Kotzaurek schreibt mit April-HTT-500-Titel historische Geschichte
Am Dienstag Abend ist mit der 34. Ausgabe des April HTT 500 Turniers das erste große Sandplatz-Event...
von Claus Lippert
zuletzt bearbeitet:
07.05.2026, 18:18 Uhr
Am Dienstag Abend ist mit der 34. Ausgabe des April HTT 500 Turniers das erste große Sandplatz-Event des Jahres zu Ende gegangen. Erwartungsgemäß mit einem Erfolg des topgesetzten Niederösterreichers Benjamin Kotzaurek, der fast sechs Jahre nach seinem bislang einzigen Turniersieg beim April-Challenger 2020, endlich seinen ersten Titel auf großer HTT-Bühne holen konnte. Der 21jährige schlug im Endspiel den 16jährigen Wiener Ferdinand Gulla in 1:26 Stunden Spielzeit mit 6:4, 6:3, und folgte damit großen Namen in der Siegerliste der 34jährigen Geschichte dieses Sandplatz-Klasssikers nach, wie beispielsweise jenen von Vladimir Vukicevic, Damian Roman, Florian Pimishofer oder Dominik Jaros. Ein Bericht von C.L
April HTT 500 Turnier – nur mehr ein Abklatsch einstiger glorreicher Zeiten
Rein statistisch betrachtet, hat Benjamin Kotzaurek am Dienstag Abend einen richtig großen Coup gelandet. Das April-HTT-500 Turnier zu gewinnen, das war einst in der guten alten Zeit und noch gar nicht lange in der Vergangenheit zurückliegend, eine Bravourleistung, die nur den ganz Großen der HTT-Zunft vorbehalten war. Kein Wunder, war das erste HTT-500er Turnier des Jahres auf roter Asche einst ein hoch angesehenes Prestige-Turnier, das neben dem Mai Masters Series 1000 Event einen der beiden Sandplatz-Klassiker vor den HTT French Open abbildete. Mehr als drei Jahrzehnte lang, war das April HTT 500 Turnier ein schicker Starauflauf der besten HTT Spieler und eine sehenswerte Leistungsschau, was Tennis auf Sand betraf. Ein Blick auf die Siegerliste offenbart den Stellenwert, den diese Veranstaltung im HTT Kalender einst inne hatte. Die Betonung liegt allerdings auf “einst”. Denn praktisch – um auf Sieger Benjamin Kotzaurek zurückzukommen – hat der Mann vom ASK Ybbs am ersten Mai-Weekend 2026 aus sportlicher Sicht ein besseres HTT 250er Turnier gewonnen. Es war bei der 34. Auflage nichts mehr so, wie es “einst” Gang und gäbe war. Quantitativ ist das April HTT 500 Turnier nicht mehr mit jenen Veranstaltungen der Vergangenheit zu vergleichen, als man noch drei Quali-Runden für eine Teilnahme am 32er-Main-Draw überstehen musste. Qualitativ ist der HTT-Sandplatz-Auftakt im UTC La Ville mittlerweile ein heruntergekommener Abklatsch glorreicher Zeiten. Vorbei sind auch die Zeiten, als die Spieler und Teilnehmer noch echte Männer waren, die neben dem Start bei einem riesigen Turnier auch noch den “einen” Meisterschafts-Auftritt am Samstag Nachmittag koordinieren konnten. Die Stars von heute hingegen, sind für einen Turnier-Auftritt neben der Meisterschaft nicht mehr konditioniert. Sie gelangen – so traurig das klingen mag – körperlich und vorallem mental an ihre ohnehin schon limitierten Grenzen. Dennoch hat das April-HTT-500-Turnier auch heuer bei seiner 24. Auflage wieder ein Stück HTT Geschichte zu bieten.
Vom April-Challenger-Champion zu Corona-Zeiten, zum 1.000 Turniersieger der HTT Geschichte seit 1990
Denn, und damit wollen wir der Leistung und dem verdienten Erfolg des Benjamin Kotzaurek Rechnung tragen, war der Triumph des 21jährigen Ybbsers einer mit entsprechend großer Tragweite. Doch dazu später mehr. Wir blicken zunächst zurück ins Jahr 2020, als das Corona-Virus die Welt in Atem hielt, und Lockdown Nr. 1 für gesperrte Tennisplätze und einen unterbrochenen Turnierkalender sorgte. So wanderte das April-Challenger-Turnier vom traditionellen Austragungstermin auf ein Wochenende tief hinein in den Juni. 44 Spieler bemühten sich damals um den Titel, den der damals erst 15jährige Kotzaurek in souveränem Stil und ohne Satzverlust holen sollte. Das es sechs Jahre dauern würde, bis der mittlerweile 21jährige wieder zu der Ehre kommen würde, einen Pokal in die Höhe zu stemmen, hätte damals angesichts seiner Leistung von 2020 niemand erahnt. Wobei Kotzaurek natürlich im letzten Jahr Team Austria zum HTT Laver Cup Triumph geführt hatte, und bei den HTT US Open sensationeller Weise zum Finalgegner von Damian Roman mutierte. Aber der große Einzeltitel war nicht dabei, und viele seiner Mitstreiter haben ihm diesen auch gar nicht zugetraut.
Benjamin Kotzaurek – der neue Führende im Race to La Ville
Jetzt ist es endlich soweit. Kotzaurek hat sich zum 28. Sieger dieser Traditionsveranstaltung aufgeschwungen, und mit dem finalen Zweissatzsieg über Ferdinand Gulla seinen Namen zudem in den Geschichtsbüchern der Hobby Tennis Tour verewigt. Denn, man höre und staune, Benjamin Kotzaurek hat sich an diesem 5. Mai 2026 zum exakt 1.000 Turniersieger der HTT-Geschichte seit 1990 gekrönt. 1000 verschiedene Sieger aus über 2.360 ausgetragenen Einzelturnieren, das sind die aktuellen Daten und Fakten aus der HTT-Statistik-Abteilung zum April HTT 500 Turnier. Das 6:4, 6:3 über Gulla hatte aber noch einen weiteren Nebeneffekt aus Sicht des Siegers. Denn Kotzaurek übernahm mit 2.150 Punkten als vierter Spieler in diesem Jahhr nach Amel Bisevac, Vuk Jovanovic und Damian Roman auch die Führung im Race to La Ville. Der 21jährige als Nummer 1 der HTT Jahreswertung, auch ein spannender Aspekt und ein Beweis der grandiosen Kotzaurek-Leistung. Immerhin hat im ersten Quartal des Jahres 2026 kein Spieler mehr Punkte auf der HTT gesammelt, als der Ranglisten-Vierte aus Ybbs. Das Finale, übrigens sein fünftes auf der Tour, ist relativ schnell erzählt. Von starkem Wind beeinträchtigt, lieferten die beiden Finalisten ein von Fehlern geprägtes Match ab. 75 unforced errors waren es am Ende, die kein großartiges Endspiel zuließen. Im ersten Satz, der 48 Minuten dauerte, gelang Kotzaurek miit 4 zu 3 geschafften Breaks der entscheidende Wurf. Im zweiten Durchgang gelang Kotzaurek das entscheidende Break zum 4:2, ehe er um exakt 19:34 Uhr seinen dritten Matchball verwandelt hatte.
Die Stimmen der beiden Finalisten zum April HTT 500 Endspiel
“Die Freude ist natürlich riesengroß, und doch mischt sich gerade auch Frustration in meine Gefühle. Eigentlich wollte ich nämlich ein offensives und attraktives Match spielen. Nichts davon konnte ich umsetzen. Es ist halt so, aber Sieg ist Sieg, und den kann mir keiner mehr nehmen. Darüber bin ich glücklich, aber es liegt noch sehr viel Arbeit vor mir”, konstatierte der Sieger, der dann noch in die Detail-Analyse ging. “Ich habe eigentlich gut begonnen, aber dann ist irgendwie der Kopf dazugekommen. So wurde es eine zähe Geschichte. Ich habe gegen den Ferdi heuer schon zwei Mal in der Halle gespielt. Ich wusste daher, was auf mich zukommen würde. Er hat sich auch stark verbessert, das muss man anerkennen. Er hat vielleicht in manchen Situationen die falsche Entscheidung getroffen, aber er wird ganz sicher einer der Topspieler in der HTT-Zukunft” lobte Kotzaurek. “Ich habe über das gesamte Turnier gesehen, ein solides Level gespielt. Grundsätzlich bin ich zufrieden, aber im Finale war das Timing an manchen Stellen nicht optimal. Ich habe zwar versucht aktiv zu bleiben, aber Kotzaurek hat es mir mit seiner Sicherheit extrem schwer gemacht. Ich denke es war mehr drin, aber mein Gegner hat es auch sehr gut gemacht”, so der 16jährige Gulla, der im dritten Duell mit Kotzaurek nun zum dritten Mal als Verlierer vom Platz musste, im neuesten HTT Ranking aber erstmals in seiner Karriere die Top 20 knackte.
