ÖTV-Team steht vor dem Abstieg

Nach der Niederlage von Oliver Marach gegen Robin Haase zum Start liegt Österreich in den Niederlanden nach dem ersten Tag mit 0:2 zurück.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 13.09.2013, 19:27 Uhr

Manuel Wachta live aus Groningen

War’s das denn schon? Der 13. September hat zugeschlagen – und Rot-weiß-rot ganz schwer getroffen. Österreichs Davis-Cup-Equipe steht in den Niederlanden vor dem ersten Abstieg in die Europa-Afrika-Zone I seit dem Jahr 2009. Die Mannschaft von Clemens Trimmel liegt im MartiniPlaza-Stadion von Groningen nach dem ersten Tag bereits fast aussichtslos 0:2 zurück. Nach derDrei-Satz-Niederlage von Oliver Marach, der jafür den erkrankten Andreas Haider-Maurer eingesprungenwar, gegen Robin Haase verlor Jürgen Melzer auch das zweite Match im Einzel. Der Niederösterreicher (ATP 27) unterlag Thiemo de Bakker (ATP 108) in einer Fünf-Satz-Schlacht nach 3:37 Stunden mit 7:5, 5:7, 7:5, 4:6, 1:6. Somit muss Österreich alle drei weiteren Partien gewinnen, um den Länderkampf noch umzudrehen. Ein 0:2 aufzuholen, das ist dem heimischen Team in der Geschichte des Davis Cups noch niemals gelungen. „Um zu wissen, dass das schwer wird, muss man kein cleverer Rechner sein“, meinte Trimmel. Ob er dabei am Sonntag wieder auf Haider-Maurer setzen kann, ist unsicher: „Ich war den ganzen Tag auf dem Platz, ich weiß nicht mehr als ihr oder sogar weniger“, sagte er den Journalisten.

Zwei Chancen zur 2:0-Satzführung gehabt

Rund 3500 bestens gelaunte Zuschauer machten mächtig Stimmung fürs Heimteam, nur eine Handvoll österreichischer Fans hatte sich in die 4000 Plätze fassende Sandplatz-Halle verirrt. Lange Zeit sah es nach dem so wichtigen 1:1-Ausgleich aus. Melzer hatte zu Beginn in seinen Aufschlagspielen deutlich mehr Mühe, musste im ersten Game drei und im dritten Game zwei Breakbälle abwehren. In der Entscheidung nahm er das Heft dafür in die Hand und de Bakker zu null den Aufschlag zum 7:5 ab. Doch wie gewonnen, so zerronnen: Der zweite Durchgang brachte für Melzer ein äußerst bitteres Ende. Der Deutsch-Wagramer hatte schon bei 2:2 zwei Breakchancen und dann bei 5:4 gar zwei Satzbälle. De Bakker konnte sich aus der kritischen Situation jedoch befreien und verwertete in einem heiß umkämpften Returnspiel seine dritte Möglichkeit. Unter frenetischem Jubel der „Oranje“-Fans servierte der 1,93-Meter-Riese aus.

Zwei Doppelfehler als Anfang vom Ende

Melzer erholte sich vom Schock des unglücklichen Satzausgleichs gut. Bei 3:2 und 4:3 ließ er noch jeweils ein 0/30 als Rückschläger liegen, erspielte sich dann aber bei 6:5 zwei Satzbälle. Den ersten konnte de Bakker noch abwehren, doch beim zweiten lockte Melzer ihn mit einem kurzen, sehr tiefen und geschickten Slice nach vorne – de Bakkers Stopp-Versuch landete im Netz. Die vorentscheidenden Szenen spielten sich in der heißen Phase des vierten Durchgangs ab. Melzer erspielte sich bei 4:3 die erste Gelegenheit zum Break und hatte in diesem Moment alle Trümpfe in den Händen. Doch de Bakker nahm mit dem Rücken zur Wand stehend volles Risiko, rettete sich mit einem spektakulären Vorhand-Longline-Winner. Melzer zeigte auf die verpasste Chance Wirkung, servierte den zweiten Doppelfehler im Game zum Break zum 4:5. De Bakker nahm das Geschenk an und das Momentum gleich in den fünften Satz mit.

„Vier Sätze lang richtig gutes Tennis gespielt“

Melzer war indes physisch und mental schwer angeschlagen. Angepeitscht von dem tobenden Heimpublikum erlaubte sich der 24-jährige de Bakker keinen einzigen richtigen Hänger mehr, legte auf die schnelle 4:0-Führung noch ein Break zum 6:1 drauf – und ließ sich laut jubelnd rücklings in den Sand von Groningen fallen. Ein ziemlich konsternierter Jürgen Melzer blieb zurück: „Ich finde, ich habe vier Sätze lang richtig gutes Tennis gespielt. Ich würde jetzt nicht sagen, es ist überraschend, aber doch hat es mich ein kleines bisschen überrascht, wie er sein Niveau über das gesamte Spiel hinweg gehalten hat. Er hat im zweiten und vierten Satz in den entscheidenden Momenten extrem viel riskiert – und es ist ihm aufgegangen. Ich weiß, dass er ein sehr talentierter Spieler ist und wirklich toll spielen kann, es war bei ihm sonst aber bisher immer ein Auf und Ab. Das war heute einfach nicht der Fall.“

„Die Tore, die man nicht schießt, kriegt man“

„Natürlich“ sei er im fünften Satz dann schon recht erschöpft gewesen, gab Melzer zu, „auch mental, erst recht, wenn man den zweiten oder vierten Satz gewinnen hätte sollen. Es war ein anstrengendes Match, wir sind beide viel gelaufen. In der Halle war’s die ganze Woche schon warm, mit den Leuten nur noch mehr. Wir haben versucht, uns gegenseitig müde zu machen. Man muss sagen: Letztendlich ist ihm das gelungen.“ Der 32-Jährige zeigte sich höchst ratlos: „Die zwei Stopps am Anfang des fünften Satzes waren sicher nicht die cleverste Idee. Aber es wäre klar auch möglich gewesen, die Partie in drei Sätzen zu gewinnen. Ich würde jetzt gerne wissen, was ich im zweiten und vierten Satz falsch gemacht habe.“ Nur ein paar Chancen zu viel habe er nicht nützen können: „Und dann ist es halt so wie mit der alten Fußball-Weisheit: Die Tore, die man nicht schießt, kriegt man…“

Jürgen Melzer im Interview mit tennisnet.com:

„Österreich wird mit dem ganzen Herzen kämpfen“

Ein überglücklicher de Bakker stellte den Erfolg auf eine Ebene mit einem anderen im Davis Cup: „Ich habe auch schon mal Gael Monfils geschlagen(in Maastricht 2009; Anmerkung). Der Sieg heute war sehr wichtig und hart. Ich habe einfach bis zum Schluss alles gegeben und gekämpft.“ In der Entscheidung war ihm stets bewusst, dass die Vorteile bei ihm liegen: „Die Leute haben mir in der letzten Satzpause gesagt, dass Jürgen nicht mehr voll da ist, und er hat tatsächlich Probleme beim Aufschlag und beim Laufen bekommen, er hat aus den Ecken raus immer öfter Slice spielen müssen, wo er zuvor noch ganz normal schlagen hatte können.“ Der Kapitän der Niederlande, der Ex-Profi Jan Siemerink, hatte mit dem 2:0 „ehrlich gesagt nicht gerechnet, aber natürlich darauf gehofft. Das ist ein nettes Gefühl. Thiemo hatte zuletzt harte Zeiten. Es ist eine tolle Errungenschaft für ihn, einen starken Spieler wie Melzer zu schlagen.“ Siemerink ist aber klar: „Es ist nicht aus. Österreich wird mit dem ganzen Herzen kämpfen.“(Foto: GEPA pictures)

Davis Cup by BNP Paribas – Weltgruppe, Play-off in Groningen

Niederlande – Österreich 2:0

Freitag, 13. September 2013

Robin Haase – Oliver Marach 6:4, 6:3, 6:1

Thiemo de Bakker - Jürgen Melzer 5:7, 7:5, 5:7, 6:4, 6:1

Samstag, 14. September 2013

15:00 Uhr:Jesse Huta Galung / Jean-Julien Rojer – Jürgen Melzer / Oliver Marach

Sonntag, 15. September 2013

13:00 Uhr:Robin Haase – Jürgen Melzer

Anschließend:Thiemo de Bakker – Andreas Haider-Maurer

ORF SPORT+ überträgt live. Die Übertragungszeiten:

Freitag, 13. September 2013:12:55 Uhr bis 19:00 Uhr – live

Samstag, 14. September 2013:14:55 Uhr bis 17:15 Uhr – live

Samstag, 14. September 2013:20:45 Uhr bis 23:15 Uhr – Highlights (Doppel)

Sonntag, 15. September 2013:12:55 Uhr bis 19:00 Uhr – live

P.S.: Die Davis-Cup-Auslosung für 2014 wird am Mittwoch, dem 18. September 2013, erstmals live im Web übertragen.

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von tennisnet.com

Freitag
13.09.2013, 19:27 Uhr