Legendärer Spielabbruch von Connors

Vor 28 Jahren beendete Jimmy Connors das Semifinale in Boca Raton gegen Ivan Lendl vorzeitig – und zwar auf ganz spezielle Weise.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 22.02.2014, 16:38 Uhr

Es ist der 21. Februar 1986 in Boca Raton im US-Bundesstaat Florida: Jimmy Connors steht Ivan Lendl bei den „Lipton International Players Championships" im Semifinale gegenüber. Die beiden liefern sich einen harten Kampf und stehen schon weit über vier Stunden auf dem Center Court. Der geborene Tscheche, der damals die Nummer eins der Weltrangliste war, führt im fünften Satz bereits mit 3:2 und 30:0, als ein für Connors klarer Aus-Ball weder vom Linien- noch vom Stuhlschiedsrichter als solcher erkannt wird.

Connors ruft Supervisor

Connors verlangt daraufhin, dass der Turnier-Supervisor, Ken Farrar, auf dem Platz erscheinen soll, da er sich unfair behandelt fühlt. Dafür gibt es für den Stuhlschiedsrichter allerdings keinerlei Veranlassung und er ermahnt den US-Amerikaner mit dem Match fortzufahren, oder sich den Konsequenzen zu stellen. Connors erhält zunächst wegen Zeitüberschreitung einen Punktabzug und danach sogar ein Straf-Spiel aufgebrummt. Damit liegt der er schon mit 2:5 hinten. Farrar und der Turnierschiedsrichter Alan Mills kommen zwar noch auf den Platz, können Connors allerdings nicht zum Weitermachen überreden. Connors packt seine Sachen und verlässt wutentbrannt das Stadion.

Hier das Video zu dem Vorfall (nur die ersten vier Minuten):

Connors für 10 Wochen suspendiert

Eine skurrile Szenerie, die nun bereits 28 Jahre her ist. Notiert wurden damals für Connors ein Strafpunkt wegen Zeitüberschreitung und drei „Code viaolations" aufgrund der weitergeführten Verzögerung. Als der US-Amerikaner die komplette ihm zumutbare Zeit hatte verstreichen lassen, blieb dem damaligen Stuhlschiedsrichter Jeremy Shales nichts anderes übrig, als ihn wegen Spielverweigerung auszuschließen. Das offizielle Ergebnis liest sich aus Sicht von Lendl 1:6, 6:1, 6:2, 2:6, def. - wobei die Bemerkung „default" im Normalfall mit dem Ausdruck „Nichtantreten" übersetzt werden würde. In diesem Fall fiel es wohl eher in die Kategorie „Unterlassung".

Der Ausraster kostete dem Heißsporn aus Illinois 25.000 US-Dollar und die Teilnahme an den French Open, da er auch für zehn Wochen von der Tour suspendiert wurde. Nach dem Spiel gab Connors zu Protokoll: „Irgendwann ist das Fass voll. Ich gebe da draußen alles. Ich habe mich gefühlt, als würde ich um meine Rechte betrogen. Alles was ich wollte, war, dass Shales richtig aufpasst. Wenn er sich nur um eine Platzhälfte kümmert, ist das nicht gut genug."

„Habe damit ein Haufen mehr Geld gemacht..."

Einige Jahre später erinnerte sich „Jimbo" in seiner Autobiografie „The Outsider" an diese Eskapade und war im Nachhinein sogar froh über den Skandal: „Das ist also das, was man zu tun hat, um ein wenig Freizeit zu bekommen? Egal, auf jeden Fall hatte die Suspendierung, die ich ausgefasst hatte, mir die Möglichkeit gegeben, einige Extraveranstaltungen und ein halbes Dutzend Schaukämpfe zu spielen. Ich habe damit ein Haufen mehr Geld gemacht, als wenn ich Turniere gespielt hätte."(Text: sb)

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Samstag
22.02.2014, 16:38 Uhr