Patricio Apey: Wer ist der Mann, gegen den Alexander Zverev kämpft?

Alexander Zverev hat es in diesen Tagen nicht leicht. Neben seiner sportlichen Krise muss sich der Deutsche auch mit seinem Ex-Manager Patricio Apey herumschlagen. Doch wer ist dieser Mann eigentlich, gegen den der 22-Jährige kämpft?

von Jörg Allmeroth
zuletzt bearbeitet: 03.07.2019, 10:21 Uhr

Alexander Zverev in Wimbledon
© Getty Images
Alexander Zverev

Wenn Patricio Apey dieser Tage über die Terrasse des Wimbledon-Spielerzentrums schlendert, ist ihm von der Schlammschlacht mit seinem ehemaligen Klienten Alexander Zverev nichts anzumerken. Apey, stets im eleganten, legeren Business-Look unterwegs, trifft sich gut gelaunt mit Turnierdirektoren, Sponsorenvertretern oder potenzieller neuer Kundschaft zum Plausch, ab und zu begrüßt er alte Bekannte und Weggefährten mit Umarmungen. 

Der 53-jährige Chilene hat allerdings auch eine ganz andere Seite, die hinter der öffentlichen Fassade von Höflichkeit und Freundlichkeit steckt: Apey ist ein mit allen Wassern gewaschener Geschäftemacher. Ein gerissener, verschlagener, oft undurchschaubarer Dealer auf dem Millionenmarkt des Profitennis. „Zwielichtig“ nennt ihn ein erfahrener britischer Tennisjournalist, der lange mit Apey zu tun hatte, als der noch den jungen Andy Murray betreute: „Apey geht es vor allem um eins: Um sich selbst. Um das beste Geschäft. Um maximalen Gewinn.“

Apey ist "enttäuscht und überrascht"

Apey hält sich als Anbahner profitabler Verträge am liebsten im Hintergrund, er zieht lieber hinter den Kulissen die Fäden, er ist der klassische Hinterzimmer-Jongleur. Aber die heftigen Scharmützel mit und um Zverev, den amtierenden ATP-Weltmeister, haben den in London lebenden Manager nun unversehens ins Rampenlicht befördert. Kurz nachdem Zverev in einer emotionalen Tirade nach seinem Erstrunden-Knockout noch einmal Apey ins Visier genommen hatte, ohne ihn namentlich zu nennen, schoss der Südamerikaner zurück. Zverev selbst sei der, der sich am meisten schade, teilte Apey mit und zeigte sich „enttäuscht und überrascht“ über das Vorgehen der ganzen Familie. Scheinbar großzügig bot er auch an, sich außergerichtlich einigen zu wollen und zu können. Doch dann wohl eher zu seinen Bedingungen, zu den Bedingungen des Mannes, der vom Freund zum Feind wurde.

   

Apey ist ein routinierter Akteur in der Tennisszene, der er selbst entstammt. Sein Vater, Patricio sen., war einst einer der Trainer der argentinischen Starspielerin Gabriela Sabatini. Später übernahm dann Patricio jun. die Geschäftsangelegenheiten der dunkelhaarigen Schönheit, die auch jahrelang für den Kölner Parfümriesen 4711 warb. Apey machte sich Anfang des Jahrhunderts mit seiner Ace Group International selbstständig, zu seinen prominentesten Klienten zählte Murray, der Schotte, der 2013 den ewigen Wimbledon-Fluch der hartnäckig scheiternden Gastgebernation mit seinem Sieg beendete. Doch Apey war da schon nicht mehr für Murray tätig, der hatte sich 2008 einem anderen Management angeschlossen, mit den Worten, er brauche die „bestmöglichen Leute“, um sich ganz aufs Tennis konzentrieren zu können.

Global Player Zverev

Frühzeitig war Apey zur Stelle, als sich abzeichnete, dass aus Zverev eine Tennis-Größe werden könnte. Zverev war gerade 15, da rückte Apey sozusagen zum Team Zverev hinzu, zum deutschen Tennis-Familienbetrieb mit russischen Wurzeln. Die Vision des Chilenen war von Anfang an klar, er ließ daran auch keinen Zweifel: Deutschland, der eigentlich lukrativste Tennismarkt, war uninteressant. Der junge Himmelsstürmer sollte zum Global Player werden, mit einem Appeal, der eben auch multinationale Konzerne anlocken sollte. In der Praxis sah das auch so aus: Apey ließ deutsche Medien links liegen, Interviewanfragen wurden selten bis gar nicht beantwortet. Zu leiden hatte darunter letztlich Zverev, dem Arroganz unterstellt wurde, weil er eben mit den Journalisten nicht oder nur mürrisch sprach. Dass er dann trotz einer Zusage nicht mehr am Hamburger Rothenbaum spielte, in seiner Geburtsstadt, passte ins allgemeine Bild des verzogenen Jung-Millionärs, der nur noch das ganz Große im Sinn hatte. 

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Über manche der Managerleistungen von Apey für Zverev schüttelte die Branche den Kopf. So verschaffte der Chilene seinem Klienten im Teenageralter den Vertrag mit einem Luxusuhren-Hersteller, der für extravagante Modelle ebenso wie für exorbitante Preise bekannt ist. Und statt auf potenzielle deutsche Interessenten wie Mercedes oder BMW zu warten, beide im Tennissponsoring engagiert, schloss Apey für Zverev einen Kontrakt mit der französischen Marke Peugeot ab. Ein führender deutscher Manager aus der Sportausrüsterbranche sagt dazu: „Apey mag Deutschland nicht. Und er mag die Deutschen nicht.“

Apey gilt seit jeher als knallharter, unerbittlicher Verhandler. Gern rief der 53-jährige Fantasiepreise auf, wenn es um Antrittsprämien für Zverev bei Turnieren im Wanderzirkus ging. Er spielte potenzielle Partner auch gegeneinander aus, um die Preise in die Höhe zu treiben. Angeblich verfügt er noch immer bis mindestens 2023 über einen Vertrag mit Zverev, dem er vorwirft, „einen teuren, unnötigen und absolut illegitimen Rechtsstreit“ vom Zaun gebrochen zu haben. Er, Apey, werde als Sündenbock hingestellt, seit es bei Zverev sportlich nicht mehr laufe. Apey in der Opferrolle - vielen fällt schwer, sich das vorzustellen. Szenebeobachter mutmaßen, dass Apey rund um den Wimbledon-Termin versucht haben könnte, ein Ende der Auseinandersetzungen mit Zverev zu bewirken – gegen Zahlung einer stattlichen Millionensumme. Aber wie es scheint, geht das Waschen schmutziger Wäsche noch munter weiter.

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