Nicolas Kiefer im Interview - "Alexander Zverev fehlt nicht viel"

Nicolas Kiefer, ehemals in der ATP-Weltrangliste bis auf Platz vier vorgestoßen, im tennisnet-Interview über den Status Quo im Davis Cup, die Aussichten von Alexander Zverev, sein Projekt NK-4 European Fast Four Tennis und seine Rolle als ROBINSON-Markenbotschafter. 

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 23.02.2023, 14:19 Uhr

Nicolas Kiefer gibt sein Wissen auch im ROBINSON Club weiter
© Tamer Palut
Nicolas Kiefer gibt sein Wissen auch im ROBINSON Club weiter

tennisnet: Herr Kiefer. Vor wenigen Tagen hat Deutschland im Davis Cup zuhause in Trier gegen die Schweiz verloren. Wie stehen Sie zum aktuellen Format?

Nicolas Kiefer: Ich bin kein Fan von diesem System, weil der Davis Cup ganz schön viel an Wert verliert. Man kann sich mit dem Wettbewerb nicht mehr identifizieren. Wir brauchen Heim- und Auswärtsspiele auch in der entscheidenden Phase, also im Halbfinale und Finale. Wenn sich aber ein paar Teams an einem fast neutralen Ort treffen und dort ihre Matches bestreiten, kommt nie das Gefühl hoch: Das ist jetzt der Davis Cup. Für die ganzen jungen Spieler ist das ja leider normal. Die kennen es zum Großteil gar nicht anders.

tennisnet: Ihre prägende Erinnerung als Davis-Cup-Spieler?

Kiefer: Ich glaube, es war sogar mein allererstes Match, mein Deutschland-Debüt gegen Südafrika in Bremen, bei dem ich gegen Grant Stafford nach 0:2-Satzrückstand noch gewonnen habe. An so etwas erinnert man sich gerne.

tennisnet: Im Moment liegt die ganze Last im Einzel - auch im Davis Cup - in Deutschland auf den Schultern von Alexander Zverev. Wo sehen Sie ihn gerade in seiner Entwicklung nach der Verletzungspause?

Kiefer: Sascha fehlt nicht viel. Er hat es ja nicht verlernt. Was aber zu erkennen ist: Das Selbstvertrauen fehlt ein bisschen. Früher hat er in engen Situationen die Punkte gemacht, jetzt ahnen die Gegner: Hoppla, Sascha ist verwundbar - beziehungsweise schlagbar. Das hat vor einem Jahr noch ganz anders ausgesehen. Dahin muss er sich nun wieder reinarbeiten. Ich könnte mir vorstellen, dass sich Sascha da im Moment ein bisschen zu viel Druck macht. Und die Konkurrenz schläft nicht: Auger-Aliassime, Rune, Ruud, Rublev, Tsitsipas - die werden alle immer stärker. Die Verletzung war ein riesiges Pech. Jetzt muss Sascha praktisch wieder von vorne anfangen. Klar ist auch: Er rutscht jetzt im Ranking etwas ab, kommt früher gegen die ganz Großen dran. Es ist ein Teufelskreis. Aber ich wünsche es mir auch für ihn, dass er wieder ganz nach vorne kommt.

tennisnet: Auffällig bei Alexander Zverev, aber auch bei Dominic Thiem in diesen Wochen, ist die teilweise sehr defensive Position weit hinter der Grundlinie …

Kiefer: Das ist deren Wohlfühloase. Bei Dominic war das Spiel grundsätzlich ja auf eher weit hinten ausgerichtet, bei Sascha auch. Aber: Als Sascha mit Ivan Lendl trainiert hat, war zu beobachten, dass er da viel öfter nach vorne ans Netz gegangen ist. Und genau da wird ein Match auch entschieden. Mit dem Schlagrepertoire, das Sascha hat, muss er nach vorne gehen. Das ist ein wenig auf der Strecke geblieben.

Nicolas Kiefer - "Ich hatte sehr viele Anfragen"

tennisnet: Wenn Sie jemand aus dem professionellen Tennis fragen würde, ob Sie als Tourcoach zur Verfügung stünden - was würden Sie antworten?

Kiefer: Ich hatte sehr viele Anfragen, diese aber abgelehnt, weil 30 Wochen im Jahr auf Reisen zu sein einfach zu viel sind. Ich habe ja noch andere Verpflichtungen, etwa jene mit meinen anderen Kooperationspartnern wie zum Beispiel ROBINSON.

tennisnet: Wie sieht Ihre Verbindung zu ROBINSON aus?

Kiefer: Ich bin zum einen Botschafter für die Marke ROBINSON und zum anderen Tennis TOP Experte für die TOP Events. Und im Mittelpunkt stehen natürlich die Kiwi-Camps für Kinder und Erwachsene. Anfang April starte ich mit einem Kinder Camp im ROBINSON PAMFILYA, Ende April sind wir dann im ROBINSON SARIGERME PARK (Camp für Erwachsene), welches bereits ausgebucht ist. Wir bieten aber ein weiteres Erwachsenen Camp im Oktober im ROBINSON SARIGERME PARK an.

Von Kiwi lernen - Nicolas Kiefer als aufmerksamer Coach in den ROBINSON Tennis Camps
© privat/Nicolas Kiefer
Von Kiwi lernen - Nicolas Kiefer als aufmerksamer Coach in den ROBINSON Tennis Camps

tennisnet: Wie sieht der Ablauf aus? Bekommen alle Teilnehmer die Chance, mit Ihnen zu spielen?

Kiefer: Am ersten aktiven Tag gibt es ein kleines ‚Vorspielen’, damit wir sehen können, wo die einzelnen TeilnehmerInnen stehen. Danach wird in Dreier-Gruppen trainiert, in Einheiten zu jeweils 90 Minuten. Wir haben drei Plätze und die Dreier-Gruppen rotieren immer, damit sie mal bei mir und auch bei meinen Trainerkollegen sind. Jeder soll mit jedem spielen. Und das über fünf Tage. Das Training findet zumeist am Vormittag statt. Die Nachmittage kann man im ROBINSON Club ja auch ohne Tennis sehr angenehm verbringen.

tennisnet: In welchem ROBINSON Club werden Sie und Ihre Trainerkollegen das Camp geben?

Kiefer: Dieses Jahr im ROBINSON SARIGERME PARK für Erwachsene und im ROBINSON PAMFILYA für Kinder. Beide Clubs sind in der Türkei. ROBINSON SARIGERME PARK ist ein wunderschöner Club mit Sandplätzen. Wir haben die Termine auch bewusst so gelegt, damit wir zum einen jene SpielerInnen ansprechen, die es im Frühjahr gar nicht erwarten können, mit dem Freilufttennis zu beginnen und das Camp natürlich auch als Saisonvorbereitung nutzen können. Und dann auch für jene, die im Herbst noch nicht in die Halle wollen.

"Meine Erfahrung zeigt: Tennis lebt!"

tennisnet: Werden die TeilnehmerInnen auch richtig gefordert?

Kiefer: Absolut! Wir haben bislang immer tolle Gruppen gehabt. Es haben alle mitgezogen, es werden viele Punkte gespielt. Und wir haben immer unsere Thementage. Da nehmen wir ein paar Schläge genauer unter die Lupe. Mir macht das riesigen Spaß.

Der Spaß kommt in den ROBINSON Camps nie zu kurz
© privat/Nicolas Kiefer
Der Spaß kommt in den ROBINSON Camps nie zu kurz

tennisnet: Wie verhalten sich ambitionierte Hobbyspieler, wenn auf der anderen Seite des Netzes im ROBINSON SARIGERME PARK mit Nicolas Kiefer die ehemalige Nummer vier der Welt steht?

Kiefer: Ach, sollte da ein wenig Aufregung sein, dann legt sich die schnell. Denn früher oder später denken sich die Gäste: Da steht ja nur der Kiwi drüben, der kocht ja auch nur mit Wasser!

tennisnet: Die Kooperation mit ROBINSON ist allerdings nicht Ihre einzige Aufgabe …

Kiefer: Das NK-4 European Fast Four Tennis Race ist etwas ganz Neues. Wir wollen Tennis weiterentwickeln, den Sport modernisieren und wieder attraktiver machen. Durch die Digitalisierung wird alles einfacher gemacht, der große Startschuss wird im April erfolgen. Das Projekt steht unter dem Motto „Sport meets IT“. Für Vereine ist es eine tolle Gelegenheit, Turniere auszurichten.

tennisnet: Und für die Teilnehmer bleibt die Spannung hoch …

Kiefer: Es werden Sätze bis vier gespielt, wir spielen mit der No-Ad-Regel, es gibt keinen Netzaufschlag. Und unsere Turnierserie soll wirklich für jedermann sein, wir wollen niemanden ausschließen. Eine Vereinsmitgliedschaft ist nicht notwendige Voraussetzung. Und wir spielen in allen Klassen: von der Jugend bis zu den Senioren.

tennisnet: Ist das auch ein guter Weg für Vereine, neue Mitglieder zu gewinnen?

Kiefer: Absolut. Ich bin mit meiner „Coach Kiwi“-Aktion ja permanent in Vereinen unterwegs. Und da ist meine Erfahrung: Tennis lebt! Egal, in welche Vereine ich gegangen bin. Und das Thema Digitalisierung wird vielleicht den einen oder anderen neuen Interessenten abholen. Auch bei unserem NK-4-Projekt. Infos auf nk-4.com!

Informationen zu den Tennis-Angeboten in den ROBINSON Clubs findet Ihr übrigens hier. Egal, für welchen Club Ihr Euch entscheidet, es gilt das ROBINSON Tennisversprechen:

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