete seine Serie von 30 Siegen in Folge so unerwartet wie krachend.
"Ich habe mich schon nicht wohl gefühlt, als ich heute Morgen aufgewacht bin. Ich habe versucht die Punkte kurzzuhalten und habe die Bälle gut getroffen. Aber dann bin ich gegen eine Wand gelaufen", sagte Sinner eine Stunde nach seinem Schock-Aus: "Ich hatte keine Energie mehr. Es war ein schwerer Moment, aber das ist Sport." Natürlich sei der K.o. für ihn schwer zu akzeptieren, "vor allem in der Position, in der ich war."
Zverevs Riesenchance
Zverev, der zum Zeitpunkt von Sinners Match ursprünglich eine Einheit auf dem Trainingsgelände Jean Bouin eingeplant hatte, ist damit plötzlich der höchstgesetzte Spieler im Turnier und hat eine Riesenchance auf seinen ersten Grand-Slam-Triumph. "Natürlich ist Sascha Zverev, der an Zwei gesetzt ist und von allen Männern auch die zweitbeste Sandplatzsaison gespielt hat, jetzt der absolute Topfavorit", sagte Ex-Bundestrainerin Barbara Rittner am Eurosport-Mikrofon.
"Dritte Runde - ich hoffe, wir haben noch vier vor uns", hatte Zverev am Abend zuvor gesagt, als ihm nach seinem phasenweise glänzenden 6:4, 6:2, 6:2-Sieg gegen den zum Ende angeschlagenen Tschechen Tomas Machac ein kleiner Anstecker von den Veranstaltern überreicht worden war. Sein Glaube daran, aus Paris auch den Siegerpokal mitbringen zu können, dürfte durch Sinners dramatisches Aus massiv gewachsen sein.
Grand-Slam-Tennis kann brutal sein, das erlebte Sinner im ersten Match des Tages auf dem Hauptplatz auf schmerzlichste Weise. Er hatte in den vergangenen Jahren immer wieder bei hohen Temperaturen mit seinem Körper zu kämpfen gehabt. Gegen Cerúndolo sah es bei 33 Grad im Schatten zunächst lange so aus, als würden diese Sinner diesmal nichts anhaben können. Doch plötzlich, beim Stand von 5:1 im dritten Satz, ging dann nichts mehr.
Sinner findet keinen Weg
In Sinners Box herrschte Ratlosigkeit, im vierten Satz musste sich der Italiener beinahe auf dem Court übergeben. Immer wieder stützte er sich zudem auf seinem Schläger ab und versuchte, Rat in seiner Box einzuholen. Es half nichts: Nach drei Stunden war auch der vierte Satz verloren. Auch danach hoffte Sinner, der mit dem Ziel Vollendung des Karriere-Slams ins Turnier gegangen ist, weiter unverdrossen auf Besserung. Doch die trat nicht ein.
Zverev, der in dieser Saison immer wieder deutlich von Sinner ausgebremst worden war, hatte tags zuvor völlig problemlos seine zweite Aufgabe gemeistert. "Ich bin zufrieden, wo ich gerade stehe und muss an mein Spiel glauben", sagte der 29-Jährige nach dem nächsten Signal an die Konkurrenz - und ahnte natürlich nicht, was da kommen würde.
Nun trifft er am Freitag auf den Franzosen Quentin Halys - und das urplötzlich als Favorit auf den Titelgewinn am Eiffelturm.
Hier das Einzel-Tableau aus Roland Garros
