Michael Mmoh: Ein Amerikaner auf Teneriffa
Erstmals hat sich Michael Mmoh zum Challenger nach Teneriffa aufgemacht. Unser Mann vor Ort hat mit dem US-Amerikaner gesprochen.
von Florian Heer
zuletzt bearbeitet:
04.02.2026, 18:44 Uhr

Wenn in Europa und Nordamerika noch Winter herrscht, fühlt es sich auf Teneriffa bereits nach Frühling an. Genau dort beginnt Michael Mmoh ein wichtiges Kapitel seiner Saison – und vielleicht auch seiner Karriere. Der 28-jährige US-Amerikaner feiert in dieser Woche sein Debüt beim Tenerife Challenger, das mit zwei aufeinanderfolgenden Turnieren in 14 Tagen beste Voraussetzungen bietet, um früh im Jahr in Form zu kommen. Mit milden Temperaturen, viel Sonne und erstklassigen Outdoor-Hartplätzen an der Abama Tennis Academy in Guía de Isora ist die größte der Kanarischen Inseln wie gemacht für Spitzentennis unter freiem Himmel. Kein Wunder, dass sich Teneriffa mit seinem verlässlichen Klima, modernen Anlagen und entspannten Atmosphäre zu einem der beliebtesten Stopps auf der ATP Challenger Tour im Februar entwickelt hat.
Arbeitsplatz mit Aussicht
Für Mmoh ist es allerdings nicht nur ein neues Turnier, sondern auch eine neue Destination, die sofort Eindruck hinterlassen hat. „Es ist mein erstes Mal hier auf Teneriffa. Ehrlich gesagt hatte ich gehört, dass es ein wunderschöner Ort und ein gutes Turnier ist, aber es hat all meine Erwartungen übertroffen. Wenn man es mit eigenen Augen sieht – die Aussicht von den Tennisplätzen auf den Atlantik ist einfach unglaublich. Es ist wirklich spektakulär und ein großartiger Spot, um ihn für die nächsten zwei Wochen meinen Arbeitsplatz nennen zu dürfen.“
Zurück zu alter Stärke
Der in Saudi-Arabien geborene Amerikaner, der seit 2016 auf dem Pro Circuit unterwegs ist, steht aktuell auf Position 238 der ATP-Weltrangliste, hatte aber im September 2023 mit Rang 81 bereits den Sprung in die Top 100 geschafft. Sieben Titel auf der ATP Challenger Tour stehen in seiner Vita – alle auf Hartplatz, alle in den USA, der letzte im Jahr 2022. Seine beste Saison erlebte er 2023, als er bei den Australian Open und den US Open jeweils bis in die vierte Runde vorstieß. In Melbourne schlug er damals in der zweiten Runde Alexander Zverev in vier Sätzen. Auch der Start ins Jahr 2026 macht Mut: Beim ATP-250-Turnier in Hongkong erreichte er das Viertelfinale und feierte mit dem Sieg über Karen Khachanov einen der größten Erfolge seiner Karriere.
Der Tennissport begleitet Mmoh bereits seit frühester Kindheit. Mit drei Jahren begann er mit seinem nigerianischen Vater Tony, einem ehemaligen ATP-Spieler, zu trainieren. Mit 13 zog er zur IMG Academy nach Bradenton in Florida, um seinen Traum vom Profitennis zu verfolgen.
Immer wieder Verletzungspech
Nach zwei von Verletzungen geprägten Spielzeiten richtet Mmoh den Blick nun wieder nach vorne. „Ich hatte in den letzten zwei Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, was hart war. Aber das gehört zum Leben eines Profitennisspielers dazu – es gibt Höhen und Tiefen. Ich habe aber alles getan, um wieder richtig fit zu werden. Ich bin mit dem Start in die neue Saison glücklich. Siege gegen Khachanov und andere starke Spieler geben mir Selbstvertrauen und die Hoffnung, dass es ein großartiges Jahr für mich werden kann. Ich habe alles dazu, was es braucht, und ich habe das Gefühl, dass ich gesund bleiben kann. Es gibt keinen Grund, warum ich das nicht schaffen sollte.“
Die Meilensteine des Fans der Washington Commanders aus der NFL sind klar und bewusst Schritt für Schritt gesetzt: „Das größte Ziel ist auf jeden Fall, gesund zu bleiben und ein komplettes Jahr zu spielen. Das habe ich schon eine Weile nicht mehr geschafft. Vom Ranking her möchte ich definitiv wieder in die Top 100. Und dann schauen wir weiter. Ich kann sicher noch mehr anpeilen, aber ich möchte einen Schritt nach dem anderen machen.“
Aufbruch in Teneriffa
Auch spielerisch scheint Teneriffa gut zu ihm zu passen. „Die Plätze hier sind einzigartig. Sie sind auf jeden Fall als eher langsam zu bezeichnen, aber das passt zu meinem Spielstil. Ich bin ein guter Athlet, ich kann physisches Tennis spielen. Die Ballwechsel werden hier etwas länger sein. Ich habe die Fähigkeit, auf diesen Plätzen gut zu spielen.“
Und selbst wenn er nicht selbst auf dem Court steht, bleibt Mmoh ein leidenschaftlicher Beobachter des Sports: „Beide Halbfinalmatches bei den Australian Open – Alcaraz gegen Zverev und Sinner gegen Djokovic – waren auf unglaublichem Niveau. Für die Fans war es großartig, diese beiden Spiele am selben Tag sehen zu können. Das war ein reiner Tennisgenuss.“
Nun gilt es für Mmoh die eigene Saison weiter erfolgreich zu gestalten. Die Tenerife Challenger Turnierserie bietet auf jeden Fall beste Voraussetzungen dafür.
