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Jan-Lennard Struff: "Ich gehe mit der Einstellung raus: Du musst dich vor niemandem verstecken"

Jan-Lennard-Struff (29) ist der Überraschungsmann der Saison 2019 im deutschen Tennis. Der Warsteiner gehört zu den formstärksten Spielern der letzten Wochen, er besiegte dabei Topleute wie Ex-US Open-Champion Marin Cilic, Shootingstar Stefanos Tsitsipas oder den früheren ATP-Weltmeister Grigor Dimitrov. In der Weltrangliste kletterte er auf Platz 45, nahe an sein Allzeithoch (Platz 44). Er ist hinter Alexander Zverev nun die nationale Nummer 2. Bei den French Open erreichte er jetzt erstmals die dritte Runde, spielt nun gegen den Kroaten Borna Coric.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 31.05.2019, 15:48 Uhr

Jan-Lennard Struff in Paris
Jan-Lennard Struff

Herr Struff, woher kommt Ihre neue Stärke, ihr Aufschwung bei den Turnieren und in der Weltrangliste?

Ich spüre eine größere Standfestigkeit als Profi, ich vertraue mir einfach mehr selbst. Das ist über die Zeit immer mehr gewachsen. Aber jetzt kann ich diese Sicherheit auch ausspielen in den Matches. Ich traue mir echt was zu jetzt.

Sie sind auch viel emotionaler, engagierter in ihren Matches geworden.

Ich bin ja eigentlich ein ruhiger Typ. Eher zurückhaltend. Aber im Tennis habe ich gelernt, auch Emotionen zu zeigen. Und meine Körpersprache zu verbessern. Das ist wichtig, da draußen auf dem Platz, der Gegner muss sehen, wie sehr du drin bist in so einem Duell. Ich merke auch, dass ich die Zuschauer damit ganz anders mitnehme. Bei den Matches hier in Paris war eine Stimmung wie beim Davis Cup, der reinste Wahnsinn.

In Ihrer Bilanz für 2019 fällt auf, wie viele besser platzierte Spieler Sie geschlagen haben.

Ich gehe halt mit der Einstellung raus, dass ich mich vor niemandem verstecken muss. Man hat Respekt vor diesen Leuten, aber keine Angst. Und mit jedem Sieg wächst das eigene Selbstvertrauen. Und das Gefühl, dass niemand unschlagbar ist.

Der hochgehandelte Kanadier Shapavalov, den Sie in der ersten Runde schlugen, sagte später, er habe einfach nicht in sein Spiel gefunden, auch in keinen Rhythmus.

Es ist tatsächlich so, dass ich meine Stärken noch gestärkt habe -und andere damit schwäche. Dass ich ausnutze, was ich besonders gut kann. Ich schlage noch besser auf, und ich spiele gutes, aggressives Angriffstennis. Allerdings ist immer noch Luft nach oben, ich müsste noch mehr Punkte machen, wenn mein erster Aufschlag ins Feld kommt. Davon hängen Matches, Siege und auch Weltranglisten-Plätze ab. 

Sie sind jetzt die deutsche Nummer 2, hinter Alexander Zverev. Aber noch vor Oldie Philipp Kohlschreiber. Wichtig oder nicht?

Ich müsste lügen, wenn ich sage: Das ist mir nicht aufgefallen. Klar ist das wichtig. Aber noch wichtiger ist, weiter nach oben zu ziehen. Zuallererst ist das eine persönliche Sache, nämlich dass du immer besser werden willst. Und dass sich das auch in der Rangliste ausdrückt. Wir schauen alle auf die Zahlen, das ist in gewisser Weise ja auch unsere Währung als Spieler.

Sie stehen nun erstmals in der dritten Runde in Paris, bei einem Turnier, das viele Spieler nicht gerade auf der Favoritenliste haben – auch wegen der überfüllten Anlage, des Trubels, der Beengtheit. 

Die Hektik hier ist schon groß, die Menschenmassen auf wenig Raum sind enorm. Wenn ich die vollen Gassen auf der Anlage sehe, bin ich froh, dass ich da nicht raus muss. Früher wurde man oft noch über die Wege durchgeführt zu den Matches, das war manchmal eine Katastrophe. Man muss alles ausblenden können, wenn man schließlich ins Match geht. Auch die Angespanntheit, die über allem bei so einem Grand Slam-Turnier ist. Eine Angespanntheit, die man spürt im Spielerzentrum, bei uns Spielern, aber auch bei den Familien, den Trainern. Bei Grand Slams sind diese ganzen Stimmungen, Gefühle, Eindrücke viel stärker als anderswo.

Was trauen Sie sich gegen Coric zu, einen der Topspieler der sogenannten NextGeneration im Welttennis?

Bisher steht es 2:2 zwischen uns. Ich hab´ die ersten beiden Spiele gewonnen, er die letzten zwei. In Madrid, vor ein paar Wochen, hab´ ich wenig Land gesehen. Aber das wird so nicht noch mal passieren. Es wäre toll, mal in der zweiten Woche dabei zu sein.

Das Gespräch führte Jörg Allmeroth

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von Jörg Allmeroth

Freitag
31.05.2019, 15:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 31.05.2019, 15:48 Uhr