Nicht nur Hitting Partner, sondern auch Co-Trainer von Sharapova

Der 31-jährige Deutsche Dieter Kindlmann spricht im Interview mit „spox.com“ über die Zusammenarbeit mit Maria Sharapova.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 13.04.2014, 07:21 Uhr

Dieter Kindlmannist das für Maria Sharapova, wasAleksandar „Sascha" Bajinfür Serena Williams ist. Der Deutsche, ehemals Nummer 130 der Welt, ist seit über einem Jahr derHitting Partner der russischen Tennis-Diva. In Interview mit der Internetseite „spox.com" sprach Kindlmann über das Engagement bei Sharapova. „Maria ist ja nicht nur eine ganz normale Tennisspielerin, sondern eine einmalige Persönlichkeit und ein absoluter Weltstar, den es in dieser Art und Weise auf der Tour ansonsten sehr selten gibt. Ich muss aber sagen, dass ich von Beginn an eigentlich nie diesen Topstar oder diese Marke Sharapova, sondern immer nur meinen Job beziehungsweise meine Aufgabe gesehen habe", erklärte Kindlmann.

Erst Absage, dann Zusage

Die Zusammenarbeit mit Sharapovakam für den 31-jährigen Deutschen auf Umwegen zustande. Wegen einer Schulterverletzung konnte Kindlmann seine Profi-Karriere nicht fortsetzen. „Als ich am Geburtstag von meinem Vater morgens aufgestanden bin, hatte ich eine längere SMS auf meinem Handy mit der Frage, ob ich mir vorstellen könnte, als Hitting Partner von Maria Sharapova anzufangen. Nachdem mein erster Gedanke war, dass mich da mit Sicherheit jemand veralbern möchte, habe ich auch gar nicht zurückgeschrieben. Erst als dann am nächsten Tag nochmals eine SMS mit der deutlichen Aufforderung kam, dass ich doch bitte mal auf die erste antworten solle, habe ich zurückgeschrieben - zumal ich mittlerweile auch herausgefunden hatte, dass es eine schwedische Handynummer war. Kurz darauf folgte dann schon das erste Gespräch mit Sharapovas damaligem schwedischen Trainer Thomas Högstedt."

Doch erst im zweiten Anlauf klappte es mit einem Engagement bei Sharapova. „Aufgrund der Folgen meiner Schulteroperation, die mich ja letztlich zum Karriereende zwangen, habe ich nach kurzer Bedenkzeit schweren Herzens abgesagt, da ich mich physisch zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage sah, diese Aufgabe entsprechend auszuüben. Drei Wochen später bekam ich dann nochmals einen Anruf von Högstedt mit der Frage, wie ich denn jetzt körperlich beieinander sei, da sie mich immer noch gerne für diesen Job wollten. Nachdem meine Schulter soweit wieder in Ordnung war beziehungsweise ich mir auch bewusst war, dass ich mit Sicherheit keine dritte Chance mehr bekommen würde, habe ich dann schließlich zugesagt. Mein großes Glück war dabei allerdings auch, dass mir der BTV (Anmerkung: Bayerische Tennis Verband), bei dem ich zu diesem Zeitpunkt als Trainer unter Vertrag stand, keine Steine in den Weg gelegt hat."

„Zwei unterschiedliche Welten"

Mittlerweile ist der Niederländer Sven Groeneveld der Trainer der Russin. Dadurch hat sich auch das Aufgabenfeld von Kindlmann verändert, wie der Deutsche wie folgt beschreibt: „Unter Högstedt war das alles relativ einfach gestrickt. Als Hitting Partner war ich der Trainingspartner von Maria und habe das gemacht, was Högstedt vorgegeben hat. Sprich: Ich spiele mit ihr, bringe sie als ehemaliger Herren-Profi von der Geschwindigkeit her auf ein möglichst hohes Level, habe aber letztlich null Verantwortung. Jetzt, unter Groeneveld, bin ich in alles involviert, werde stets nach meiner Meinung gefragt und kann damit auch selbst Impulse einbringen. Das macht mir riesigen Spaß, zumal ich von Sven auch sehr viel lernen kann. Neben der Gegner- und Spielanalyse trainiere ich natürlich auch weiterhin mit Maria auf dem Platz. Darüber hinaus bin ich nun auch noch für das gesamte Tennis-Equipment verantwortlich. Von dem her würde ich mich mittlerweile nicht „nur" als Hitting-Partner, sondern fast schon als Co-Trainer bezeichnen."

Kindlmann sprach auch über die gravierenden Unterschiede zwischen Damentennis und Herrentennis. „Das sind einfach zwei unterschiedliche Welten. Wenn man jetzt nur einmal die Kommunikation unter den Topstars hernimmt: Während die Herren untereinander völlig cool und entspannt miteinander umgehen und auch am Abend mal ein Bierchen zusammen trinken gehen, ist das bei den Frauen nahezu undenkbar. Da ist jede Spielerin einzig und allein auf sich fixiert. Man kann daher sicherlich auch ehrlich sagen, dass es einen Job wie den des Hitting Partners wohl nicht gäbe, wäre der Umgang der Frauen untereinander anders. Während die Herren während eines Turniers zumeist zusammen trainieren oder sich einen Platz teilen, sieht man das bei Frauen so gut wie überhaupt nicht. Diese für mich ganz neue Situation musste ich natürlich auch erst lernen. Es ist auch oftmals nicht gewollt, dass man beispielsweise Kontakt zu den Konkurrenzteams pflegt, wo man vielleicht die eine oder andere Person bereits kennt. Letztlich hat man ausschließlich für seine Spielerin da zu sein. Und das ist schon ein sehr großer Unterschied zu den Herren."(Text: cab)

Hier geht es zum kompletten Interview mit Dieter Kindlmann auf „spox.com".

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von tennisnet.com

Sonntag
13.04.2014, 07:21 Uhr