Keine dritte Runde in New York: DTB-Frauen weiter in der Krise
Die deutschen Tennis-Frauen blicken nach dem Abschneiden bei den US Open auf ein enttäuschendes Grand-Slam-Jahr zurück. Besserung ist erst einmal wohl nicht in Sicht.
von SID/Red.
zuletzt bearbeitet:
05.09.2026, 11:43 Uhr

Eva Lys nahm kein Blatt vor den Mund. Sie habe "auf die Schnauze bekommen", sagte die eloquente Hamburgerin nach ihrem krachenden Zweitrundenaus bei den US Open. Die 0:6, 2:6-Packung gegen die Paris-Siegerin Mirra Andrejewa hatte ihre Spuren hinterlassen - und sie stand dabei symbolisch für die großen Probleme, die die deutschen Tennisfrauen auch beim letzten Major-Turnier des Jahres aufwiesen.
"Natürlich haben wir uns mehr erhofft", sagte Bundestrainer Torben Beltz dem SID in New York - "dass zumindest eines von unseren Hauptfeld-Mädels in die dritte oder vierte Runde kommt. Das hat leider nicht geklappt." Tatjana Maria verlor wie Lys ihr zweites Turnier-Match, die deutsche Nummer eins Tamara Korpatsch und Ella Seidel kamen nicht über die erste Runde hinaus. Und so fällt das Gesamtfazit mal wieder ernüchternd aus.
Beltz verfolgte das Lys-Aus in Flushing Meadows auf der Tribüne, danach ging es für den ehemaligen Erfolgscoach der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Angelique Kerber schnell weiter. Es wartet schließlich jede Menge Arbeit, denn auch die Jahresbilanz der deutschen Frauen liest sich enttäuschend.
Lediglich Korpatsch schaffte es 2026 in die dritte Runde eines Grand Slams. In Paris war das. Lys, Maria, Seidel? Sie alle kamen nie über die zweite Runde hinaus. "Die Mädels werden hoffentlich ihre Schlüsse daraus ziehen", sagte Beltz: "Es ist auf jeden Fall das Ziel, dass sie es im nächsten Jahr besser machen."
Die erneute Enttäuschung in New York wirkt dabei wie eine logische Folge. Seit dem Karriereende Kerbers gibt es keine deutsche Spielerin in der Weltspitze mehr. Und auch die Breite ist verlorengegangen, aktuell rangiert keine DTB-Spielerin in den Top 40 des WTA-Rankings. Maria ist zudem bereits 39 Jahre alt, Laura Siegemund, die zuletzt immer wieder für Glanzlichter gesorgt hatte, aber in New York fehlt, 38.
Bei den Männern lief es diesmal nicht viel besser. Hinter Alexander Zverev, der nach der zweiten Runde weiter von seinem zweiten Grand-Slam-Titel träumen durfte, klafft ein großes Loch. Auch Jan-Lennard Struff konnte seine Heldentaten rund um den Viertelfinaleinzug in Wimbledon nicht wiederholen. Neben Zverev schaffte es in New York auch kein männlicher Profi des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) in die zweite Einzel-Runde.
Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Die Versäumnisse sieht der Verband eher in der Vergangenheit und will mit seiner Strategie "TennisDeutschland 2032" wieder mehr deutsche Profis in die Top 100 bringen. Beltz ist zumindest bei den Frauen guter Dinge, was die langfristige Zukunft angeht.
"Es ist schon so, dass wir ein paar junge Talente haben, die hart trainieren, die fleißig Punkte sammeln auf der ITF-Tour", sagte der Bundestrainer, der bald auf neue Gesichter bei den Grand Slams hofft: "Wir sind auf jeden Fall gut aufgestellt bei den jungen Spielerinnen - ich glaube, dass da auch ein paar durchkommen. Darauf können sich die deutschen Fans freuen."
Hier das Einzel-Tableau der Damen aus New York
