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Justizdrama wegen Doping: Doppelspezialistin Tara Moore verklagt die WTA

Die britische Tennisspielerin Tara Moore geht juristisch in die Offensive und erhebt schwere Vorwürfe gegen die WTA. Im Zentrum steht ein Dopingfall, der ihre Karriere beendete.

von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet: 22.02.2026, 20:54 Uhr

Doppelspezialistin Tara Moore
© Getty Images
Doppelspezialistin Tara Moore

Tara Moore, einst die britische Nummer eins im Doppel, wurde im Mai 2022 nach einem positiven Dopingtest auf Boldenon und Nandrolon bei einem Turnier in Bogotá vorläufig gesperrt. Ihre Verteidigung: kontaminiertes Fleisch als Ursache. Ein unabhängiges Tribunal folgte dieser Argumentation Ende 2023 und sprach Moore frei. Doch die International Tennis Integrity Agency (ITIA) legte Berufung ein – mit Erfolg. Der Internationale Sportgerichtshof CAS verhängte im November 2025 eine vierjährige Sperre, beginnend rückwirkend ab Juli 2025.

WTA im Fadenkreuz

Nun zieht die 33-jährige Moore vor ein US-Bundesgericht und verklagt die WTA wegen grober Fahrlässigkeit. Ihre Anwälte werfen der WTA vor, Spielerinnen nicht vor dem bekannten Risiko kontaminierten Fleisches in Kolumbien gewarnt zu haben, obwohl es bereits einen vergleichbaren Fall gegeben hatte. Die Klage fordert 20 Millionen Dollar Schadenersatz und die Aufhebung des CAS-Urteils. Moore spricht davon dass ihre Karriere durch unterlassene Fürsorge zerstört worden sei.

Zweifel an der Beweisführung

Bei dem Turnier in Bogotá waren drei Proben auffällig (zwei davon klar positiv). Neben Moore traf es auch die Chilenen Bárbara Gatica. Dennoch argumentierte der Sportgerichtshof CAS, es habe keine Pflicht zur expliziten Warnung gegeben. Für Moores Anwalt zeigt sich hierin ein fundamentaler Fehler: Das System habe Schuld unterstellt, statt sie zweifelsfrei nachzuweisen. Seine Kritik richtet sich nicht nur gegen die WTA, sondern gegen die gesamte Struktur der Anti-Doping-Justiz im Tennis.

Erneuter Grundsatz-Streit rund um Doping im Tennis

Der Fall Moore könnte weit über den Einzelfall hinausreichen. Im Kern geht es um die Frage, wie viel Verantwortung Verbände für die Sicherheit ihrer Spieler tragen und ob das bestehende Anti-Doping-System Athlet:innen wirklich fair behandelt (auch im Nachgang zum Fall Sinner). Während die WTA die Rechtmäßigkeit des Schiedsverfahrens betont, setzt Moore alles auf eine juristische Neubewertung. Der Ausgang dieses Prozesses könnte das Verhältnis zwischen Profis und Verbänden nachhaltig verändern.

von Isabella Walser-Bürgler

Montag
23.02.2026, 11:08 Uhr
zuletzt bearbeitet: 22.02.2026, 20:54 Uhr