Nach Golf-Aus! – Wackelt auch das Tennis-Invest der Saudis?

Wie der saudi-arabische Staatsfond PIF verkündete, muss die seit Beginn umstrittene LIV-Tour im Golf ab Ende August ohne das Geld aus der Golf-Region auskommen. Hat dieser Rückzug auch Auswirkungen auf das ambitionierte Tennis-Projekt im Wüstenstaat?

von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet: 02.05.2026, 09:49 Uhr

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Nach dem Rückzug aus dem Golf-Sport dürfte das perspektivische Engagement des saudi-arabischen Staatsfonds PIF auch beim Tennis hinterfragt werden.

Einem Paukenschlag in der Sportszene glich 2023 der Einstieg des saudi-arabischen Staatsfonds PIF auf der professionellen Golf-Tour. Mit dem Geld aus dem Wüstenstaat wurde auf revolutionäre Art und Weise eine Parallel-Tour zur vorherrschenden PGA-Tour geschaffen. Von Beginn an spaltete die neue LIV-Tour das Spielerfeld, wodurch sich die absoluten Top-Spieler auf zwei verschiedene Touren verteilten. Zwar wurde bei der Neugründung eine Rahmen-Vereinbarung mit der PGA-Tour unterzeichnet, zu einem Zusammenschluss kam es jedoch nie.

Doch die damals beinahe endlos scheinende Geldquelle der Saudis scheint inzwischen große Risse bekommen zu haben. So blamierte sich der Golf-Staat kürzlich mit der Einstellung des Bauprojekts „The Line“, das einen revolutionären Meilenstein in der Form des menschlichen Zusammenlebens darstellen sollte. Nun folgte mit einem offiziellen Statement seitens der Saudis der Ausstieg von der LIV-Tour nach der laufenden Spielzeit.

Zuvor wurde im Sport richtig geklotzt. So konnten Weltklasse-Fußballer, wie beispielsweise der Portugiese Cristiano Ronaldo, mit einem unmoralisch anmutenden Gehaltsscheck für seine Darbietungen in einer sportlich fragwürdigen Liga gewonnen werden. Ebenfalls mit gewaltigen Summen, jedoch nicht ganz so auf Krawall gebürstet wie beim Golf, kaufte sich der Staat auch beim professionellen Tennissport ein. So wurde erst die Austragung der Next Gen ATP Finals für mehrere Jahr nach Jeddah geholt, auch die Damen trugen zuletzt ihre WTA-Finals in der Hauptstadt Riad aus. Zudem wurde das Show-Turnier „Six-Kings-Slam“ mit utopisch anmaßenden Antritts- und Siegesprämien aus der Taufe gehoben und der Staatsfond PIF fungiert aktuell auch als Namensgeber für die Weltranglisten bei den Damen und Herren.

Das ganz große Ziel wurde zuletzt im Schulterschluss mit der ATP an Land gezogen. So soll ab 2028 ein Masters-Turnier der Herren ausgetragen werden, das als neu geschaffenes zehntes 1000er-Event in den Kalender rücken wird. Doch auch beim Sport mit dem gelben Filzball wurde seitens des Wüstenstaates schon der Rotstift ausgepackt. So wurde die Austragung der Next-Gen-Finals nach der letztjährigen Ausgabe bereits an die ATP zurückgegeben, und auch die WTA-Finals werden in diesem Jahr letztmals in Riad ausgetragen. Bezüglich einer weiteren Auflage des „Six-King-Slams“ gibt es nur eine Ankündigung seitens des Übertragungs-Partners „Netflix“.

Angesichts der bereits erfolgten Einsparungsmaßnahmen, wie in Form des Ausstiegs bei der LIV-Tour, und der aktuellen geopolitischen Entwicklungen in der Golf-Region, scheint der Fortbestand des als „Sport-Washing“ kritisierten Engagements mehr denn je fraglich. 2036 ist Saudi-Arabien der Gastgeber für die Fußball-Weltmeisterschaft, die wohl absolute Priorität haben dürfte. Eine Blamage in solch einer Dimension mit einer möglichen Absage des weltweit größten Fußball-Events möchten die Saudis bestimmt nicht liefern.

von Dietmar Kaspar

Samstag
02.05.2026, 09:50 Uhr
zuletzt bearbeitet: 02.05.2026, 09:49 Uhr