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Nicht nur bei Dominic Thiem: Probleme mit Schulen sind für Talente ein belastendes Thema

Moritz Thiem berichtet in einem Podcast von gravierenden Problemen in der Schule, auch bei Bruder Dominic Thiem. Die Vereinbarkeit von Leistungssport und schulischer Ausbildung führt in Österreich und auch in Deutschland immer wieder zu Konflikten. Eine Lösung dafür ist nicht in Sicht.

von Daniel Hofmann
zuletzt bearbeitet: 21.04.2026, 17:04 Uhr

Dominic Thiem verließ die Schule früher als notwendig, um sich der Tenniskarriere zu widmen.
© Getty Images
Dominic Thiem verließ die Schule früher als notwendig, um sich der Tenniskarriere zu widmen.

Die Vereinbarkeit von Schule und dem Tennissport ist bei aufstrebenden Tennistalenten stets ein schwieriges Thema. Die vielen Reisen und die dadurch zahlreichen Fehltage machen eine regelmäßige Teilnahme am Unterricht kaum möglich. Auch bei Dominic Thiem gab es in der Schule Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen mit Lehrkräften, wie Bruder Moritz im Podcast „Mind Games“ erzählt. 

Vier Jahre zu früh beendete Dominic Thiem die Schullaufbahn, um sich hundertprozentig dem Tennissport zu widmen. Eine Lehrkraft blendete den frühen sportlichen Fokus bei Schüler Dominic in seiner Bewertung jedoch aus und legte eben lieber den Wert auf die rechtzeitige Abgabe von Arbeiten..

Schule oder Sport? Immer wieder kommt es zu Konflikten

“Meine Mutter wurde in die Schule geholt, da Dominic eine Zeichnung nicht abgegeben hatte.” Mutter Karin stieß bei der Begründung, ihr Sohn sei zuletzt drei Wochen in Südamerika gewesen, auf taube Ohren, wie Bruder Moritz berichtet. Diese Konflikte gibt es immer wieder, auch wenn der Sport eigentlich im Vordergrund stehen soll, wie Moritz Thiem auch aus eigener Erfahrung erzählt, der drei Jahre verfrüht seine Schullaufbahn beendete.

Die jungen Tennistalente haben es sicherlich nicht leicht, geben sie doch bereits einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend auf, um im Tennis erfolgreich zu werden. So erzählen auch aus Deutschland Spielerinnen und Spieler, wo die schulischen Bedingungen ähnlich zu Österreich sind, das neben den Problemen in der Schule auch von Trainern Druck ausgeübt wird. So berichtet eine deutsche Spielerin, dass der Plan des Abiturs auf wenig Begeisterung stieß. Stattdessen wurde zu einer frühzeitigen Beendigung der Schullaufbahn geraten.

Diese Konflikte sprechen für ein grundsätzliches Problem in der Ausbildung von Talenten. Natürlich darf die schulische Bildung nicht komplett ausbleiben, dass der Fokus in der Jugend bei entsprechenden Erfolgen auf dem Tennissport liegt, ist jedoch nachvollziehbar. Laut Moritz Thiem war dies im Fallbeispiel seines Bruders auch mit der Schule so vereinbart.

Training frisst viel Zeit im Tagesablauf

Eine deutsche Spielerin, die aktuell größtenteils auf der ITF Tour unterwegs ist, berichtet ebenfalls von der Problematik, dass Schule und Tennis nicht Hand in Hand gingen. „Ich musste drei Tage in der Woche zum Training kommen oder gar nicht. Das habe ich mit der Schule nicht hinbekommen.“ Grund dafür war nicht nur das Training selbst, sondern auch der lange Anfahrtsweg von 80 Minuten, der zusätzlich zu den Übungseinheiten das Zeitkonto stark belastete.

Die Mutter eines deutschen Talents berichtet tennisnet.com von ihren Erfahrungen mit verschiedenen Schulen: “Die Schulen haben immer viel Unterstützung angepriesen, doch das hat gar nicht funktioniert. Wir haben uns zwar täglich mit dem Schulstoff auseinandergesetzt. Doch zum Beispiel bemängelten einzelne Lehrkräfte, dass sie keine mündliche Note geben können. Dabei gehörte das sogar teilweise zum Konzept der Schulen.”

Um ihrem eigenen Kind nicht zu schaden, bat die Mutter explizit darum, nicht namentlich genannt zu werden. Auch wenn das Ziel eines Abiturs bereits verworfen wurde. Dafür ist das Ergebnis nach den vielen negativen Erfahrungen klar: Es braucht mehr Lehrkräfte, die sich mit der Materie Leistungssport auskennen. “Die wenigsten Personen verstehen, was wir dafür alles machen müssen.”

Deutscher Tennis Bund wünscht sich mehr Flexibilität

Der Deutsche Tennis Bund (DTB) ist sich der Schwierigkeit bei der Vereinbarkeit von Schule und Tennisausbildung durchaus bewusst und bezeichnet diese als “eine der zentralen Herausforderungen im Nachwuchsleistungsport”. Der DTB setzt dabei auf Sportgymnasien und Partnerschulen des Leistungssports. “Wir sehen, dass diese Strukturen allein nicht ausreichen, um den steigenden Anforderungen eines internationalen Tennis-Kalenders gerecht zu werden. Aus unserer Sicht braucht es insbesondere im Bereich des digitalen und hybriden Unterrichts deutlich mehr flexible Lösungen, um Trainings- und Wettkampfphasen besser mit schulischen Verpflichtungen zu vereinbaren", sagt DTB-Vorständin Veronika Rücker auf Nachfrage von tennisnet.com.

Rücker macht die Schulpflicht dabei als konkretes Problem für die Talente aus: “Die aktuell eher starren Rahmenbedingungen der Schulpflicht stellen für viele Athletinnen und Athleten eine große Hürde auf dem Weg in den Profisport dar.” Um das zu durchbrechen sollen nach Vorstellung des DTBs “innovative Modelle entwickelt werden, die individuelle Bildungswege ermöglichen”. Hier sieht der Tennisdachverband auch die Politik in der Pflicht, um die Talente nicht in die Situation zu bringen, sich für Leistungssport oder Schule entscheiden zu müssen.

Ob der Blick nach Österreich oder auch nach Deutschland geht. In beiden Ländern stellt die Vereinbarkeit von Leistungssport und Bildung alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Umso wichtiger sind Personen im Umfeld, die Verständnis zeigen für die Situation von jungen Talenten. Und Lehrkräfte die verlässlich hinter diesem Konzept stehen.

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Dienstag
21.04.2026, 16:56 Uhr
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