Ivan Lendl - „Der Smash ist nicht der beste Schlag von Novak Djokovic“

Ivan Lendl weiß, wie man Grand-Slam-Turniere gewinnt. Und wie man Spieler zu Major-Siegen coacht. In einem Podcast mit Patrick McEnroe hat der 94-malige Tour-Champion die French Open 2020 analysiert.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.10.2020, 17:29 Uhr

Ivan Lendl und Novak Djokovic in Australien 2019
© Getty Images
Ivan Lendl und Novak Djokovic in Australien 2019

Ivan Lendl und John McEnroe, das ist eine Rivalität gewesen, die oft hart am Rande des sportlich Fairen balanciert ist. Nicht zuletzt deshalb, weil Lendl dem großen US-Amerikaner 1984 nach 0:2-Satzrückstand im Finale der French Open noch den Titel entrissen hat. Eine Niederlage, die an John noch Jahrzehnte später nagt, wie er in einer seiner beiden Biographien beschrieben hat.

Mit Patrick McEnroe, dem jüngeren Bruder, sind keine Animositäten bekannt. Und also ergab sich in der neuesten Ausgabe des Podcasts von Patrick („Holding Court with Patrick McEnroe“) ein freundschaftliches Gespräch, das vor allem um ein Thema kreiste: Die gerade abgeschlossenen French Open.

Lendls Anlyse zum Finale fiel dabei folgendermaßen aus: „Nadal hat von Beginn an seine Vorhand longline ins Spiel gebracht. Dann hat Rafa seine Rückhand cross extrem aggressiv gespielt. Und drittens hat Nadal sehr oft den Lob benutzt, um sich wieder in Stellung zu bringen, weil Novak Djokovic nicht in der Lage war, den Punkt mit dem Smash zu machen.“ Das sei gegen den Weltranglisten-Ersten eine gute Strategie, denn der Überkopf sei nicht Djokovics bester Schlag. „Novak mag es, den Smash zu platzieren, und nicht einfach nur drauf zu schlagen.“

Auch Lendl hatte mit Lobs zu kämpfen

Er selbst hätte mit diesem Lob auch schon Erfahrungen gemacht: Als Tony Roche ihn gecoacht hat, habe der Roche im Training immer wieder diese ganz hohen Lobs gespielt, so Lendl. Alle Australier hätten diesen Schlag beherrscht. Es sei nun mal sehr schwierig, von hinter der Grundlinie den Punkt direkt zu machen.

Es hätte Nadal auch auf Asche geholfen, dass er über die Jahre auf anderen Belägen immer stärker geworden sei, waren sich Lendl und Patrick McEnroe einig.
Auf seine eigene Karriere angesprochen erklärte Lendl, dass er schon früh erkannt habe, wie weit man mit harter Arbeit kommen könne. Ihn selbst hat dies zu acht Titel bei den Grand-Slam-Events und 94 Turnier-Siegen insgesamt geführt. Womit der Ex-Coach von Andy Murray und Alexander Zverev in der ewigen Bestenliste hinter Jimmy Connors (109) und Roger Federer (103) Platz drei einnimmt. Und auch sein Ehrgeiz habe geholfen: Er habe genau ein Basketball-Spiel mit seiner Schulmannschaft bestritten. Und dabei festgestellt, dass die anderen Kinder nicht so sehr gewinnen wollten wie er. Woraufhin Ivan Lendl einfach nicht mehr wiedergekommen ist.

Hier der gesamte Podcast zum Nachhören
 

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15.10.2020, 13:30 Uhr
zuletzt bearbeitet: 15.10.2020, 17:29 Uhr