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Naomi Osaka - die imposanteste Figur im Damentennis

Zwei Grand-Slam-Turnier-Siege hintereinander - an Naomi Osaka führt bei den Damen derzeit kein Weg vorbei.

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 27.01.2019, 14:43 Uhr

Naomi Osaka hat für ihren zweiten Major-Pokal hart kämpfen müssen
© Getty Images
Naomi Osaka

Sie ist nun auch schwarz auf weiß zur gegenwärtig imposantesten Figur im Frauentennis aufgestiegen, als amtierende Königin der US Open und Australian Open. Aber wenn erst einmal der letzte Ballwechsel gespielt ist in einem der großen Matches, dann tritt Naomi Osaka, die 21-jährige Japanerin, schnell und gern wieder in den Halbschatten zurück, die Unscheinbarkeit in Person. „Ich rede an einem normalen Tag vielleicht zehn Sätze“, sagt Osaka, „und ich bewege mich am liebsten unerkannt umher.“

Wer es bezweifelte, musste sich nur Osakas Auftritt nach dem Melbourne-Coup betrachten, nach jenem historischen 7:6, 5:7, 6:4-Triumph, der sie als erste Japanerin, als erste Asiatin überhaupt auf den Gipfel der Weltrangliste gehievt hatte. Mühsam, fast gequält brachte Osaka einige Worte des Dankes hervor, starrte grimmig in die TV-Kameras und hinein ins Grand Slam-Stadion. „Sie haben mir gesagt, dass ich lächeln sollte, aber ich sah aus wie ein Roboter“, gab die schüchterne Majestät hinterher zu Protokoll, „ich stand wohl ein bisschen unter Schock.“

Martina Navratilova - "Die Zukunft gehört erst recht ihr"

Osaka lässt am liebsten Taten sprechen, dort, wo sie sich am wohlsten fühlt, wo ihr auch keiner zu nahe kommen kann im Wortsinn – auf dem Centre Court. Vor einem Jahr war sie noch als Spielerin aus dem grauen Mittelfeld nach Melbourne gekommen, sie belegte damals Platz 72 in der Weltrangliste. Nun ist sie die erste Spielerin seit knapp zwanzig Jahren, die gleich ihre ersten beiden Grand-Slam-Finals gewonnen hat – und die als Führungskraft in einer neuen Tennisära gehandelt wird. „Die Gegenwart gehört ihr. Die Zukunft aber erst recht“, sagte Martina Navratilova, die Grande Dame der Branche.

Osaka besticht auf dem Centre Court durch glänzende Spielauffassung, enorme Power, taktische Flexibilität und eine Widerstandskraft in umkämpften Situationen, die man ihr in all ihrer zerbrechlichen Erscheinung nie zutrauen würde. Auch bei ihrem zweiten ganz großen Erfolg, gegen die hochgewachsene, dynamische Tschechin Kvitova, marschierte Osaka durch viele Höhen und Tiefen, bevor sie in einem fulminanten Endspurt zum Titelgewinn rauschte. Sogar das Trauma dreier vergebener Matchbälle bei einer 7:6, 5:3, 40:0-Führung ließ Osaka hinter sich, weil sie sie sich selbst einredete, „dass das nichts Ungewöhnliches war“: „Ich spielte ja gegen eine Gegnerin, der alles zuzutrauen ist.“

Osaka über Hindernisse in die Weltspitze

Es war eine ironische Fußnote in der Osaka-Erfolgsgeschichte, dass ihr die eigentlich schönen Momente des ersten Grand-Slam-Sieges – bei den US Open 2018 – ausgerechnet von jener Frau zerstört wurden, nach deren Vorbild die eigene Karriere modelliert worden war. Serena Williams, die amerikanische Wuchtbrumme, war immer Osakas Idol, kein Wunder, schließlich hatte Papa Francois Osaka immer von einer Williams-Laufbahn für seine Töchter geträumt. Für Naomi, aber auch für deren Schwester Mari. Die Familie zog auch deshalb in die USA um, es ging um bessere Trainingsmöglichkeiten, aber in Japan litt man zudem unter Diskriminierung. Die Heirat von Mutter Tamaki mit einem dunkelhäutigen Ausländer galt als „Schande“, die Kinder wurden oft „Hafu“ genannt, Halbjapaner.

Der Sprung in die Weltelite gelang dann nur Naomi, aber es war ein beschwerlicher Aufstieg mit Tücken und Hindernissen. Nicht zuletzt, weil sich die scheue, schüchterne, oft naiv wirkende Athletin schwer tat im Haifischbecken des Profitennis. Und weil sie nicht mit den höchsten Erwartungen zurecht kam, die immer schon ihren Weg begleiteten. Erst an der Seite des Münchner Trainers Sascha Bajin, eines jugendlich frischen Übungsleiters, fand die Japanerin zu größerer Stabilität und zum nötigen Selbstbewusstsein. Jetzt, im Januar 2019, grüßt sie als 26. Spielerin vom erhabenen Platz an der Sonne, von Platz 1 der Weltrangliste.

Mit der Anonymität dürfte es ein für allemal vorbei sein für die 21-jährige, die in Japan schon zur neuen sportlichen Kultfigur aufgestiegen ist. Sie dürfte nun auch zu d e m heimischen Gesicht der Olympischen Spiele 2020 werden, in Tokio. Angesprochen auf diese Perspektive, zeigte sich Osaka in typisch verschreckter Haltung: „Ach du Schande“, sagte sie, „das sollten sie schon in ihrem eigenen Interesse nicht tun.“

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von Jörg Allmeroth

Sonntag
27.01.2019, 19:15 Uhr
zuletzt bearbeitet: 27.01.2019, 14:43 Uhr

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