Michael Kohlmann: "Ich glaube, dass bei Zverev manchmal zu viel reininterpretiert wird"

Am Freitag und Samstag spielte das deutsche Davis-Cup-Team gegen Ungarn in Frankfurt am Main. Davis-Cup-Teamchef Kohlmann sprach im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Aussagen von Alexander Zverev, die Rolle von Boris Becker und das Förderprogramm des DTB.

von Ulrike Weinrich
zuletzt bearbeitet: 31.01.2019, 11:06 Uhr

Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann findet die Kritik an Alexander Zverev manchmal übertrieben
© Jürgen Hasenkopf
Davis-Cup-Teamchef Michael Kohlmann findet die Kritik an Alexander Zverev manchmal übertrieben

Kohlmann ist der Meinung, dass der Weltranglistendritte in Deutschland ab und an zu kritisch betrachtet wird.

"Ich glaube, dass da bei ihm manchmal zu viel reininterpretiert und größer gemacht wird, als es ist. Das hat wohl damit zu tun, dass da nach langen Jahren wieder einer ist, von dem man das Gefühl hat, er könnte in diese Riesenfußstapfen von Boris Becker treten – und vielleicht ein Grand-Slam-Turnier gewinnen", sagte der 45-Jährige, der die DTB-Auswahl 2018 erstmals seit vier Jahren wieder ins Viertelfinale führte.

"Intern wird Zverev anders gesehen als in der Öffentlichkeit, da habe ich noch nie negative Sachen gehört"

Flapsige Sprüche von Zverev wie nach seinem Drittrunden-Aus in Wimbledon im vergangenen Sommer ("Morgen bin ich auf meinem Boot") möchte Kohlmann nicht überbewerten. "Das war eine Aussage, die aus der Situation entsprungen ist. Er wollte damit sicherlich nicht sagen: 'Lasst mich in Ruhe, ich bin der Größte'.“

Zudem habe er das Gefühl, dass sich der 21-Jährige hinterfrage, meinte Kohlmann, "Sascha" sei ein "guter "Junge. "Zu seinen Teamkollegen ist er nicht nur nett, sondern kameradschaftlich. Intern wird Zverev anders gesehen als in der Öffentlichkeit, da habe ich noch nie negative Sachen gehört."

Die deutsche Nummer eins sei "international schon ein Superstar", betonte Kohlmann. Gespürt habe er dies unter anderem beim Auswärtsspiel im vergangenen Jahr in Brisbane: "Als die Spieler dort vorgestellt wurden, war der Applaus für ihn mindestens genauso groß wie für alle Australier."

Zverev integriere sich gut in das Team. "Er verlangt jetzt keine Sonderbehandlung. Wir versuchen, es jedem Spieler so angenehm wie möglich zu machen. Aber es ist nicht so", erklärte der Team-Kapitän, "dass sich alles nur um *Sascha' dreht. Es ist die Stärke des Teams, dass die Spieler sehr gemeinschaftlich auftreten."

"Mit den Bundesstützpunkten bieten wir jungen Spielern eine optimale Infrastruktur für ihr tägliches Training"

Und ist Kohlmann der Meinung, dass ein Grand-Slam-Sieg der deutschen Nummer eins nur noch eine Frage der Zeit sei? "Ja, das glaube ich schon. Wir haben in Spieler- und Trainerkreisen diskutiert, wer der nächste aus der „NextGen“ sein wird, der ein Major gewinnt. Und da wurde 'Sascha' schon oft genannt."

Die Rolle von Boris Becker, dem Head of Men*s Tennis im DTB, sieht Kohlmann auch in einer Davis-Cup-Woche als durchaus gewichtig an. "Er ist bei allen Trainingseinheiten dabei und ein volles Teammitglied. Boris sitzt zwar nicht auf der Bank, aber er bringt sich genauso ein wie andere auch."

Trotz der zunehmenden Bedeutung von Akademien wie zum Beispiel der Patrick-Mouratoglou-Academy in Nizza ist Kohlmann überzeugt, dass Verbände wie der DTB auch in Zukunft eine immens wichtige Rolle spielen werden.

"Mit den Bundesstützpunkten bieten wir jungen Spielern eine optimale Infrastruktur für ihr tägliches Training. Doch auch wer einen anderen Weg wählt, kann von uns unterstützt werden – solange eine enge Absprache bezüglich der Trainingsinhalte und Turnierplanung stattfindet."

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Donnerstag
31.01.2019, 09:50 Uhr
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