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Eiskalt und arrogant – „La Schara“ und der Ehrenkodex

Die vernichtenden Urteile der Kolleginnen über Maria Sharapova, die „eiskalte Russin“, werfen die Frage auf: Sind Freundschaften im Profitennis möglich?

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 25.05.2016, 10:00 Uhr

Unsympathisch, arrogant - und eiskalt. Die Urteile überMaria Sharapovasind vernichtend. Die große Russin fehlt wegen ihrer Sperre aufgrund ihres Meldonium-Missbrauchs bei den French Open, doch irgendwie schwebt „La Schara“ als Phantom über dem Stade Roland Garros. Den Zuschauern fehlt die zweimalige Turniersiegerin und bestverdienende Sportlerin der Welt, die wegen ihrer Diven-Attitüde so prima in die Modemetropole Paris passt. Den Kolleginnen eher nicht. „Ich werde sie nicht vermissen. Wenn ich in der Umkleide neben ihr sitze, sagt sie nicht einmal 'hallo'“, lästerte jüngst die frühere Australian-Open-FinalistinDominika Cibulkova(Slowakei) über Sharapova.

„Wir alle denken, dass sie eine Betrügerin ist“

Die FranzösinKristina Mladenovic,Publikumsliebling bei den French Open, urteilte ähnlich: „Maria war nie höflich oder nett. Mit dem, was nun passiert, werden nicht viele Leute übrig bleiben, die sie mögen“, meinte Mladenovic und fügte an: „Wir alle denken, dass sie eine Betrügerin ist.“ Der Ehrenkodex jedenfalls wurde im Fall Sharapova in den vergangenen Wochen etliche Male gebrochen. Das Lästern über Kolleginnen - eigentlich ein „No-Go“. Fed-Cup-SpielerinAnnika Beckhat dafür eine Erklärung: „Sharapova war ein Idol, doch der Respekt ist verloren. Deshalb trauen sich jetzt manche, etwas zu sagen“, erklärte die Weltranglisten-39. aus Bonn. Sharapova selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie die Players Lounge am liebsten meidet. „Dort findet man keine Freunde fürs Leben“, lautet ihr Credo.

Ihr abgehobenes Verhalten scheint im WTA-Wanderzirkus aber kein Einzelfall zu sein. „Manchmal ist es schon grenzwertig. 10 bis 15 Prozent grüßen in der Umkleide nicht. Das ist schade“, berichtete Beck. Die einstige Wimbledon-Finalistin Eugenie Bouchard (Kanada) verweigerte bereits zweimal ihrer Gegnerin im Rahmen der Fed-Cup-Auslosung den Handschlag. Über die Gründe für derartiges Verhalten hat sich Beck, die zu den freundlichsten Spielerinnen auf der Tour zählt, ihre Gedanken gemacht. Manchen steige wohl der Erfolg zu Kopf. Andere wollten so wenig von sich preisgeben wie möglich, um auf dem Court davon zu profitieren.

Serena Williams als Lebensretter für Wozniacki

Nach Meinung der 22-jährigen Beck sei es aber durchaus möglich, auch auf der Tour Freundschaften zu schließen. „Frenemies“ sozusagen: Freunde (Friends) abseits des Platzes - Feinde (Enemies) auf dem Court. Dass das möglich ist, hat ausgerechnet Branchenführerin Serena Williams bewiesen. Die US-Amerikanerin nahm sich ihrer Kollegin Caroline Wozniacki an, als diese 2014 kurz vor der geplanten Hochzeit von Golfstar Rory McIlroy verlassen wurde. „Serena hat mir so ein bisschen das Leben gerettet“, schwärmt die ehemalige Nummer eins Wozniacki (Dänemark) noch heute: „Serena ist nicht nur ein großer Champion, sondern auch ein toller Mensch.“

Genau das würden die meisten Kolleginnen von Sharapova sicher nie behaupten. US-Ikone Chris Evert glaubt indes, dass die große Blonde geläutert wiederkommt. „Ich habe den Verdacht“, sagte Evert bei Eurosport, „dass Maria freundlicher sein wird, wenn sie auf die Tour zurückkehrt“. Ex-Profi Pam Shriver (USA) ist der Meinung, dass es die Gefühle sind, die vielen Spielerinnen im Weg stehen. „Es ist emotional härter für uns Frauen, Freundschaften außerhalb des Courts und die Rivalität auf dem Platz zu trennen“, meinte die frühere Nummer drei der Welt. Sharapova würde das sicher unterstreichen.

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25.05.2016, 10:00 Uhr