Giftiges Wasser mit mentaler Kraft säubern - ist Novak Djokovic zu weit gegangen?

Novak Djokovic benutzt Instagram in den letzten Wochen vermehrt auch dazu, um für sich und seine Fans Lebensweisheiten herauszuarbeiten. Mittlerweile fragen sich allerdings renommierte Beobachter der Tennisszene, ob der Weltranglisten-Erste sich seiner Verantwortung bewusst ist.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 08.05.2020, 11:36 Uhr

Novak Djokovic glaubt an die Macht des Geistes
© GEPA Pictures
Novak Djokovic glaubt an die Macht des Geistes

Wenn Novak Djokovic Chervin Jafarieh als Gast in den gemeinsamen Instagram-Chats begrüßt, dann tut der Weltranglisten-Erste dies als „Bruder“. Jafarieh firmiert seit einigen Jahren als Ratgeber von Djokovic, in Fragen, die vordergründig nichts mit den sportlichen Exploits des Serben zu tun haben. Und so tauschen sich die beiden also in mehreren Episoden über ihre Lebensphilosophie aus, die Zuschauer spüren, dass Djokovic und Jafarieh dieselbe Sprache sprechen.

Und es sind nicht wenige Zuschauer: Live verfolgen jeweils knapp unter 10.000 Fans die Konversationen, insgesamt erreicht Djokovic mit seinen Posts aber jeweils knapp eine halbe Million Interessierte. Und die bekamen im jüngsten Gespräch mit Jafarieh, in dem es um mentale Stärke ging, mitgeteilt, dass man mit der Kraft des Geistes die molekulare Zusammensetzung von Wasser verändern könne.

Djokovic kein Freund von Rothenberg

Novak Djokovic sagte wörtlich: „Ich kenne einige Leute, die durch energetische Transformationen, durch die Kraft von Gebeten, durch die Kraft von Dankbarkeit, das giftigste Essen oder vielleicht das giftigste Wasser in das Wasser mit der größten Heilkraft verwandelt haben, weil Wasser reagiert. Wissenschaftler haben bewiesen, dass die Moleküle im Wasser auf unsere Emotionen, auf das, was gesagt wurde, reagieren.“

Diese Aussage rief nun einige Leute auf den Plan. Wie etwa den US-amerikanischen Journalisten Ben Rothenberg, der für die New York Times den Tenniszirkus begleitet. Rothenberg und Djokovic pflegen seit Jahren ein sehr distanziertes Verhältnis, nicht zuletzt, weil der Reporter Djokovic bei Pressekonferenzen immer wieder mit Details aus Sitzungen des Spielerrats konfrontierte.

Die Verantwortung des Weltranglisten-Ersten

Ebenfalls überhaupt nicht einverstanden mit den Ansichten Djokovics ist Mary Carillo, ehemalige Weltklassespielerin und seit Jahren als Expertin für diverse TV-Stationen unterwegs. „Es ist keine Überraschung, dass Novak so etwas sagt. Ich finde das aber ganz besonders gefährlich. Er ist nicht der Typ, dessen Lieblingsmusik wechselt, wenn er einen anderen Raum betritt. Ich bin sehr verstört, dass Djokovic und der andere Typ sagen, dass man giftiges Wasser in Trinkwasser umwandeln kann.“

Jon Wertheim, Buchautor und wohl der führende US-Tennis-Journalist, assistierte Carillo. „In Zeiten des Coronavirus, wenn falsche Geschichten und Verschwörungstheorien auftauchen, wenn es legitimiert wird, Bleichmittel zu konsumieren, glaube ich, dass Novak wirklich vorsichtig sein muss. Daraus ergeben sich Konsequenzen. Ich war sehr enttäuscht, das zu sehen. Es gibt eine reale Verantwortung als Nummer eins der Welt. Und Teil davon ist es, die Wissenschaft und die objektive Wahrheit zu respektieren.“

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