Die heimtückische Krankheit

Das Virus zwang Jarmila Gajdosova zu einer siebenmonatigen Zwangspause. Ähnliches Leid mussten auch schon andere Profispieler erfahren.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 06.12.2013, 12:14 Uhr

Von Jan Geißler

Nachdem Jarmila Gajdosova die vergangenen sieben Monate wegen Pfeifferschen Drüsenfiebers pausieren musste, geht es ihr nun langsam wieder besser, und so konnte die 26-jährige Australierin inzwischen sogar auf den Platz zurückkehren. Ihr Comeback feierte sie beim 125.000-Dollar-Turnier in Nanjing (China), wo sie sich durch die Qualifikation spielte und anschließend erst im Halbfinale geschlagen geben musste. Wenn man bedenkt, dass es in den vergangenen Monaten Momente gab, in denen sie nicht einmal aufstehen konnte und teilweise ganze Tage im Bett verbracht hat, dann ist das schon einmal ein großer Fortschritt. „Jeder Fall dieser Krankheit ist unterschiedlich. Deshalb ist mein erstes Ziel, langsam wieder zurückzukommen“, sagt Gajdosova, „Die Hoffnung habe ich nie verloren, allerdings braucht es Zeit.“

Die Ursache für die Erkrankung sieht Gajdosova darin, dass sie sich im Jahr 2012 zu sehr unter Druck gesetzt habe. Trotz der Scheidung von ihrem heutigen Ex-Mann Samuel Groth und dem Tod ihrer Mutter im September gönnte sie sich keine Pause. Und so kam es, dass sie bereits im Dezember ein allgemeines Unwohlsein bemerkte. „Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass mir die Pause gut getan hat. Ich hatte endlich Zeit, meinem Körper eine dringend notwendige Wettkampfpause zu geben. Und auch mental hat es mir geholfen, weil ich den Platz heute endlich wieder mit Freude betreten kann“, berichtet Gajdosova. Allerdings habe es auch negative Phasen gegeben, in denen sie nicht wusste, ob sie jemals wieder auf die Profitour werde zurückkehren können.

Neustart für Gajdosova

Des Weiteren habe die Auszeit der aktuellen Weltranglisten-234. geholfen, gewisse Dinge entspannter zu sehen und dadurch die Stressmomente in ihrem Leben zu reduzieren. „In gewisser Weise ist es ein Neustart. Was auch immer passieren wird, wird passieren. Und ich werde mich nicht mehr darüber aufregen“, so die Australierin und fügt an: „Ich werde von Spiel zu Spiel schauen, und dann wird sich zeigen, was ich verbessern kann. Jetzt bin ich einfach froh, dass es meinem Körper wieder besser geht und ich jeden Tag trainieren sowie an Turnieren teilnehmen kann.“

Jarmila Gajdosova ist nicht der erste Tennisprofi, der am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt war. Die Liste der vor ihr erkrankten Spieler ist lang, und nicht in allen Fällen ist es so positiv ausgegangen wie bei der gebürtigen Slowakin.

Roger Federer

Der bekannteste Fall war wohl der des Roger Federer. Der Schweizer war zu Beginn der Saison 2008 an „Mononukleose" erkrankt und legte in Folge dessen einen eher mäßigen Saisonstart hin. Zu einer längeren Pause führte die Krankheit bei ihm jedoch nicht. Vielmehr musste er in relativ kurzer Zeit immer wieder mehrtägige Wettkampf- und Trainingspausen einlegen. Und trotzdem erreichte er in dieser Zeit – wenn auch stark geschwächt – das Halbfinale der Australian Open. „Dadurch, dass ich die Krankheit sechs Wochen mit mir herumgeschleppt habe, habe ich viel von meiner Fitness verloren und ich konnte auch nicht so intensiv trainieren, wie ich wollte.“ Während der Australian Open hatte Federer noch gedacht, eine Lebensmittelvergiftung sei schuld an seiner schlechten körperlichen Verfassung. Als er aber bereits kurz darauf erneut für zehn Tage nicht trainieren konnte, begann er sich langsam Sorgen zu machen. Glücklicherweise konnte sein Körper aber relativ schnell wieder Antikörper produzieren, was meistens ein Zeichen dafür ist, dass man die Krankheit überstanden hat.

Mario Ancic

Etwas heftiger erwischt hat es den Kroaten Mario Ancic. Ebenfalls am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt, war er zu früh wieder auf die ATP-Tour zurückgekehrt. Letztlich ist gerade das der Fehler, den man nicht machen sollte. Mit der Belastung sollte erst wieder begonnen werden, wenn die Krankheit komplett ausgeheilt ist. Für Mario Ancic bedeutete die Krankheit schließlich das Karriereende mit 26 Jahren. Auch wenn bei ihm Rückenschmerzen und anhaltende Verletzungssorgen ebenfalls eine entscheidende Rolle spielten.

Robin Söderling

Seit dem 17. Juli 2011 hat der Schwede Robin Söderling kein Spiel mehr auf Profiebene bestritten. Er fühle sich ständig ausgepowert und somit viel zu schwach, um zu trainieren. Zwar hoffe er noch immer, irgendwann einmal auf die Tour zurückzukehren, doch wird es nach über zwei Jahren Abwesenheit enorm schwer.

Heather Watson

Der aktuellste Fall ist der von Heather Watson. Die junge Britin habe sich über Monate hinweg sowohl körperlich als auch mental extrem müde gefühlt. Inzwischen ist sie wieder auf die Tour zurückgekehrt und hat die Krankheit überwunden. Allerdings ist sie in der Weltrangliste aus den Top 100 gefallen und spricht heute von der schlimmsten Phase ihres Lebens. Schlaflose Nächte und depressive Phasen seien zur Normalität geworden. Es gab sogar Momente, da wollte sie den Tennisschläger ganz an den Nagel hängen.

Auch Justine Henin, Andy Roddick, Jelena Dokic und Philipp Petzschner litten während ihrer Karriere an der heimtückischen Viruserkrankung.(Foto: GEPA pictures)

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06.12.2013, 12:14 Uhr