Jürgen Melzer im Interview - "Um Justin Gimelstob tut es mir leid"

Jürgen Melzer spielt eine ausgezeichnete Saison 2019. Der österreichische Routiner im tennisnet-Interview über seinen künftigen Doppel-Partner, den Davis Cup und die Querelen in der ATP. 

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 16.05.2019, 12:54 Uhr

Jürgen Melzer spielt in den kommenden Wochen mit Nicolas Mahut
© Getty Images
Jürgen Melzer spielt in den kommenden Wochen mit Nicolas Mahut

tennisnet: Herr Melzer. Sie haben in den vergangenen Wochen mit wechselnden Partnern gespielt, hier in Rom sind Sie mit Dominic Thiem am Start gewesen. Ihre große sportliche Liebe ist aber bekanntermaßen Philipp Petzschner. Werden wir Sie beide noch einmal zusammen sehen?

Jürgen Melzer: Im Moment spielt Philipp nicht, hat mit seinem Knie zu kämpfen. Das will grad nicht so richtig wieder gut werden. Sollte er aber irgendwann wieder fit sein, ist der Philipp immer eine Option für mich.

tennisnet: Für die kommenden Wochen haben Sie nun einen permanenten Partner gefunden: Nicolas Mahut. Wie ist es dazu gekommen?

Melzer: Der Pierre-Hugues Herbert hat erklärt, dass er ab Madrid bis Cincinnati nicht mehr Doppel spielt. Und dann war der Mahut frei. und dem werden dann circa 633 Leute geschrieben haben. Sein Plan war von Anfang an wohl, mit einem Franzosen zu spielen. Das hat sich zerschlagen, und ich war wohl seine nächste Wahl, worüber ich sehr froh bin. Mit dem Titelverteidiger die French Open zu spielen und dann in die Rasensaison zu gehen, das fühlt sich natürlich gut an.

tennisnet: Hebt aber auch das Anspruchsdenken …

Melzer: Klar. Ich sehe uns im erweiterten Favoritenkreis. Mahut fährt dorthin, um die Turniere zu gewinnen. Aber dieser Herausforderung stelle ich mich gerne. Ich habe in meiner Karriere die ein oder andere Drucksituation schon gut überstanden. Ich fühle mich wohl, ich spiele gut.

tennisnet: Sie haben über viele Jahre die ATP-Tour gelebt - wie beurteilen Sie die Entwicklungen hinter den Kulissen, etwa den Rückzug von Justin Gimelstob oder die Nicht-Verlängerung des Vertrags von Chris Kermode als ATP-Chef?

Melzer: Das sind zwei komplett verschiedene Dinge - in beiden Fällen liegt es aber am Council. Ich bin da mal drin gesessen, weiß, wie es abläuft, habe im Moment aber zu wenige Insider-Informationen. Dass sie mit Chris nicht verlängert haben, kam für mich ein bisschen überraschend.  Vor allem, weil es keinen offensichtlichen Nachfolger gibt. Um den Justin tut es mir persönlich leid, ich kenne den sehr, sehr lange und habe mich mit ihm immer sehr gut verstanden. Das war eigentlich mein Go-To-Guy, als ich im Council war. So, wie diese Sache an die Öffentlichkeit getragen wurde, ist die Position natürlich schwer zu halten. Mir tut es aber extrem leid, weil Justin für die Spieler sehr viel gemacht hat.

tennisnet: Ihre mittelfristige Zukunft sehen viele Beobachter als österreichischer Davis-Cup-Kapitän. Könnten Sie sich das auch als Playing Captain vorstellen?

Melzer: Auf keinen Fall. Ich glaube, dass es sehr schwierig ist, wenn man zwei Einzel am Freitag anschaut und dann selbst am Samstag spielen muss, würde das nicht gut funktionieren. Solange man selbst noch aktiv dabei ist, wäre das nur eine absolute Notlösung. Im Moment haben wir ja den Stefan Koubek, und das ist gut so. Aber sollte ich einmal aufgehört haben, dann werde ich das wahrscheinlich übernehmen.

tennisnet: Waren Sie mit dem neuen Format zufrieden? Nur noch Best-of-Three, zwei Tage, das Doppel vor dem Spitzeneinzel, sodass eine Mannschaft schon 3:0 führen kann - und damit ein Match, beispielsweise zwischen Dominic Thiem und Rafael Nadal als jeweilige Nummer eins, irrelevant werden ließe?

Melzer: Für mich ist das Doppel gut als drittes Match. Wenn eine Nation 3:0 führt, dann ist das halt so. Aber wenn es nur 2:1 steht, dann ist im Match der zwei Einser eine irrsinnige Spannung drin. Ich glaube nicht, dass man hier etwas verändern sollte. Das Wochenende in Salzburg war komplett in Ordnung. Ich als alter Traditionalist bin allerdings an den drei Tagen mit Best-of-Five gehangen. Ich glaube aber, dass die Fans das neue Format sehr gut angenommen haben.

tennisnet: Wie sehen Sie die Entwicklung von Sebastian Ofner und Dennis Novak, die in den vergangenen Wochen auf Challenger-Ebene erfolgreich gespielt haben?

Melzer: Ich glaube, dass beide jetzt wieder Schritte in die richtige Richtung gemacht haben. Es ist wichtig, dass sich beide vorne reinspielen, 250er spielen können. Vor allem für den Dennis. Sobald Dennis diesen Schritt gemacht hat, geht es im Ranking noch einmal schnell noch viel weiter nach vorne. Beim Ofi bin ich ein bisschen weiter weg. Aber einen Challenger in Mexiko muss man erst einmal gewinnen.

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von Jens Huiber

Donnerstag
16.05.2019, 11:54 Uhr
zuletzt bearbeitet: 16.05.2019, 12:54 Uhr

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