Scheidender ÖTV-Präsident Ohneberg: "Ich gehe ohne bad feelings"
Am Sonntagvormittag fängt bei der ÖTV-Generalversammlung in Oberpullendorf mit der Wahl eines neuen Präsidiums nicht nur eine Ära im Österreichischen Tennisverband an, es geht auch eine zu Ende: jene von Martin Ohneberg als ÖTV-Präsident und jene seines Präsidiumsteams. Was bleibt von über vier Jahren der Präsidentschaft des Vorarlberger Unternehmers? Zeit für einen Rückblick, den der 55-Jährige im Interview gewährt.
von PM
zuletzt bearbeitet:
17.04.2026, 17:36 Uhr

Martin, deine am 27. Jänner 2022 begonnene ÖTV-Präsidentschaft neigt sich dem Ende zu. Mit welchen Gefühlen blickst du zurück und übergibst du an deine Nachfolge?
Prinzipiell mit guten Gefühlen. Es tritt ein tolles, neues Präsidium an, das sicherlich auf dem Status quo aufbauen kann, aber auch neue Impulse bringen wird. Insofern bin ich zuversichtlich, dass sich der Österreichische Tennisverband und der Tennissport gut weiterentwickeln werden. Ich wünsche alles Gute und nur das Beste. Ich gehe mit einem Lachen und einem Weinen, aber gänzlich ohne „bad feelings“. Es war eine schöne Zeit …
… in der auch vieles gelungen ist.
Ja, auf jeden Fall. Es hat eine tolle Zusammenarbeit mit meinem Team im Präsidium, mit der ÖTV-Geschäftsstelle sowie mit den Landespräsidentinnen und Landespräsidenten gegeben. Dafür und natürlich bei unseren vielen Unterstützern, Partnern und Sponsoren möchte ich mich allseits sehr herzlich bedanken. Und wir haben, glaube ich, doch einiges weitergebracht. Angefangen vom ÖTV-Branding bis zum Vorantreiben der Digitalisierung und überhaupt dem Gesamtauftritt des Österreichischen Tennisverbands. Ich denke, wir haben auch einen neuen Stil in der Zusammenarbeit hineingebracht, auch zwischen den verschiedenen Akteur:innen. In der Ausbildung haben wir etwa mit dem ÖTV-Kids-Club-Gütesiegel und mit einer neuen Tennisinstruktor:innenausbildung mit dem Schwerpunkt Kindertennis Akzente gesetzt, die ich für entscheidend halte. In der Turnierlandschaft hat sich – auch mit unserer Unterstützung – einiges zum Positiven entwickelt. Natürlich braucht es auch Nachhaltigkeit. Wir haben etwa mit Corona und der Finanzsituation des Bundes turbulente und wirtschaftlich schwierige Zeiten erlebt, in denen es uns trotz der verringerten Sportförderung geglückt ist, solide Finanzen zu hinterlassen, den ÖTV auf stabile Beine zu stellen. Wir haben sehr gute Governance- und Compliance-Strukturen aufgebaut und uns auch bei den Themen Inklusion und Diversity stark weiterentwickelt.
Und auch an sportlichen Erfolgen hat es nicht gemangelt, oder?
Absolut nicht. Wir hatten auch tolle Erfolge im Damentennis – gerade erst letzte Woche war es hervorragend, dass erstmals eine Österreicherin ins Finale des WTA-Turniers in Linz gekommen ist, eine ins Viertelfinale. Die Einbürgerung von Anastasia Potapova war anscheinend zum richtigen Zeitpunkt.
(Lächelt) Jetzt haben wir drei Damen unter den Top 100, das hat es seit 2011 nicht mehr gegeben.
Der parallele Abstieg im Billie Jean King Cup in die unterste Spielklasse war dafür wohl ein Wermutstropfen.
Natürlich. Das ist bitter, aber da kann man niemand einen Vorwurf machen – außer der WTA, die es nicht geschafft hat, sowas im Terminkalender vernünftig abzustimmen. Bei den Herren funktioniert das mit der ATP. Dass wir uns im Vorjahr für die Davis Cup Final 8 qualifiziert haben und nach Bologna gefahren sind, war natürlich ein Highlight. Und es ist toll, dass wir heuer die Chance besitzen, diesen Riesenerfolg durch einen Sieg gegen Belgien sogar zu wiederholen. Sehr gefreut hat mich, dass mit Joel Schwärzler 2024 ein Spieler aus dem ÖTV-Leistungszentrum Südstadt Nummer eins der Jugendweltrangliste geworden ist. Auch bei den Mädchen hat es große Nachwuchserfolge gegeben, vor allem mit dem French-Open-Juniorinnentitel von Lilli Tagger 2025. Auch die Tennisakademien in den Bundesländern haben sich positiv entwickelt – vom Burgenland bis Mauthausen. Ich denke, die ganze österreichische Tennisfamilie ist in den letzten Jahren gewachsen. Das Gemeinsame ist dabei in Summe im Vordergrund gestanden. Denn das alles ist kein Erfolg des ÖTV, sondern einer des österreichischen Tennissports.
Was war für dich während deiner Präsidentschaft die schönste Erinnerung, auf die du immer wieder gerne zurückblicken wirst?
Es hat hier viele tolle Momente und sportliche Erfolge gegeben, auf die ich sehr positiv zurückschauen werde. Aber was mich eigentlich am meisten gefreut hat, war, dass wir Michael Ebert und Dieter Mocker zusammengebracht haben, sie gemeinsam – quasi für den ÖTV – das Thema ÖTV-Kids-Coach entwickelt haben und dann auch das ÖTV-Kids-Coach-Gütesiegel. Es gab allgemein in so einigen Bereichen anfangs die Stimmung, „Das wird nie funktionieren“, weil es anscheinend in der Vergangenheit nicht funktioniert hat – und es hat dann doch hervorragend funktioniert. Sowas freut mich besonders.
Gibt es auch etwas, das dich mit Wehmut oder sogar Ärger zurückblicken lässt?
Jedenfalls mit Enttäuschung, was das Thema Südstadt angeht. Bei der Unterstützung seitens des Bundes, was die Infrastruktur anbelangt, hätte ich mir mehr erhofft. Auch das eine oder andere Gespräch, auch auf Bundesebene, zur Förderungsthematik oder mit anderen Verbänden war dann schon teilweise zermürbend, insbesondere zu Beginn. Vor allem herrscht bei mir da viel Unverständnis. Klar sind die Mittel knapp, aber dass dem Sport sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich in Österreich so wenig an Bedeutung beigemessen wird, das tut einfach weh. Ich glaube, der Sport sollte einen ganz anderen Stellenwert haben. Gerade in Zeiten wie diesen wäre das richtig.
Was hättest du dir in deiner Präsidentschaft leichter vorgestellt?
Im Endeffekt hat alles sehr gut funktioniert. Aber ja, bei der Zusammenarbeit mit dem einen oder anderen Stakeholder aus dem Tennis hätte ich es mir in manchen Fällen ein bisschen leichter vorgestellt.
Wirst du dem Tennissport erhalten bleiben? Und wenn ja: in welcher Form?
Selbstverständlich werde ich das. Ich möchte heuer wieder Mannschaftsmeisterschaft spielen, mehr Tennisspielen, und selbstverständlich werde ich alles weiter beobachten, wie in der Vergangenheit. Tennis ist eine wichtige Säule in meinem Leben. Ich habe den Tennislehrer gemacht, habe extrem viel vom Tennis profitiert und auch jetzt, die letzten Jahre, beim ÖTV vieles lernen können. Ich werde mich sicherlich auch in Zukunft hie und da äußern, mich mal wo sehen lassen oder engagieren.
