Justin Engel mit doppelter Steeb-Expertise zum Titel-Debüt
Es war die Woche des Justin Engel. Der 18-jährige Nürnberger begeisterte beim Hamburg Ladies & Gents Cup das Publikum, spielte sich mit Mut, Leidenschaft und Nervenstärke in die Herzen der Fans – und sicherte sich schließlich seinen ersten Titel auf der ATP-Challenger-Tour.
von Florian Heer
zuletzt bearbeitet:
29.10.2025, 11:00 Uhr

Bereits an den Tagen zuvor war Engel der Publikumsliebling, doch im Finale gegen den gleichaltrigen Italiener Federico Cinà erreichte die Begeisterung ihren Höhepunkt: Die Tribüne war restlos gefüllt, als der deutsche Shootingstar den nächsten Meilenstein seiner noch jungen Karriere setzte.
Jüngste Challenger-Finale in über 20 Jahren
Der Start ins Endspiel – welches das jüngste auf der Challenger-Tour seit 2003 darstellte, als damals Mario Ancic auf Rafael Nadal traf, übrigens ebenfalls in Hamburg - verlief zunächst nicht nach Engels Wunsch. Dieser musste gleich sein erstes Aufschlagspiel abgeben und fand bis zum 3:4 kaum Lösungen bei eigenem Return. Doch dann kam der Umschwung: Engel kämpfte sich mit beeindruckender Mentalität zurück, holte beim Stand von 5:4 Satzbälle – und verwandelte kurz darauf zum Gewinn des ersten Durchgangs.
Im zweiten Satz entwickelte sich ein hochklassiges Duell zweier junger Hoffnungsträger. Beide hielten ihren Aufschlag souverän, der Tie-Break war die logische Konsequenz. Dort zeigte Engel erneut, warum er als nervenstark gilt: Nach sechs gewonnenen Tie-Breaks im Turnierverlauf entschied er auch seinen siebten für sich.
„Es war einfach unglaublich“, sagte der Teenager kurz nach dem Gewinn seines ersten Titels auf Challenger-Level. „Danke an die Zuschauer, ihr seid unfassbar gewesen.“ Nach seinem Matcherfolg gegen Jan-Lennard Struff am Hamburger Rothenbaum, Engels erstem auf ATP-500er-Level, folgte sogar eine kleine Liebeserklärung an die Hansestadt: „Mittlerweile ist Hamburg meine Lieblingsstadt.“
Engel mit weißer Weste in den Tie-Breaks
Besonders auffällig in dieser Turnierwoche: Engels beeindruckende Bilanz in den Tie-Breaks. „Ich hatte häufig einen guten Start. Dazu war das Glück dann an der ein oder anderen Stelle auch auf meiner Seite,“ erklärte der mit 18 Jahren und 25 Tagen nun fünfjüngste deutsche Challenger-Champion der Geschichte.
Für Engel ist Hamburg ohnehin ein besonderer Ort. Bereits vor drei Jahren hatte er auf der Anlage des Hamburger Tennis-Verbandes seinen ersten Titel auf der ITF-Juniors-Tour gewonnen. „Ich fühle mich sehr wohl hier“, konstatierte der Franke.
Nach dem größten Erfolg seiner bisherigen Karriere richtet Engel den Blick bereits nach vorn. „Das war bereits seit dem Match gegen Struff in Hamburg in meinem Kopf. Das Ziel sind die NextGen Finals und ich möchte die Saison natürlich unter den Top 200 abschließen.“ Der Triumph beim Hamburg Ladies & Gents Cup soll dabei ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg sein. „Ich habe viele gute Matches gespielt und auch zwei Challenger-Halbfinals erreicht, allerdings hat leider häufig die Konstanz gefehlt.“

Steeb als Coach in Hamburg
In Hamburg wurde Engel von Manager und Ex-Profi Carl-Uwe Steeb begleitet, der vor Ort auch die Rolle des Coaches übernahm. Steeb, ehemalige Nummer 14 der Welt und dreifacher Davis-Cup-Sieger, zeigte sich beeindruckt von seinem Schützling:
„Er hat früh begonnen professionell mit seinem Vater zu arbeiten. Das sieht man und ist die Grundlage dafür, dass er schon relativ weit gekommen ist. Er hat zudem eine große Disziplin. Er hat klare Ziele, die er verfolgt. Zudem zeichnet sich seiner absoluter Willen auf dem Platz zu gewinnen aus. Es sind viele Voraussetzungen da. Der Weg ist allerdings noch lang. Mit jedem Match, das er spielt, erhält er nun mehr an Reife. Die Erfahrung muss er sammeln und es gibt auch noch viele Dinge an seinem Spiel zu verbessern, um ganz nach oben zu kommen. Er ist aber insgesamt auf einem sehr guten Weg.“
Auch für Steeb selbst war die Woche in Hamburg eine besondere Erfahrung: „Die Rolle als Coach in dieser Woche war ungewohnt. Bälle kann man schlagen, aber wenn er richtig trainieren muss, wird es für mich zu schnell und ist für meinen Körper nicht mehr so förderlich. Dann stehe ich lieber am Rand und überlasse es den Spielern.“
Ganz ohne Schläger geht es für den 58-Jährigen aber weiterhin nicht: „Ich halte mich noch fit. Mein Tennis wird allerdings nicht besser (lacht). Ich spiele viel Pádel-Tennis und treibe insgesamt noch Sport.“
