"Ich konnte nicht aufhören" - Andy Murray bereut sein Trainingspensum

Andy Murray kämpft um den Anschluss an die Weltspitze - und muss aktuell schon wieder pausieren. Rückblickend betrachtet bereut der dreifache Major-Champ sein enormes Trainingspensum.

von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet: 19.10.2020, 14:21 Uhr

Vor fast genau einem Jahr hatte Murray alle verblüfft: Nur kurz nach seinem Einzelcomeback nach überstandener Hüft-OP siegte er beim ATP-Turnier in Antwerpen. Ein Lauf nach oben blieb jedoch aus. Der Grund: Es zwickt und zwickt beim Schotten. Offenbar auch weil er zu wenig Matches bekommen hat in den letzten Monaten, wie Murray in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung in der vergangenen Woche erklärte.

"Es war mir nicht möglich, irgendeine Art von Momentum zu entwickeln. Und bestätigte etwas, das ich immer geahnt hatte: Je mehr Matches ich spiele, desto besser geht es meinem Körper." Natürlich sei es wichtig, Pausen einzulegen, "aber nicht zu lang!" Denn der Körper gewöhne sich an den Wettkampf, und "wenn man drei, vier Monate nichts tun kann, fangen die Probleme an. Zumindest bei mir."

Onkel Toni hat gewarnt: "Du bringst dich noch um"

Große Ziele hat der ehemalige Weltranglisten-Erste nämlich durchaus noch, auch wenn er "niemandem mehr etwas beweisen" muss. Noch mal in die Top 5 zu kommen, "wäre eine unglaubliche Leistung angesichts meiner physischen Probleme. Ich weiß nicht, ob ich das schaffen kann, aber ich möchte es versuchen."

Murray physische Probleme wurden erstmals so richtig deutlich im Jahr 2017 - ausgerechnet nachdem er es geschafft hatte, Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal hinter sich zu lassen und die Weltrangliste anführte. Das French-Open-Match gegen Stan Wawrinka, es hat Murray kaputt gemacht. Das eigentliche Problem jedoch hatte sich zuvor schon gestellt. Nach seinem Wimbledonsieg 2016 habe er zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rafael Nadals Academy trainiert. Dort hätten auch Rafa und Onkel Toni zugeschaut. Und Toni habe gefragt: "Was machst du da? Du bringst dich noch um. Du arbeitest zu hart." Er, Murray, habe damals nicht zu weit nach vorne gedacht. In Rio sei er entsprechend erledigt angekommen. "Da hätte ich mal besser nur 30, 40 Minuten auf dem Tennisplatz verbracht, um mein Timing zu bewahren. Aber ich konnte nicht aufhören." Auch nach seinem Sieg habe er weitergemacht, auch nicht in Cincinnati rausgezogen, obwohl er sich schlecht gewühlt habe. "Jeden Tag ging das so. Aber der Wettkämpfer in mir wollte antreten."

Murray hat erkannt: Weniger ist mehr

Murray ist mittlerweile überzeugt, dass er dieselben Ergebnisse mit weniger Training hätte erzielen können. "Es ist wichtig, sich gut vorzubereiten und hart zu trainieren. Aber man muss nicht täglich vier bis fünf Stunden jenseits des Platzes trainieren oder drei- bis viermal auf einer Laufbahn rennen als Zugabe zum Tennistraining." Nadal habe gelernt, seine Vorbereitung richtig zu dosieren. Auch Federer, bei dem alles so einfach aussehe, "da darf man sich nicht täuschen lassen", so Murray, viele Betrachter würden gar nicht merken, wie körperlich, wie explosiv das Spiel des Schweizers sei. "Aber er wusste immer, was sein Limit war."

Apropos Limit, das hat nun auch Murray. Auch, was sein Ranking angeht. "Wenn ich in einem Jahr immer noch die Nummer 100 der Welt bin, werde ich dann weiterspielen? Vermutlich nicht", erklärte er. "Aber ich hoffe, viel höher zu stehen, konstanter Matches zu gewinnen und mich mit den Großen zu messen. Wenn ich das schaffe, werde ich so lange spielen, wie ich kann."

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von Florian Goosmann

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zuletzt bearbeitet: 19.10.2020, 14:21 Uhr

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