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Novak Djokovic als "Wolf im Winter": Doku enthüllt die verletzliche Seite des Tennis-Stars

Novak Djokovic ist einer der erfolgreichsten und zugleich umstrittensten Sportler der Tennisgeschichte. Die neue Dokumentation blickt hinter die Fassade des scheinbar unerschütterlichen Champions.

von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet: 23.08.2026, 20:36 Uhr

Novak Djokovic bei den US Open 2025
© Getty Images
Novak Djokovic bei den US Open 2025

Regisseur Jason Hehir, der schon Michael Jordan für “The Last Dance” begleitete, zeigt in seiner Doku “The Wolf in Winter” über Novak Djokovic vor allem die “unvollkommene” Seite des 24-fachen Grand-Slam-Champions. Im Interview mit Der Standard erklärte Hehir: “Djokovic besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, negative Stimmen als Antrieb zu nutzen. Selbst wenn ihn 50.000 Menschen feiern, bleibt ihm jene einzelne Person im Gedächtnis, die ihn ausbuht. Das ist auch der Grund, warum Djokovic trotz seiner historischen Erfolge bis heute das Gefühl hat, missverstanden zu werden.”

Bei Fokusgruppen kam die Dokumentation übrigens erstaunlich gut an. 90 Prozent der Teilnehmer gaben an, nach dem Film eine höhere Meinung von Djokovic zu haben. Seine Reaktion? Er wollte sofort wissen, wie man auch die übrigen zehn Prozent überzeugen könne.

Eine Kindheit, die dem Tennis geopfert wurde

Die Dokumentation setzt aber bereits in Djokovics Kindheit an. Schon seine erste Trainerin Jelena Gencic habe dem jungen Djokovic vermittelt, so Hehir, wie wichtig Langlebigkeit und körperliche Vorbereitung seien. Der Gedanke, bis ins hohe Alter professionell Tennis zu spielen, begleitete ihn offenbar bereits als Siebenjährigen. Heute zeigt sich diese Fixierung auf die Karrierefortsetzung deutlicher denn je: Djokovic wollte im Film sogar das Wort “Rücktritt” vermeiden und stattdessen von “Longevity” sprechen.

Laut Hehir gibt es bei ihm offenbar keinen klaren Punkt, an dem er sagen könnte: Jetzt ist Schluss. Die nächste Herausforderung (und selbst die nächste Niederlage) genügt, um den nächsten Abschnitt seiner Karriere zu rechtfertigen.

Jürgen Melzer wurde zum Wendepunkt

Eine besondere Rolle in Djokovics Karriere spielt dabei ausgerechnet ein österreichischer Spieler: Jürgen Melzer. Bei den French Open 2010 führte Djokovic gegen Jürgen Melzer bereits mit 2:0 Sätzen, verlor die Partie aber noch. Für den damals noch nicht dominierenden Serben war die Niederlage laut Hehir ein Schlüsselerlebnis. Djokovic zweifelte zu diesem Zeitpunkt tatsächlich daran, ob er körperlich und mental jemals jener Spieler werden könne, der in den entscheidenden Momenten zuverlässig abliefert.

Hinter dem “Bösewicht” steckt ein anderer Djokovic

Hehir selbst war von Djokovic als Privatperson überrascht. Auf dem Platz habe er ihn zunächst beinahe für einen “Roboter” gehalten: hochkonzentriert, aggressiv, emotional und mit einer Intensität, die ihn für viele Zuschauer zum Gegenspieler von Federer und Nadal machte. Abseits des Courts erlebte der Regisseur dagegen einen humorvollen und ausgesprochen fürsorglichen Familienmenschen. Diesen Kontrast fand Hehir spannend. Djokovic müsse nicht weniger ehrgeizig werden, um menschlicher zu wirken, er müsse lediglich zulassen, dass die Öffentlichkeit auch jene Seiten an ihm sieht, die nicht perfekt sind.

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von Isabella Walser-Bürgler

Sonntag
23.08.2026, 21:47 Uhr
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