Jannik Sinner: Harter Reality-Check gleich zu Saisonbeginn
Nach seiner unerwarteten Niederlage gegen Novak Djokovic kann Jannik Sinner in den kommenden Monaten zwar ohne Druck auf Punktejagd gehen. Diese Pleite wird den Südtiroler aber sehr schmerzen.
von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet:
31.01.2026, 15:29 Uhr

Es wäre eine große Überraschung, würde Jannik Sinter bei den kommenden Grand-Slam-Turnieren nicht um den Titel mitspielen würde. Zu gut aufgestellt ist der Südtiroler in seinem Spiel und in seinem Umfeld. Und wie man weiß, nehmen Sinner und seine beiden Coaches Simone Vagnozzi und Darren Cahill die seltenen Niederlagen ja stets zum Anlass, etwaige Schwächen auszumerzen, das Auftreten auf dem Court weiter zu optimieren.
Das war etwa auch nach dem verlorenen Finale der US Open 2025 gegen Carlos Alcaraz so. Senner war damals als leichter Favorit gestartet, aber Alcaraz hatte aus der Pleite im Wimbledon-Finale gelernt, seine Taktik noch besser auf jene seines Dauerrivalen abgestimmt. Daraus wollte nun wieder Jannik Sinner lernen. Für ein mögliches Endspiel bei den Australian Open gegen Carlos Alcaraz.
Und dann kam Novak Djokovic. Der mal wieder gezeigt hat, dass der Wille auch im Tennissport Berge versetzen kann. Und der vor allem bei den entscheidenden Punkten mit einer Nervenstärke agiert hat, die auch schon Spieler wie Roger Federer an den Rand des Wahnsinns getrieben hat: Djokovic braucht nur eine Breakchance, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Und wehrt im Gegenzug zahlreiche Möglichkeiten seiner Gegner ab. Nur zwei von 18 Breakbällen konnte Sinner nutzen, da war etwa auch ein 0:40 bei Aufschlag Djokovic im achten Spiel des dritten Satzes dabei.
Sinner hat in den kommenden Wochen keine Punkte zu verteidigen
Erstaunlich auch: Wie wenig Jannik Sinner mit den Slice-Aufschlägen von Djokovic anfangen konnte, egal ob von der Einstand- oder Vorteilseite. Dabei ist Sinner ja einer der besten Returnspieler auf der ATP-Tour.
Spielerisch war es der erste richtige Test für Jannik Sinner im Jahr 2026. Wiewohl er in Runde drei gegen Eliot Spizziri ja schon massive Probleme hatte. Da rettete ihn in erster Linie eine Unterbrechung aufgrund der großen Hitze. Aber das kann auch passieren, wenn man mehr Matchpraxis hat als Sinner vor diesen Australian Open angesammelt hatte (nämlich keine): Man erinnere sich an das Match gegen Tallon Griekspoor in Shanghai im vergangenen Herbst.
Nach der überraschenden Niederlage wird sich das Team Sinner wieder sammeln. Und kann nun ohne Druck Punkte sammeln. Denn die folgenden Turniere mit den ersten Highlights in Indian Wells und Miami durfte Sinner aufgrund seiner Doping-Sperre im vergangenen Jahr ja nicht bestreiten.
