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Als Tennis-Queen Garbine Muguruza eine müde Serena Williams entthronte

Die Ibererin ist nach ihrem Grand-Slam-Premierentriumph in Roland Garros die neue „Königin von Paris“.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 05.06.2016, 19:37 Uhr

Garbine Muguruza

Auf dem königlichen Place de la Concorde im Herzen von Paris fühlte sich die neue Tennis-Queen wie Zuhause:Garbine Muguruzagrüßte bei der offiziellen Pokalpräsentation im kurzen Schwarzen und in High Heels fast majestätisch in die Menge. Doch selbst einen Tag nach ihrem French-Open-Coup gegen die gefallene Sandplatz-RegentinSerena Williamskonnte die 22-Jährige ihr Glück kaum fassen. „Ein Traum hat sich erfüllt. Wenn du in Spanien als Kind mit dem Tennis anfängst, dann willst du nur ein Turnier gewinnen: Roland Garros“, sagte Muguruza mit Blick auf das7:5, 6:4 im Finale gegen die topgesetzte US-Branchenführerinund fügte stolz an: „Ich bin jetzt ein Teil der Tennisgeschichte.“

Dank an Melbourne-Königin Kerber

Der neunmalige Paris-ChampionRafael Nadal, Basketball-Superstar Pau Gasol („Unschlagbar“) und Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy („Fantastisch“) hattenihrer Landsfrau da schon längst gratuliert. In den Stunden nach ihrem ersten Grand-Slam-Triumph dankte die „Königin von Paris“ („Marca“) aber erst einmalAngelique Kerber. „Als sieSerena im Endspiel der Australian Open im Januar besiegt hat, dachte ich mir: ‚Wenn Kerber das kann, dann kann ich das auch’“, berichtete die neue Weltranglisten-Zweite Muguruza.

„Garbine hat die wichtigen Punkte einfach besser gespielt.“
Serena Williams nach ihrer Finalniederlage

Die in Caracas geborene Tochter eines Basken und einer Venezolanerin ist die erste Spanierin seitArantxa Sanchez Vicario1998, die wieder im Sandplatz-Mekka am Bois de Boulogne triumphieren konnte. Die 21-malige „Major“-Siegerin Williams indes verlor auch das zweite große Finale der Saison und konnte in puncto Grand-Slam-Erfolge immer noch nicht mitSteffi Graf(22 Titel) gleichziehen. Von Götterdämmerung war schon die Rede. „Natürlich bin ich enttäuscht. Garbine hat die wichtigen Punkte einfach besser gespielt“, sagte die 34-Jährige, als sie nur wenige Minuten nach dem Match ungeduscht und genervt im Interviewraum saß.

Weniger Emotionen als Erfolgsrezept

Williams’ ganze Hilflosigkeit hatte der fünfte Matchball von Muguruza nach 1:43 Stunden dokumentiert: Ein Lob der Spanierin klatschte auf die Linie – und Williams lachte dem Ball nur zynisch hinterher. „Das war wohl der beste Matchball, der je gegen mich verwandelt wurde“, sagte die allerdings von einer Adduktorenblessur gehandicapte Williams. Die L’Équipe schrieb von „der Entwaffneten“. US-IkoneChris Evertkritisierte derweil: „Serena wirkt in diesem Jahr läuferisch längst nicht mehr so explosiv.“ Und „AS“ urteilte bereits: „Garbine ist die Zukunft und die Gegenwart.“ Muguruza, passenderweise trainiert vom Franzosen Sam Sumyk, hatte sich nach dem Sieg in die geliebte rote Asche fallen lassen. „Weil ich nicht wusste, was ich sonst machen sollte. Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen“, gab die 1,82 Meter große Powerspielerin zu.

Tränen konnte „Mugu“ beim anschließenden Lauschen der spanischen Hymne („Marcha Real“) unter grauem Himmel unterdrücken. Weniger Emotionen sind ohnehin eines der Erfolgsrezepte der Wahl-Schweizerin, die nochim Sommer 2015 das Wimbledon-Finale gegen Williams verloren hatte. „Aber Garbine hat sich seitdem verändert, Garbine hat sich sogar schnell verändert“, sagte Muguruza über sich selbst und erläuterte: „Manchmal ist es einfach nicht gut, zu viele Gefühle zu zeigen. Ich habe gelernt, meine Emotionen zu kontrollieren.“ Serena Williams kann seit Samstag ein (Klage-)Lied davon singen.

von tennisnet.com

Sonntag
05.06.2016, 19:37 Uhr