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French Open: Diego Schwartzman ringt Dominic Thiem nieder und steht erstmals im Halbfinale

Diego Schwartzman steht bei den French Open 2020 in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale. Der Argentinier besiegte Dominic Thiem in einem unfassbaren Match nach über fünf Stunden mit 7:6 (1), 5:7, 6:7 (6), 7:6 (5) und 6:2  (Das Match könnt ihr hier im Re-Live nachlesen). In der Vorschlussrunde wartet nun entweder Rafael Nadal oder Jannik Sinner.

 

von Michael Rothschädl
zuletzt bearbeitet: 06.10.2020, 21:01 Uhr

Diego Schwartzman steht nach einem irren Fight gegen Dominic Thiem im Halbfinale der French Open
Diego Schwartzman steht nach einem irren Fight gegen Dominic Thiem im Halbfinale der French Open

Viel war im Vorfeld des Viertelfinalduells zwischen Dominic Thiem und Diego Schwartzman über den Fitness-Zustand des Österreichers diskutiert worden, über den Fitnesszustand jenes Mannes, der noch vor gut zwei Wochen bei den US Open in New York City seinen größten Karriereerfolg feierte. "Meine Tanks sind nicht mehr ganz voll", meinte auch Thiem selbst, vor dem anstehenden Viertelfinale gegen seinen argentinischen Kumpel. 

Dieser präsentierte sich speziell in den Wochen vor - und auch bei den French Open selbst in beeindruckender Verfassung, konnte beim ATP-Masters-1000-Event von Rom sogar den Sandplatzkönig Rafael Nadal besiegen - und gab im Verlauf des Grand Slams am Bois de Bolougne auf dem Weg in die Runde der letzten Acht keinen Satz ab. Dementsprechend ausgeglichen war auch die Ausgangslage vor diesem Match - obwohl Thiem sowohl in der Weltrangliste als auch im Head-to-Head die Nase vorne hat. 

Thiem schafft erstes Break

Bei enorm schwierigen und windigen Bedingungen erwischte der flinke Argentinier den besseren Start in dieses Match, klopfte gleich im ersten Aufschlagspiel Thiems an, ließ aber eine Breakchance ungenutzt. So konnte der 28-Jährige in der Folge seine Aufschlagspiele zwar souveräner gestalten als der Österreicher, davon konnte sich Schwartzman aber recht wenig kaufen, nachdem der Österreicher im sechsten Game von einer Fehlentscheidung profitierte und sich das erste Break der Partie sicherte. 

Entscheidenden Vorteil konnte sich der Österreicher dadurch keinen sichern, der frischgebackene US-Open-Sieger streute im folgenden Aufschlagspiel zu viele erfolglose Stopps ein und musste das postwendende Rebreak nehmen. Nun hatten beide Akteure aber auch als Rückschläger ins Spiel gefunden, Thiem fand im nächsten Game neuerlich zwei Breakbälle vor - Schwartzman wehrte diese mit großartigem Tennis ab und glich auf 4:4 aus. 

Schwartzman holt Satz eins im Tiebreak

Die Taktik der beiden Spieler war bereits in den ersten Games dieses Matchs offensichtlich, Schwartzman versuchte, Thiem in lange Rallyes zu zwingen, versprach sich dabei vor allem über die Rückhandseite seines Gegners den gewünschten Erfolg. Der Österreicher hingegen versuchte, vor allem seine starke Vorhand früh in Szene zu setzen, die Ballwechsel auch gerne einmal nach wuchtigen Aufschlägen am Netz abzukürzen. 

Nachdem der Österreicher beim Stand von 4:4 einen Selbstfaller gerade noch verhindern konnte und einen Breakball abzuwehren vermochte, befreite sich auch Schwartzman nach einem 0:30 aus einer Drucksituation. Mit kräftiger Mithilfe von Dominic Thiem. Eine ähnliche Konstellation ergab sich beim Stand von 6:5 für den Mann aus Lichtenwörth, wieder konnte der Weltranglisten-Dritte daraus keinen Profit schlagen. Ein Tiebreak musste die Entscheidung bringen. In diesem lief bei Thiem nichts zusammen, der Argentinier zog schnell mit 5:0 davon - und schnappte sich Satz eins nach etwas mehr als einer Stunde mit 7:6 (1).

Thiem auch in Satz zwei mit erstem Break

Großartig Spuren hinterließ dies aber nicht beim Weltranglisten-Dritten, der Österreicher schaffte gleich im ersten Game das Break - profitierte dabei von einigen unerzwungenen Fehlern des Argentiniers. Bis zum 3:2 hielt der 27-Jährige den Breakvorsprung aufrecht, dann streute der Österreicher aber ein schwaches Aufschlagspiel ein und musste per Doppelfehler das Rebreak hinnehmen. Die Bedingungen mit leichtem Regen und dem böenartigen Wind schienen Thiem mit Fortdauer der Partie immer mehr zu nerven, der Weltranglisten-Dritte zeigte mittlerweile recht unterdurchschnittliches Tennis, wirkte nun sichtlich müde. 

Dennoch war es abermals Dominic Thiem, der es am Schläger hatte, in diesem zweiten Durchgang erneut mit Break in Front zu gehen. In einem wahnsinnig umkämpften Aufschlagspiel, das über 15 Minuten dauerte, sicherte sich schließlich aber Schwartzman das 5:4 - nachdem er insgesamt sieben Breakbälle mit teils sensationellen Volleys abwehren konnte. Nun musste der Lichtenwörther gegen den 0:2-Satzrückstand servieren, traf mit gleich vier Stopps die vollkommen falsche Entscheidung - hatte aber unfassbar Glück, dass Schwartzman drei haarsträubende Fehler einstreute - 5:5. Der Argentinier dachte nun nach, spielte ein schwaches Aufschlagspiel und musste das Break hinnehmen. Davon sollte sich der 28-Jährige nicht mehr erholen, Thiem holte sich nach exakt zwei Stunden und 13 Minuten Satz zwei mit 7:5. 

Irrer Fight

Der Gaucho war nun sichtlich angezählt, streute alleine in Satz zwei 22 unerzwungene Fehler ein. Auch zu Beginn in Durchgang drei änderte sich an dieser Verfassung des Südamerikaners wenig, der weiter enorm fehleranfällig agierte und gleich zum Start in den Satz das Break hinnehmen musste. Thiem konnte diesen Schwung aber nicht mitnehmen, der Österreicher zehrte sichtlich an seinen Kräften und versuchte mit teils hoffnungslosen Stopps, die Punkte abzukürzen. Nach einer regelrechten Breakorgie stand es 3:2 für den Argentinier. Mittlerweile erinnerte die Partie am Court Philippe-Chatrier mehr an Schach als an ein Tennisspiel - zig Male schoben die beiden Athleten den Ball Rückhand-Cross-Court übers Netz, bis einem der beiden schließlich ein Fehler unterlief. 

Nachdem beide Athleten zur Abwechslung in diesem Satz einmal beide ihren Aufschlag durchbringen konnten, streute Thiem beim Stand von 3:4 aus seiner Sicht den ein oder anderen Fehler zu viel ein und musste sein Service abgeben. Dasselbe Kunststück gelang aber auch Diego Schwartzman wenig später, der Argentinier lieferte ein katastrophales Aufschlagspiel ab - 4:5. Angesichts der regelrechten Flut an Breaks im Verlauf dieses Satzes stand die richtige Herausforderung erst bevor, Thiem musste gegen den Satzverlust servieren, konnte dabei einen Satzball entschärfen und glich nach exakt drei Stunden zum 5:5 aus. 

Thiem mit 2:1-Satzvorsprung

Nun war Dominic Thiem mental eindeutig im Vorteil, griff auch im nächsten Aufschlagspiel Schwartzmans an und schaffte nach einem Rückhandfehler des Argentiniers das Break. Plötzlich schien in diesem Match alles möglich zu sein. Eben auch, dass Thiem nun wieder fehleranfälliger wurde - und nach einem unfassbar starken Return des Gauchos ein weiteres Rebreak hinnehmen musste. Nummer acht in diesem Satz. Es ging also in den Tiebreak, in welchem der amtierende US-Open-Champion den besseren Start erwischte und mit teils sensationellen Vorhand-Winnern auf 4:1 stellen konnte. Beim Stand von 6:4 gab es zwei Satzbälle für den Österreicher - Schwartzman konnte aber beide mit mutigen Angriffen abwehren. Der Lichtenwörther holte sich wenig später aber den dritten Satzball, welchen er schließlich nach starkem Angriff am Netz verwerten konnte. 

Nun war Diego Schwartzman sichtlich angezählt, während bei Dominic Thiem plötzlich alles zusammenzulaufen schien. Der Österreicher erwischte in Durchgang vier einen Traumstart, brachte seinen Aufschlag souverän durch und breakte den Argentinier zu 30. Dieser steckte aber nicht auf, schaffte etwas aus dem Nichts das Rebreak und glich wenig später aus. Dem Mann aus Buenos Aires gelang sogar ein weiteres Break, nun war plötzlich der 28-Jährige mit zwei Games in Front. Mit guten Aufschlägen konnte der Österreicher beim Stand von 3:5 0:30 noch einmal verkürzen, Schwartzman musste den Satz also mit eigenem Aufschlag beenden. Das schien dem Weltranglisten-14. anfangs auch blendend zu gelingen, der Argentinier kam schnell zu drei Satzbällen, Thiem wehrte diese allesamt ab, spielte beim Stand von 30:40 aus seiner Sicht eine unmögliche Vorhand aus der Bedrängnis und schaffte wenig später das Rebreak. 

Eine Nervenschlacht

Mittlerweile zeigten beide Spieler unter sichtlichen körperlichen Beschwerden teils astronomisches Tennis, Schwartzman sicherte sich im nächsten Game ein 0:30, Thiem konnte mit zwei unfassbaren Punkten ausgleichen, hatte dann aber trotzdem Breakball gegen sich. Und wie stark der Österreicher diesen abwehren konnte, das konnte kaum jemand am Court Philippe-Chatrier fassen. Thiem legte zwei Aufschlagwinner hinterher - plötzlich lag der 27-Jährige mit 6:5 in Front. Doch der Argentinier hielt dem gigantischen Druck stand, sicherte sich das umkämpfte zwölfte Spiel - zum dritten Mal in diesem Match musste die Kurzentscheidung her. 

In diesem erwischte der Niederösterreicher den besseren Start, sicherte sich das erste Minibreak, musste dieses aber postwendend wieder abgeben. Doch nach einem sensationellen Grundlinienschlagbatausch war es abermals der Österreicher, der sich einen Punkt bei Aufschlag seines Gegners holte. Dann musste Thiem aber beide Punkte bei eigenem Serve abgeben, auch dieses Minibreak wurde aber egalisiert - per Wahnsinns-Punkt von Thiem. Dennoch holte sich Schwartzman bei 6:5 einen Satzball, den der 28-Jährige nach einer vollkommen verzogenen Rückhand des Österreichers auch verwandeln konnte. 

Natürlich ein fünfter Satz

Es musste so sein. Dieses Match konnte nur in einem fünften Satz seine Entscheidung finden. Zum Start in diesen fanden beide Spieler zu ihrer Souveränität bei eigenem Aufschlag zurück, brachten jeweils die ersten beiden Service-Games durch, ehe sich der Argentinier beim Stand von 3:2 nach gleich drei unerzwungenen Fehlern zu Null das Break schnappte.  Der 28-Jährige konnte das Break wenig später bestätigen und zog auf 5:2 davon. Davon konnte sich Dominic Thiem nicht mehr erholen, der 27-Jährige war platt und musste nach fünf Stunden und acht Minuten die 6:7 (1), 7:5, 7:6 (6), 6:7 (5) und 2:6-Niederlage hinnehmen. 

"Ich glaube am Ende habe ich es verdient, dieses Spiel zu gewinnen. Ich bin unfasbar happy", meinte der glückliche Sieger direkt nach dem Match im On-Court-Interview. Damit steht Diego Schwartzman in seinem ersten Grand-Slam-Halbfinale und trifft nun auf den Sieger des zweiten Halbfinals zwischen Rafael Nadal und Jannik Sinner (Hier könnt ihr das Match im Matchtracker verfolgen). Beide haben nun zwei Tage Pause, werden die Halbfinalspiele doch erst am Freitag ausgetragen. 

Hier könnt ihr das Match im Re-Live nachlesen. 

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Dienstag
06.10.2020, 20:40 Uhr
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