Noma Noha Akugue: „Die Rasen-Saison ist schwer zu planen“
Zum Auftakt der Qualifikation in Wimbledon besiegte Noma Noha Akugue die Italienerin Lisa Pigato in zwei Sätzen und konnte dadurch, nach einem Aufgabesieg vor drei Jahren, erstmals bei eigenem Matchball eine Begegnung auf Rasen für sich entscheiden. Im Anschluss gab sich die Hamburgerin im exklusiven tennisnet-Interview bestens gelaunt.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
24.06.2026, 01:28 Uhr

Von Dietmar Kaspar aus Roehampton
Groß war der Jubel auf Court 7 im Bank of England Sports Centre in Roehampton, als die Hamburgerin Noma Noha Akugue in ihrer Auftakt-Begegnung der Wimbledon-Qualifikation gegen die Italienerin Lisa Pigato ihren insgesamt achten Matchball mit einem krachenden Rückhand-Winner verwandeln und dadurch erstmals nach einem Aufgabesieg 2023 gegen die Französin Selena Janicijevic eine Partie auf Rasen zu ihren Gunsten entscheiden konnte.
tennisnet: Noma, gerade konntest du beim größten Turnier der Welt deinen ersten sportlich zu Ende geführten Sieg auf Rasen einfahren. Wie ist deine aktuelle Gefühlslage?
Noma Noha Akugue: Im Moment bin ich einfach super happy und auch erleichtert, dass ich das Match heute erfolgreich zu Ende bringen konnte. Es selbst aktiv zu beendet zu haben, ist natürlich schon noch ein viel befriedigenderes Gefühl als der Aufgabe-Sieg vor drei Jahren.
Rasen war ja bislang nicht gerade dein erklärter Lieblingsbelag. Was hat es für dich bislang so schwer gemacht, auf diesem Belag zu spielen?
Bislang habe ich noch nicht sehr viel auf Rasen gespielt und da kamen mir halt immer sehr schnell die Zweifel, ob ich auf diesem Belag überhaupt gut spielen kann. Meistens hatte ich vor der Qualifikation in Wimbledon gerade mal ein Turnier als Vorbereitung gespielt. Aufgrund dieser Zweifel stellte sich mir halt immer die Frage, ob es sich überhaupt lohnt, eine große Vorbereitung mit 2-3 Turnieren in Angriff zu nehmen. In den letzten Jahren war mein Ranking halt leider auch nicht entsprechend, dass ich mit den WTA-Turnieren in Deutschland planen konnte, deshalb musste ich die Rasen-Saison schon gezwungenermaßen etwas kürzer halten. In dieser Saison kam natürlich noch dazu, dass ich auf Sand sehr erfolgreich gespielt hatte und den Flow deshalb möglichst lange ausnutzen wollte. Vielleicht war es heute auch gerade deshalb hilfreich, dass der Druck deshalb nicht so groß war und ich einfach nur das Beste aus den Trainings-Sessions rausholen wollte.
Wie du schon angesprochen hattest, spielt du bislang eine recht erfolgreiche Saison und konntest bereits drei Titel auf ITF-Ebene auf verschiedenen Belägen einfahren. War heute einfach auch Selbstvertrauen ein entscheidender Faktor?
Auf jeden Fall. Bei meinen Turniersiegen habe ich Spielerinnen geschlagen, die um einiges höher im Ranking standen als ich und auch hier sind viele Spielerinnen am Start, die entweder ähnlich wie ich gerankt sind oder noch etwas besser dastehen, jedoch alle das gleiche Ziel haben. Durch die Erfahrungen der letzten Wochen versuche ich einfach, es etwas entspannter anzugehen und es auch etwas genießen zu können.
Einen deiner Turniersiege konntest du in Altenkirchen auf Teppich einfahren. Ist das vergleichbar oder unterscheidet sich das doch sehr vom Rasen?
Auf der einen Seite ist es vom Tempo her schon ähnlich, aber in Altenkirchen kann man wesentlich mehr rutschen und dadurch längere Ballwechsel erzwingen. Auf Rasen geht es diesbezüglich schon unheimlich schnell und die Zahl der ganz schnellen Punkte übersteigt die der längeren Ballwechsel doch eindeutig.
Gerade auf Rasen scheint es in den letzten Jahren einen leichten Trendwechsel gegeben zu haben. Während früher Aufschlagstärke und offensive Spielausrichtung dominierten, finden sich bewegliche und returnstarke Spielerinnen und Spieler auf diesem Belag immer besser zurecht. Kannst du dem beipflichten?
Das ist mir heute bei meinem Match auch wieder besonders aufgefallen. Sobald meine Gegnerin etwas besser lesen konnte, wo meine Aufschläge hinkommen werden, hat sie unheimlich stark returniert und mir das Leben dadurch sehr schwer gemacht. Insgesamt hat die Return-Qualität auf der Damen-Tour meiner Meinung nach in den letzten Jahren unheimlich zugenommen.
Auch wenn sich das Ergebnis im zweiten Satz deutlich liest, hast du insgesamt acht Matchbälle benötigt, um final ans Ziel zu kommen. War dabei das Kopfkino am Laufen?
Gegen Ende der Partie sind meine Gedanken schon etwas abgeschweift, ob ich denn wirklich das erste Match auf Rasen aktiv zu meinen Gunsten beenden könnte. Dann kam natürlich noch erschwerend dazu, dass sie auch richtig starke Bälle gespielt hat und man sich dann innerlich denkt, ob sie tatsächlich noch einmal komplett zurückkommen kann. Ich habe aber immer versucht, stark zu bleiben, um es doch noch erfolgreich zu Ende zu bringen.
Den verwandelten Matchball hattest du mit einem spektakulären Rückhand-Winner zu deinen Gunsten entschieden. Wie wichtig war das aus deiner Sicht?
Ich hatte auch schon viele Matches, wo ich nicht mutig geblieben bin und das Match dann doch noch auseinandergefallen ist. Ich habe mir einfach vorgenommen, das Heft des Handelns bis zum Schluss selbst in die Hand zu nehmen und habe mich heute dafür auch belohnt.
Vielen Dank für das Interview und noch viel Erfolg in Wimbledon
Hier das Einzel-Tableau der Wimbledon-Qualifikation der Damen
