Im Kühlschrank brennt noch Licht: Zum Tod von Ulli Potofski
Sport- und Tennismoderator Ulli Potofski ist tot. Erinnerung an einen, der sich und das große Drumherum dankenswerterweise nie so ganz ernst genommen hat.
von Florian Goosmann
zuletzt bearbeitet:
07.08.2025, 10:02 Uhr

Wer in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren mit Tennis groß geworden ist, kam an ihm nicht vorbei. Ulli Potofski war für unsereins der Mann, der Wimbledon in die heimischen Wohnzimmer brachte, damals, als der noch recht junge Privatsender RTL plus auch Tennis für sich entdeckt hatte.
Ulli Potofski kam natürlich vom Fußball, bei RTL hatte er, damals auch der Sportchef, mit der Sendung Anpfiff die Berichterstattung revolutioniert. Weg vom ultrasachlichen Ergebnisfußball einer Sportschau, hin zum Erlebnisfußball, der später bei Sat.1 mit den Sendungen rund um ran seinen Höhepunkt erreichen sollte.
“London Calling” - Die Sky-Wimbledon-WG
Für uns Tennisfans? War Potofski aber “Mr. Wimbledon”. Bei den Vorberichten auf RTL am bunten Schreibtisch mit den täglichen Klatschmeldungen der Yellow Press zum britischen Königshaus, mit Blick in die Queue und dem wilden Zeitvertreib, wenn es in Wimbledon, wie so oft, mal wieder regnete. Und Potofski zur Überbrückung auch mal eine Folge Knight Rider anmoderierte. Jahre später, als Sky sich Wimbledon geschnappt hatte, sendete Potofski aus der Sky-Wimbledon-WG, London Calling hieß das große, kleine Schmuckstück, das man auf die Beine gestellt hatte.
Und die Wimbledon-WG, sie war so fantastisch. Von Potofski selbst beschrieben als Sendung, "in der es etwas chaotischer zugeht anstatt staatstragend sportwissenschaftlich", entwickelte sich das Format in seiner vierjährigen Laufzeit zum Kult, mit einer treuen Fangemeinde. Potofski gab hier den gutherzigen Quatschonkel, Patrik Kühnen den sachkundigen Experten, dazwischen sorgten die noch unbekannten Lisa Heckl oder Laura Papendick für den Anflug von Struktur. Das Wunderbare für den Couchmuggler, der abends gerne mal wegnickte: Sky zeigte London Calling einfach in Dauerschlafe, hinein in die Nacht. Die Einstellung der Show in 2016, sie treibt heute noch jedem Tennisfan die Tränen in die Augen.
Ulli Potofski: Fußball, Tennis und viel Herz
Ulli Potofski aber war auch außerhalb der Fußball- und Tenniswelt ein gern gesehener und gehörter Gast. 2016 tanzte er sich in Let's Dance in die Herzen der Zuschauer, mehr katastrophal als recht, aber mit viel Herz; er schrieb Jugendfußballromane um das junge Fußballtalent “Locke”; zuletzt moderierte er den Podcast Herz, Seele, Ball. Hierin hatte er vor einer Woche noch berichtet: "Ich bin wieder in meinem Krankenhaus gelandet, werde hier hoffentlich gut versorgt. Und Herz, Seele, Ball macht weiter." Es wurde seine letzte Folge.
Bis zuletzt war Potofski auch in Sachen Fußball für seinen Haussender Sky tätig. "Ulli war ein echtes Unikat - mit großer Leidenschaft für den Sport, einer unverwechselbaren Stimme und der Fähigkeit, Menschen mit seiner uneitlen Art, Herzlichkeit und Begeisterung zu berühren", sagte Sky-Sportchef Charly Classen gegenüber dem SID.
Ulli Potofski ist am 4. August nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 73 Jahren verstorben.
