Generali Race to Kitzbühel: Kaiserwetter, Postkarten-Idylle und ein Wunderkind

Kaiserwetter, Postkartenidylle, ein Landschaftspanorama mit Berggipfeln unter azurblauem Himmel wie in einem kitschigen Heimatfilm, dazu ambitionierte, gut gelaunte Teilnehmer(innen), mit einem Wort, das finale Qualifikations-Turnier des Generali Race to Kitzbühel am vergangenen Wochenende im Goinger Tennisclub ist zu einem großartigen und noch länger in Erinnerung bleibenden Tennisfest avanciert. Und auch sportlich hatte der abschließende Bewerb der West-Region mit 96 Nennungen aus vier Bundesländern einige Highlights zu bieten.

von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet: 19.07.2022, 13:27 Uhr

Um diesen CUPRA BORN wird im Generali Race to Kitzbühel gespielt
© privat/Claus Lippert
Um diesen CUPRA BORN wird im Generali Race to Kitzbühel gespielt

Tennisturniere beim TC Going immer was Außergewöhnliches

Tennisturniere am Pramaweg in Going haben immer wieder ein unvergleichliches Flair. Die schier unendliche Gastfreundschaft der Gastgeber rund um Obfrau Theresa Hager, und Ex-Obmann Robert Hager, die lockere Art der Tiroler Tennisspieler(innen), und eine traumhafte Landschaft, machen Events unter dem Wilden Kaiser so außergewöhnlich. Während die Hobbyspieler(innen) im Osten des Landes oftmals gesättigt wirken, wöchentliche Spielmöglichkeiten bei ITN-Turnieren als gegebenen Alltag betrachten, sind die Tennis spielenden Damen und Herren aus den westlichen Bundesländern über jeden vernünftigen Wettbewerb rund um die kleine gelbe Filzkugel dankbar.

Diese froh und locker wirkende Herangehensweise an so ein ITN-Turnier sorgte auch am zurückliegenden Wochenende wieder für eine Atmosphäre, die man sich bei Turnieren im Osten des Landes ab und an einmal wünschen würde. In den diversen Tennisclubs im Ländle und im heiligen Land Tirol, wird man sich am heutigen Montag deswegen auch einiges zu erzählen und zu diskutieren haben. Ein aufregendes Wochenende mit phantastischen Leistungen und überraschenden Resultaten, hat doch einiges an Staub aufgewirbelt.

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"Gemma Wunderkind schauen"

Vorallem in den Kaiser-Gemeinden Ellmau & Going gibt es unter den Tennis-Insidern dieser Tage nur ein Thema! "Hoscht du scho vom Wunderkind ghert". Ja dieses Ellmauer Wunderkind war vor, während und nach dem letzten Qualiturnier hoch über Going das zentrale Gesprächsthema. Und so stand am Sonntag nach Kirchgang & Frühschoppen "Wunderkind schaun" auf dem Programm. Und dieses Wunderkind hielt dann auch, was man sich von ihm erzählte und erwartete. Ein proppevoller Centercourt beim Finale des ITN 4,0-Bewerbs sorgte für einen würdigen Rahmen, in dem das Wunderkind spielte, siegte und am Ende mit bewunderndem Applaus verabschiedet wurde. Dieses Wunderkind hat übrigens auch einen Namen und eine bewegte jüngere Vergangenheit obendrein. Vladimir Dombrovskyi ist ein 14jähriger aufgeweckter und fröhlicher Teenager, zumindest auf den ersten Blick. Wie es in ihm tief drinnen aussieht, kann man angesichts seiner jüngsten Erlebnisse nur erahnen. Der 14jährige musste mit seiner Mama vor den Wahnsinnigkeiten in seiner Heimat flüchten.

Nur mit dem Nötigsten landeten die beiden in Ellmau, wo man sich seitens der Tennisgemeinschaft im Ort rührend um die beiden kümmert. "Vladi" wie sie den frischgebackenen Generali Race Champion rufen, wird jeder Wunsch so gut es geht von den Lippen abgelesen. Tennis ist immerhin das Einzige, was dem jungen Bua aus Kiew angesichts zurückgelassenener Schulkollegen, fehlenden Freunden und verlorener Heimat geblieben ist. Auf dem Weg zum HTT Premieren-Titel schlug Dombrovskyi mit Philip Draxinger und dem Salzburger Christoph Wimmer zwei Teenies, und mit Hannes Matt sowie im Endspiel Markus "Kosksi" Kogler die geballte Fieberbrunner Routine. Vorallem die Erfolge über Matt & Kogler bescherten "Vladi" neben der türkis schimmernden Kristall-Trophäe und 250 Ranglistenpunkten eine ITN-Verbesserung von 5,0 auf 4,1.

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Fesches Dirndl aus Innsbruck begeistert den TC Going

Motiviert und zielstrebig hat das ukrainische Wunderkind aber schon eine weitaus größere Trophäe ins Visier genommen. Die im Goinger Clubhaus ausgestellten riesigen und in Silber gehaltenen Euro-Potts für die anstehenden und am Montag kommender Woche beginnenden HTT Generali Open Kitzbühel haben es dem 14jährigen aus Kiew angetan. Fraglich bleibt auch, wie lange "Vladi" noch als Ellmauer Wunderkind zu bewundern ist. In der aufstrebenden Wiener Tennis-Academy von Alen & Amel Bisevac könnte die Zukunft des Yougsters aus der Ukraine liegen. Schon übernächste Woche steht ein Vorspielen in der Bundeshauptstadt an. Die Rolle des Stars beim Goinger Tennisfest zum Abschluss der österreichweiten Generali Race Quali-Phase musste sich Dombrovskyi allerdings mit einem anderen Teenie teilen. Ein "fesches Dirndl" aus dem Innsbrucker Land verzauberte mit ihrem dreitägigen Auftritt im Unterland, den Goinger Tennisclub und dessen Gäste. Vanessa Stauder sorgte im 8er-Bewerb für den heiß ersehnten weiblichen Erfolg an diesem Tennis-Wochenende, und einen kleinen Hype um ihre Person. Der wiederum war der Performance der 15jährigen geschuldet, mit der sie sowohl auf dem Platz und auch abseits davon zu glänzen wusste.

Spielerisch überzeugte die junge Innsbruckerin mit frechem, druckvollen und kreativem Tennis, kämpferisch brillierte "Vanessa" mit zwei im Matchtiebreak errungenen Erfolgen über ihre Landsleute Maximilian Steffner und Michael Kupfner, ehe sie sich im Endspiel gegen Kroatiens  stark spielenden Igor Brusic die Krone aufsetzte. Und auch abseits des Courts wusste Stauder zu gefallen. Mir ihr gab es keine der langweiligen 08/15-Siegerehrungen. Die ihre hatte "Pep"! Ehrliche Freude beim Empfang des Kristalles, Gesten & Grimassen beim Siegerfoto, und eine überschwängliche After-Show-Party mit ihrem mitgereisten Fanclub vor Ort, Vanessa weiß Siege zu feiern. Und mit einem Schlag ist die Tirolerin auch für das Finalturnier in Kitzbühel qualifiziert. Und ganz ehrlich: Der 15jährigen ist im Kampf um den Cupra Born einfach alles zuzutrauen.

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Alle sechs Generali Race Going Titel bleiben in Tirol

Angesichts der strahlenden Auftritte von "Vanessa & Vladi" rückten die übrigen Gewinner beinahe ein wenig in den Hintergrund, obwohl deren Leistungen nicht minder stark einzuschätzen sind. Da wäre einmal der Erfolg von Lukas Schermer im 5er-Bewerb. Der 30jährige aus Brixen im Thale blieb souverän und ohne Satzverlust, genauso wie der 15jährige Kitzbühler Christopher Engel, der in der ITN Kategorie 6,0 seiner klaren Favoritenrolle gerecht wurde. Im 9er-Bewerb trug Michael Kupfner aus Bad Häring den Titel davon. Der 28jährige deklassierte im Viertelfinale seinen Clubkollegen Jürgen Hintner, profitierte am Sonntag Morgen im Semifinale von einem defekten Fahrzeug seines am Ende w.o gebenden Gegners, und vollendete seinen Triumphzug mit einem 6:2, 6:3 Erfolg über den Ellmauer Maximilian Scheffner.

Trophäe und Medaille im ITN 7,0 Bewerb gingen schließlich noch ins Tiroler Außerfern. Maxi Weber und Jakob Rothleithner vom TC Raiba Ehrwald hatten auf dem Weg ins clubinterne Final-Duell jeweils drei Siege gefeiert. Gewinner kann es aber bekantlich im Tennis immer nur einen geben, und der hieß schließlich Maxi Weber, der mit 3:6, 6:1, 10:3 knapp die Oberhand behielt. Alle sechs Titel blieben also im heiligen Land Tirol, und eben dort wird am 28. Juli auch das große Finalturnier des Generali Race to Kitzbühel 2022 über die Bühne gehen. Dann steht der Cupra Born zur Disposition, und die Nerven aller Teilnehmer(innen) auf der Probe.

© privat/Claus Lippert

 

 

 

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