Julia Görges - "2019 war das schwierigste Jahr"

Julia Görges schlägt in dieser Woche in Linz auf. Nach ihrem Erstrunden-Erfolg gegen Margarita Gasparjan resümierte die deutsche Nummer zwei ihre nicht nach Wunsch verlaufene Saison.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 09.10.2019, 17:05 Uhr

Julia Görges zeigt sich in Linz von ihrer besten Seite
© Jürgen Hasenkopf
Julia Görges zeigt sich in Linz von ihrer besten Seite

Von Jörg Allmeroth aus Linz

Als Julia Görges im Januar das Turnier in Auckland gegen eine gewisse Bianca Andreescu gewann, hätte sich die deutsche Weltklassespielerin vieles vorstellen können für das Jahr 2019. Die Rückkehr in die Top Ten, starke Grand Slam-Auftritte, vielleicht sogar einmal die Teilnahme an den WTA Finals. Doch wenn die acht Besten der Saison Ende Oktober im chinesischen Shenzhen um den inoffiziellen WM-Titel kämpfen, hat Görges ganz anderes zu tun. Die zweitbeste Deutsche im Tourbetrieb, die Ende 2017 zwischenzeitlich sogar einmal vor Angelique Kerber in der Hackordnung der Tennisprofis rangierte, muss die Rätsel einer teils stark enttäuschenden Saison auflösen, die Ursachen für ihre wiederholte Formschwäche analysieren. Und sie muss, vor allem, mit neuen Köpfen für neuen Schwung in ihrer gerade stockenden Karriere sorgen. „Ich möchte noch ein paar gute Jahre haben. Ich liebe diesen Sport immer noch mit ganzem Herzen“, sagt Görges, aktuell die Nummer 27 der Tennischarts, „jetzt geht es darum, personell die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Blickt Görges auf 2019 zurück, auf die letzten knapp zehn Monate, dann ist für die langjährige Nationalspielerin jedenfalls eins klar: „Es war das schwierigste, herausforderndste, auch interessanteste Jahr überhaupt für mich.“ Eigentlich wollte Görges mit dem Team, mit dem sie das Jahr begonnen hatte, auch weit in die Zukunft hinaus zusammenarbeiten, am liebsten sogar bis ans Ende der Karriere. Doch nach den French Open kam es zum Bruch mit Coach Michael Geserer, dem Mann, der Görges zuvor dreieinhalb Jahre lang wieder langsam, aber sicher und hartnäckig hinauf bis zum Allzeithoch auf Platz zehn der Bestenliste und auch ins Halbfinale von Wimbledon geführt hatte. Was genau passierte im Frühjahr, darüber hüllt sich Görges in Schweigen, ihre ganzen Pläne seien jedenfalls „über den Haufen geworfen worden“: „Von gewissen Aktionen war ich menschlich enttäuscht und überrascht.“ Sie wolle aber keine „bösen Worte“ verlieren, denn: „Die Zeit vorher hat mir eine Menge gegeben. Es war unheimlich stark, was wir da alle geleistet haben.“ Geblieben sei halt dies: „Man lernt eine Menge über Menschen. Man lernt eine Menge für die eigene Menschenkenntnis.“

Görges möchte aus dem Jahr mit gutem Gefühl rausgehen

Görges hat schon in den letzten Wochen irgendwann einmal den Reset-Knopf gedrückt und innerlich schon auf Neuanfang gestellt. Dass sie nach den US Open noch einmal einen personellen Schnitt machen und sich vom aktuellen „Team Jule“ (Interimscoach Sebastian Sachs, Physiotherapeut Florian Zitzelsberger) trennen würde, sei schon länger beschlossene Sache gewesen. Dass das Team nicht noch die letzten Wochen der Saison zusammenblieb, erklärt sich vielleicht mit der Aussage von Görges, „unbedingt noch mal mit einem guten Gefühl aus dem Jahr rauszugehen“, mit anderen Gesichtern, einer anderen Ansprache, einfach „etwas Neuem.“ Das Neue, genauer gesagt: Der Neue – das ist in diesem Fall ein prominenter Helfer, nämlich Fed-Cup-Kapitän Jens Gerlach. Er kümmert sich in dieser Woche in Linz und danach noch in Luxemburg vorrangig um die Belange von Görges. Sehr zur Zufriedenheit der Norddeutschen, die inzwischen eine neue Heimat in Regensburg gefunden hat: „Jens ist ein Supertyp, ein sehr, sehr angenehmer Mensch, ein ruhiger Typ mit gutem Fachwissen.“ Das Zusammenspiel, die ganze Atmosphäre sei angenehm, sagt Görges, „das ist wichtig für mich. Ich bin ein Harmoniemensch.“ 

Görges, die am Mittwochabend in Oberösterreichs Landeshauptstadt im Zweitrundenduell auf Freundin Andrea Petkovic traf, sieht die Aufgaben der nächsten Wochen  - abseits des Centre Courts - durchaus sportlich: „Ich weiß, dass es nicht einfach wird, wieder in die Spur zu kommen. Aber das fordert mich heraus, und ich will noch einmal in der Spitze angreifen“, sagt die 31-jährige. Die Schwachstellenanalyse hat längst begonnen, die Trainersuche auch, da sei „im Hintergrund schon viel aktiv.“ Görges gibt sich dabei optimistisch, sie hat das Gefühl, dass das Problemjahr 2019 im Rückblick womöglich auch noch sein Gutes haben könnte: „Man kann auch wachsen, wenn man diese ganzen Schwierigkeiten meistert und noch einmal durchstartet.“ Aber zunächst gilt da natürlich nur das Prinzip Hoffnung. 

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