„Die Mama kommt!“

Dominic-Thiem-Coach Günter Bresnik blickt entspannt auf das Halbfinale seines Schützlings.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 02.06.2016, 18:49 Uhr

Dominic Thiem Team in der Spielerloge, vorne Physiotherapeut Alex Stober, dahinter trainer Guenter Bresnik und Thiem Freundin Romana Exenberger, Tennis - French Open 2016 - Grand Slam ITF / ATP / WTA - Roland Garros - Paris - - France - 2 June 20...

Von Jens Huiber aus Paris

Dominic Thiemwar nach seinem Halbfinal-Einzug natürlich der Mann der Stunde im großen Pressesaal der Anlage in Roland Garros. Nur einmal kam aus dem Hintergrund die wohlbekannte Stimme seines Coaches Günter Bresnik, eine Stimme, die man sonst mit einem sehr frühen „Bravo“ nach gelungenen Punkten der österreichischen Nummer eins verbindet. „Die Mama kommt!“, ließ Bresnik also wissen, sein Schützling hatte davor Familienbesuch eigentlich ausgeschlossen. Grundsätzlich hält der erfahrene Übungsleiter wenig von der Anwesenheit der Eltern, im Falle der Familie Thiem macht der 55-Jährige natürlich eine Ausnahme.

27 Spieler in den Top 100 hat Günter Bresnik schon gecoacht, manche wie Boris Becker ganz nach oben, das letzte große Erfolgsmodell vor Thiem war Ernests Gulbis, der es ebenfalls in die Vorschlussrunde in Paris und bis in die Bel Etage des Welttennis geschafft hatte. „Der talentierteste Spieler, den ich jemals trainiert habe“, das sei Gulbis, der nach Ansicht von Günter Bresnik einen Stammplatz unter den fünf besten Profis der Welt innehaben sollte. „Aber da waren halt andere Geschichten, die mit Tennis nichts zu tun haben.“

Noch keine Wachablöse ganz oben

Dominic Thiem ist gegen diese Ablenkungen immun, nicht vor 15:00 Uhr wird er am morgigen Freitag gegenNovak Djokovicum den Einzug in das erste Grand-Slam-Finale eines Österreichers seit den Zeiten von Thomas Muster spielen. Wieder auf dem Court Suzanne Lenglen, der neben Court 2 so etwas wie die Pariser Heimat für den Lichtenwörther geworden ist. Djokovic wird das tendenziell nicht weiter stören, der Weltranglisten-Erste hat alles gesehen, unter allen Bedingungen gespielt, gegen Thiem zuletzt in Indian Wells nach hartem Kampf gewonnen. Spiele gegen die absoluten Top-Leute seien wichtig für den dreifachen Turniersieger 2016, zum Glück habe er in letzter Zeit davon einige gehabt, so Bresnik.

„Wenn Dominic zehn Mal gegenNadalspielt, wird er wahrscheinlich neun Mal verlieren, genauso gegen Federer.“ Von einer Wachablöse im Herrentennis kann also noch keine Rede sein, gegen den überlegenen Branchenprimus mögen die Ergebnisse auf Dauer noch unerfreulicher aussehen.Stan Wawrinka, Andy Murray, auch die beiden anderen Halbfinalisten gäben keinen Anlass, sie zu früh abzuschreiben. Das Match gegen David Goffin habe aber gezeigt, dass Thiem in der Lage ist, auch Partien mit Tendenz zur Niederlage noch für sich zu drehen.

Potenzial bei der Spieleröffnung

An Aufschlag und Return, den beiden Eröffnungsschlägen, daran hat das Team Bresnik/Thiem über die letzten Monate hart gearbeitet, am Ziel sind sie immer noch nicht. Gerade beim Service kann das neueste Mitglied der Top Ten noch gegenüber der Weltspitze aufholen, wenn auch nicht hinsichtlich der Geschwindigkeit: Dort liegt Dominic Thiem in der French-Open-Geschwindigkeitswertung 2016 mit 222 km/h nämlich auf Platz drei, hinter den Kanonieren John Isner und Milos Raonic. Günter Bresnik registriert so etwas durchaus wohlwollend, denn er weiß: Gegen Novak Djokovic wird jeder einzelne Stundenkilometer wichtig werden.

von tennisnet.com

Donnerstag
02.06.2016, 18:49 Uhr