Oliver Marach über Dominic Thiem: "Ich glaube, dass er die Nummer eins werden kann"

Oliver Marach trifft zusammen mit seinem Partner Mate Pavic im Viertelfinale des ATP-Masters-1000-Turniers in Madrid auf Dominic Thiem und Diego Schwartzman. Der Grazer erwartet eine "enge" Partie, äußerte sich im exklusiven Tennisnet-Interview aber auch über den Zustand des österreichischen Tennis, den Davis Cup sowie ein mögliches Karriereende.

von Nikolaus Fink
zuletzt bearbeitet: 09.05.2019, 01:05 Uhr

Oliver Marach beim Davis Cup
© GEPA
Oliver Marach

Wie geht es Ihnen gesundheitlich?

Ich habe jeden Tag Therapie. Ich war in der vergangenen Woche in der Reha. Ich habe mich in Barcelona verletzt - Gott sei Dank war es nicht so schlimm wie in den Jahren davor, als ich ein paar Wochen aussetzen musste. Natürlich spüre ich meinen Rücken. Ich habe acht Tage lang kein Tennis gespielt und spiele auf einmal drei Matches hintereinander. Natürlich spüre ich es, aber ich hoffe, dass es nur Muskelverhärtungen sind.  

Wie sehen Sie die Entwicklung des Tennissports in Österreich? Mit Dominic Thiem und den vielen guten Doppelspielern scheint Österreich ja nicht allzu schlecht aufgestellt zu sein.

Über Dominic müssen wir nicht reden, der ist absolute Weltspitze. Er hat heuer in Indian Wells und Barcelona gewonnen. Er spielt unglaublich, ich habe seine Matches in Barcelona gesehen. Djokovic und die anderen sind auch schon älter. Ich glaube, dass er die Nummer eins werden kann. Er spielt auf jedem Belag sehr gut, ist ein sehr netter Kerl und ein harter Arbeiter. Ich glaube, wenn man hart arbeitet, kommt man in seiner Karriere weit. Zum österreichischen Tennis: Ich habe immer gesagt, dass wir nicht sehr viele gute Coaches haben. Das Problem ist, dass sie keine internationale Erfahrung haben, wie heutzutage trainiert wird. Das muss man ganz ehrlich sagen. Ich will nicht negativ reden, aber es ist leider so. Ich habe dem Steirischen Tennisverband ein kleines Projekt vorgeschlagen. Nächste Woche haben wir mit Barbara Muhr (Anm.: Präsidentin des Steirischen Tennisverbandes) zum Beispiel ausgemacht, dass zwei Trainer des Steirischen Tennisverbandes mit nach Rom reisen. Sie können hineinschnuppern und sehen, wie auf der Tour trainiert wird. Hoffentlich können wir damit in Österreich ein bisschen was bewirken. Für mich ist es auch gut, wenn ein paar Coaches dabei sind - für sie sicherlich auch. So können wir das Tennis in Österreich hoffentlich noch weiterpushen.

Ich habe immer gesagt, dass wir nicht sehr viele gute Coaches haben.

Oliver Marach

Wie haben Sie die Ablöse des ehemaligen Präsidenten Werner Klausner gesehen?

Da fragst du leider den Falschen. Ich bin nicht viel in Österreich, weil ich in Panama lebe. Für mich ist das überraschend, aber ist halt leider so passiert. Ich weiß nicht einmal, wer gerade bei uns Präsident ist (Anm.: Christina Toth bekleidet diese Rolle). Ich hoffe, dass wir uns wieder gut aufstellen. Für mich ist der Davis Cup wichtig. Es war sehr schade, dass wir den Aufstieg in das neue Format nicht geschafft haben. Es ist da um sehr viel Geld gegangen, das dem ÖTV sehr zugute gekommen wäre. Das tut sehr weh. Hoffentlich können wir uns gegen Finnland gut aufstellen und dann hätten wir bei einem Sieg wieder eine Entscheidungspartie, sodass wir in das neue Format aufsteigen könnten. Für Österreich wäre das natürlich super. Es gebe einen finanziellen Push. So könnten wir mehr Spieler fördern. Wir müssen schauen - jetzt sind wir noch zwei Davis-Cup-Partien davon entfernt, aber ich hoffe, dass das ganze Team dort (Anm. in Finnland) spielen wird. 

Wären Sie in Finnland fix dabei?

Ich habe immer gesagt, dass ich Davis Cup spiele, wenn man mich braucht. Ich habe ihn einmal aufgrund familiärer Gründe ausfallen lassen, weil ich eben in Panama wohne und meine Kinder mich fast nie sehen. Da haben wir ein paar Probleme gehabt. Das war der einzige Grund, warum ich den Davis Cup einmal ausfallen ließ. Wenn man mich gefragt hat, habe ich aber jeden Davis Cup gespielt und bin auch sicherlich beim nächsten dabei, wenn man mich braucht. Das Wichtigste ist, dass ich fit bin. Ich bin auch schon ein Oldie und mein Körper muss einfach stimmen, weil ich werde mich im Davis Cup nicht verletzt reinstellen. 

Eine abschließende Frage noch: Sie haben selbst immer wieder erwähnt, dass der Körper zwickt. Gibt es konkrete Pläne für ein Karriereende?

Ich habe schon des Öfteren über mein Karriereende nachgedacht. Meine Karriere war oft mit Verletzungen bestückt, aber das hat jeder Tennisspieler. Ich muss klopfen, dass ich nicht ganz krasse Verletzungen gehabt habe, bei denen ich ein oder zwei Jahre weg gewesen wäre. Ich habe mir in Panama einiges aufgebaut. Ob ich nachher im Tennis weiterwirken werde, ist fraglich. In Panama ist Tennis tot. Dort gibt es keine Tennisspieler. Ich weiß nicht, ob ich mir es antun soll, dort Privatstunden zu geben. Vielleicht braucht man mich manchmal auf der Tour oder in Österreich, das wird man alles sehen. Ich glaube, dass ich genug Erfahrung habe. Ich bin mittlerweile 22 oder 23 Jahre auf der Tour und habe so einiges miterlebt. Jetzt hoffe ich, dass mein Körper so halbwegs fit bleibt und ich noch ein bis zwei Jahre spielen kann. Dann schauen wir weiter.

Das Gespräch führte Nikolaus Fink

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