Krönung in New York: Rybakina entthront die "Queen of Queens"
Elena Rybakina hat ihr starkes Jahr mit dem Titel bei den US Open und dem Sprung auf Platz eins gekrönt.
von SID / tennisnet
zuletzt bearbeitet:
13.09.2026, 16:13 Uhr

Im grellen Licht der Pyro-Fontänen unter den Augen all der Stars und Sternchen, die sich bei den US Open auf den Tribünen tummelten, wirkte Jelena Rybakina fast ein wenig verloren. Vor ihr hatte sich eine Meute Fotografen versammelt, die Kameras klickten, Rybakina reckte den Pokal in den Himmel, sie lächelte, denn sie hatte wahrlich Großes erreicht. Doch die Showbühne, das war offensichtlich, liegt der Kasachin nicht.
Ganz anders Aryna Sabalenka. Die Belarussin liebt das Scheinwerferlicht, das nirgends in der Tenniswelt so hell strahlt wie in New York. Doch diesmal musste die "Queen of Queens" bei der Zeremonie im gewaltigen Arthur Ashe Stadium zuschauen; frustriert, geschlagen, vom Thron gestoßen. Rybakina nahm ihr mit dem 6:4, 5:7, 6:2 im Finale nicht nur den Titel weg, ab Montag führt sie auch die Weltrangliste an.
99 Wochen hatte Sabalenka (28) den Tenniszirkus beherrscht, und auch wenn nicht immer alles nach Plan verlief, war sie eine würdige Nummer eins, die vor allem bei den US Open aufdrehte. Das Time-Magazin widmete ihr noch in der vergangenen Woche ein Titelporträt mit der Überschrift: "Wie Aryna Sabalenka zur faszinierendsten Spielerin im Tennis wurde". Sie genießt die Aufmerksamkeit, die Rybakina eher als lästiges Beiwerk empfindet.
“Wird sich anders anfühlen, die Nummer 1 zu sein”
Mit 27 Jahren und nunmehr den drei Grand-Slam-Siegen in Wimbledon (2022), Melbourne (2026, ebenfalls im Finale gegen Sabalenka) und New York hat sich die gebürtige Russin jedoch an das Brimborium gewöhnt. Routiniert spulte sie am Abend den Medienmarathon ab. Der Sieg fühle sich "unglaublich" an, sagte sie. Immerhin sei Sabalenka ein "großer Champion". Es werde sich sicher "anders anfühlen, am Montag aufzuwachen und die Nummer eins zu sein".
Die Fragesteller versuchten weiter, Emotionen aus der so kontrollierten Tennisspielerin herauszukitzeln. Wie denn die Siegesfeier aussehen werde? "Keine Ahnung, aber es wird sicher sehr lustig", antwortete Rybakina. Große Worte sind eben nicht ihre Sache, dafür hatte sie auf dem Court den Schläger sprechen lassen - und das erkannte auch Sabalenka an, obwohl sie nach dem Matchball sichtlich unzufrieden mit sich war.
"Ich bin natürlich sehr enttäuscht, aber ich möchte Elena zu einem unglaublichen Jahr und Turnier gratulieren", sagte Sabalenka unter Tränen: "Sie war einfach die bessere Spielerin. Sie hat großes Tennis gezeigt." Sie selbst hatte da bereits all ihren Ärger über die verpasste Chance, zum dritten Mal nacheinander den Titel auf der Anlage in Queens zu gewinnen, an ihrem Material ausgelassen. Wutentbrannt zerhackte sie ihren Schläger.
Sie wollte einfach all ihre Aggression und Enttäuschung loswerden, erklärte Sabalenka den ungezügelten Gefühlsausbruch. Rybakina nahm ihn gelassen zu Kenntnis, die prominenten Tennisfans wie Schauspieler Brad Pitt, Sängerin Pink oder all die Social-Media-Berühmtheiten in der großen Schüssel dürften sich über die Zugabe des Spektakels gefreut haben.
Sie und alle anderen Tennisliebhaber können sich zudem sicher sein: Das Duell der Gegensätze um die Spitze und die größten Titel wird vor allem auf den Hartplätzen weitergehen. Sabalenka zögerte zumindest nicht mit einer Kampfansage. "Die Erfahrung zeigt, dass ich nur stärker zurückkomme", sagte sie, fügte aber auch mit großem Respekt für ihre Thronfolgerin hinzu: "Wenn sie so weiterspielt, bin ich in Schwierigkeiten."
