Nach dem Draper-Eklat: Kommt es jetzt zur Regeländerung?
Ein umstrittener Punkt im Match zwischen Jack Draper und Daniil Medvedev sorgt weiterhin für Diskussionen auf der Tour. Immer mehr Stimmen fordern nach dem Vorfall eine Anpassung der Hindrance-Regel.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
15.03.2026, 15:52 Uhr

Der Auslöser der Debatte ereignete sich in einer entscheidenden Phase des Viertelfinal-Matches zwischen Jack Draper und Daniil Medvedev in Indian Wells. Beim Stand von 5:5 im zweiten Satz hob Draper nach einem tiefen Ball kurz die Arme – offenbar in der Erwartung eines Ausrufs. Die Rallye ging jedoch weiter. Beide Spieler tauschten noch mehrere Schläge aus, ehe Medvedev den Ball ins Netz setzte.
Erst danach kam Bewegung in die Situation. Medvedev wandte sich händeringend an die Schiedsrichterin und argumentierte, Drapers Geste habe ihn irritiert. Nach Sichtung der Wiederholung entschied die Schiedsrichterin tatsächlich auf Hindrance und sprach Medvedev den Punkt zu.
https://www.youtube.com/shorts/BckzInXXIDQ
Navratilova kritisiert den Ablauf
ESPN-Expertin und ehemalige Tennisspielerin Martina Navratilova zeigte sich wenig überzeugt. Aus ihrer Sicht hätte der Punkt unmittelbar gestoppt werden müssen, wenn tatsächlich eine Behinderung vorlag. Eine Situation erst mehrere Schläge später überprüfen zu lassen, halte sie für problematisch. Gleichzeitig sprach sie sich für die zunehmende Nutzung von Video-Technologie aus. Besonders bei strittigen Entscheidungen wie zweimaligem Aufkommen des Balles könne diese Fehlentscheidungen korrigieren. Die ATP müsse hier aber im Sinne der Spieler klare Vorgaben machen.
Klarere Regeln gefordert
Noch deutlicher wurden einige ehemalige ATP-Profis im Podcast „Nothing Major“. Sam Querrey, Steve Johnson und John Isner kritisierten vor allem den Zeitpunkt der Intervention. Ihrer Meinung nach sollte eine mögliche Behinderung sofort reklamiert werden müssen. Querrey argumentierte, dass im konkreten Punkt noch sieben oder acht Schläge gespielt wurden, bevor die Situation thematisiert wurde. Solch ein nachträglicher Eingriff führe zu Unsicherheit und öffne theoretisch die Tür für regelmäßige Beschwerden über frühere Aktionen innerhalb derselben Rallye.
Draper fühlt sich benachteiligt
Auch Jack Draper selbst zeigte sich nach der Partie enttäuscht. Zwar räumte er ein, dass seine Handbewegung möglicherweise missverstanden werden konnte, dennoch halte er es für fraglich, ob Medvedev dadurch tatsächlich entscheidend gestört worden sei. Der Brite sprach davon, sich „ein wenig benachteiligt“ zu fühlen und forderte eine bessere Handhabe solcher Situationen in der Zukunft. Die ATP solle präzisieren, wann genau im Punkt eine Beschwerde erfolgen muss.
Die ATP selbst hielt sich bislang noch bedeckt. Möglicherweise könnte das Thema in Miami aber neu aufkommen.
