Nach French Open: Dominic Thiem in einer Liga mit …?

Mit dem Erreichen des zweiten French-Open-Finales in Folge hat sich Dominic Thiem vom Rest des Feldes emanzipiert. Mit Ausnahme der Legenden Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 11.06.2019, 15:03 Uhr

Dominic Thiem hat gewissermaßen zu Kevin Anderson aufgeschlossen
Dominic Thiem hat gewissermaßen zu Kevin Anderson aufgeschlossen

Vor seinem zweiten Finaleinsatz bei einem Grand-Slam-Turnier wurde Dominic Thiem nicht müde zu betonen, in welch außerordentlicher Gesellschaft er sich schon in der Vorschlussrunde befunden hatte: Drei Spieler mit mindestens 15 Major-Titeln würden 2019 also in der Endphase der French Open um den Coupe des Mousquetaires rittern - und er, der 25-jährige Niederösterreicher, der mit diesen Allzeitgrößen schon einige Zeit lang auf fast einem Level spielt. Aber eben noch keines der vier größten Turniere holen konnte.

Mit seinem Erfolg im Halbfinale gegen Novak Djokovic hat Thiem immerhin zu Kevin Anderson aufgeschlossen - und sich damit im Rennen um den Titel des „besten aktiven Spielers, der noch kein Major gewonnen hat“ in eine vorderer Position gebracht. Wie Thiem hat auch Anderson in jüngerer Vergangenheit (US Open 2017, Wimbledon 2018) zwei Grand-Slam-Endspiele erreicht. Und wie der Lichtenwörther war auch Anderson bei seinen beiden wichtigsten Matches am Ende ohne reelle Chance auf den Titel.

Nadal kann sein Level heben

Dominic Thiem hat am Sonntag gegen Rafael Nadal fantastisches Tennis gezeigt, hätte auch schon Satz eins gewinnen können. Wer weiß, wie dieses Match dann verlaufen wäre. Nadal allerdings hat gezeigt, warum er ein großer Champion ist: Spätestens nach dem Verlust von Durchgang zwei adaptierte der Spanier seine Spielidee, nahm die Bälle früher, wurde offensiver. Die Netzangriffe Nadals waren zumeist von Erfolg geprägt - zum einen, weil er diese zumeist sehr erfolgversprechend vorbereitet. Aber eben auch, weil der Volley von Rafael Nadal im Allgemeinen nicht ausführlich genug gewürdigt wird.

Dass Nadal sein Level also heben und dann auch halten konnte, war auch den besonderen Umständen der Tage vor dem Finale geschuldet: So fit Dominic Thiem ist, so sehr sich Physio Alex Stober um die Regeneration seines Schützlings verdient gemacht hat: spätestens in der dritten Spielstunde am Sonntag auf dem Court Philippe Chatrier ließ sich nicht verleugnen, dass Thiem noch am Samstag einen Marathon bestreiten musste. Umso bemerkenswerter, dass er zu Beginn von Satz vier dennoch mehrere Chancen hatte, sich den Aufschlag Nadals zu holen.

Thiem besser als Berdych, Tsonga, Nishikori

Für spätestens 2021 ist ein Dach über dem größten Stadion der Anlage avisiert, eines dann, das auch geschlossen werden kann (im kommenden Jahr soll dies noch nicht der Fall sein). Dies wird die Organisatoren aus der Pflicht nehmen, ihren Spielplan genauer zu überdenken: Nadal hat sein Viertelfinale am Dienstag, seine Vorschlussrunde am Freitag bestritten. Thiem musste nach dem verregneten Mittwoch von Donnerstag an vier Tage in Folge ran. Unglücklich, gewiss - und bei normalem Turnierverlauf immer noch besser als bei den Australian Open, wo die beiden Halbfinals an unterschiedlichen Tagen gespielt werden. Vielleicht könnte man aber in Paris, Melbourne und New York Anleihen in Wimbledon nehmen, wo in der zweiten Woche ab dem Achtelfinale alle SpielerInnen jeweils am selben Tag in die Bütt müssen.     

Dominic Thiem hat also zwei Finalteilnahmen auf seiner Habenseite, das ist eine mehr als Thomas Muster, der sich zum Endspiel seines Landsmannes nach Paris begeben hat. Und das ist auch eine mehr als etwa Tomas Berdych, Jo-Wilfried Tsonga oder Kei Nishikori. Allein dies illustriert die Leistungen von Thiem in den vergangenen beiden Jahren in Paris. Damit der Lichtenwörther noch einen Schritt weiter gehen kann, könnte er sich indes auch an Muster orientieren: Und mit noch höheren Ansprüchen in die übrigen Grand-Slam-Turniere gehen. Denn nicht nur für die Asche in Paris ist Thiems Spielansatz ein verheißungsvolles Versprechen - der ganz große Erfolg könnte sich ja auch bei den US Open, vor allem aber auch beim ersten Major des Jahres in Melbourne einstellen. Dort hat es Thomas Muster auch bis in das Halbfinale geschafft.

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von Jens Huiber

Montag
10.06.2019, 15:20 Uhr
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