Jannik Sinner: Krise oder Chance?
Nach dem Viertelfinal-Aus in Doha und der Niederlage im Australian-Open-Halbfinale gegen Novak Djokovic werden Stimmen laut, die von einer Krise bei Jannik Sinner sprechen. Was aber verraten die Zahlen?
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
01.03.2026, 08:18 Uhr

Je höher die Ansprüche, desto härter die Kritik. Dieses eiserne Gesetz trifft derzeit auch Jannik Sinner. Von einer Formkrise will aber etwa der ehemalige italienische Tennisprofi Adriano Panatta nichts wissen. In der TV-Sendung La Domenica Sportiva nahm der French-Open-Sieger von 1976 vor allem spanische Medien ins Visier, die nach dem Triumphzug von Carlos Alcaraz in Melbourne und Doha schnell ein Narrativ vom schwächelnden Rivalen konstruierten.
Was sei Sinner aber schon groß passiert? Zwei Niederlagen, eine gegen Novak Djokovic, die andere gegen den formstarken Jakub Mensik. Mehr nicht. Wer daraus eine Krise ableite, verkenne die Realität des Spitzensports, so Panatta kopfschüttelnd.
Konstanz als Markenzeichen
Tatsächlich spricht die Bilanz klar für Jannik Sinner. Seit eineinhalb Jahren hat der Südtiroler nicht mehr zwei Turniere in Folge verloren. In den Saisonen 2024 und 2025 kassierte er insgesamt nur je sechs Niederlagen. Zwischen den jeweiligen Pleiten lagen fast immer Titel oder zumindest Finalteilnahmen. Was aktuell als 'Problem' wahrgenommen wird, ist also eher Ausdruck eines extrem hohen Maßstabs. Entsprechende Kritik auf hohem Niveau müssen eben auch nur absolute Weltklasse-Spieler wie Sinner aushalten.
Das Breakball-Rätsel
Ein statistischer Wert sorgt dennoch für Stirnrunzeln: Sinner nutzte in dieser Saison lediglich 32 von 91 Breakchancen, in den jüngsten fünf Matches sogar nur zwölf von 51. Besonders im Halbfinale der Australian Open gegen Djokovic, als er 16 von 18 Möglichkeiten ungenutzt ließ, zeigte sich dieses Dilemma. Doch Dominanz im entscheidenden Moment in Zählbares umzuwandeln, ist eben keine leichte Aufgabe.
Folgt in Indian Wells die Antwort?
Sinner selbst bleibt indes gelassen. Bei den kommenden Masters in Indian Wells und Miami will er seinen Rhythmus wiederfinden und genau dort ansetzen, wo zuletzt die Feinjustierung fehlte. Bei beiden Turnieren hat Sinner keine Punkte zu verteidigen, da er im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres seine Dopingsperre absitzen musste. Jeder Sieg beim Sunshine Double wirkt sich somit direkt positiv auf Sinners Konto aus. Alcaraz hingegen steht in Kalifornien unter Zugzwang: Immerhin 400 Punkte aus dem Halbfinaleinzug 2025 wollen verteidigt werden (in Miami stehen lediglich zehn Zähler auf dem Spiel).
Ein baldiger Führungswechsel scheint somit selbst bei gutem Abschneiden Sinners unrealistisch, da Alcaraz mit 3.150 Punkten Vorsprung führt. Erst auf Sand könnte sich das Kräfteverhältnis verschieben: Dort hat der Spanier mit den Titeln in Monte Carlo, Rom und bei den French Open ein massives Punktepolster zu verteidigen.
