tennisnet.com ATP › Grand Slam › US Open

Philipp Petzschner: „Bei den US Open habe ich gemischte Gefühle“

Vor 15 Jahren hat Philipp Petzschner and er Seite von Jürgen Melzer Doppel-Wettbewerb bei den US Open gewonnen. Im Interview mit tennisnet blickt der DTB-Bundestrainer zurück - aber im Sinner seiner Junioren auch nach vorne.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 11.09.2026, 23:35 Uhr

Philipp Petzschner verantwortet im DTB den männlichen Nachwuchs
© Jürgen Hasenkopf
Philipp Petzschner verantwortet im DTB den männlichen Nachwuchs

Philipp Petzschner hat 2011 gemeinsam mit Jürgen Melzer den Doppel-Titel bei den US Open geholt, als Bundestrainer der Junioren beim Deutschen Tennis Bund war ihm dies bei der aktuellen Ausgabe nicht beschieden. Denn Jamie Mackenzie musste sich gestern ja im Halbfinale dem US-Amerikaner Marcel Latak in zwei Sätzen geschlagen geben. Das Interview mit Philipp Petzschner hat indes schon davor stattgefunden.

Tennisnet: Herr Petzschner. Niels McDonald hat im vergangenen Jahr in Roland-Garros den Junioren-Titel geholt, Jamie Mackenzie war hier lange auf einem sehr guten Weg. Wie wichtig ist ein Sieg bei einem der Majors für junge Spieler?

Philipp Petzschner: Für die Spieler persönlich ist das sehr wichtig. Ich glaube aber nicht, dass ein Turnier in der Jugend eine ganze Karriere definiert. Von daher ist es für mich immer nur ein Schritt. Mir geht es darum, dass die Jungs sich einfach stetig weiterentwickeln. Einfach mal das Ganze hier kennenzulernen, so ein bisschen auch zu lernen, mit dem Druck rumzugehen, weil doch hier mehr Augen auf einen gerichtet sind als bei normalen Turnieren. Für mich ist es hier viel wichtiger, dass sie die Erfahrungen sammeln, auf solchen Plätzen zu spielen. Ich sehe das mehr als Lerneffekt, aber wenn nein Titel dabei rausspringt, ist das natürlich umso schöner. 

Tennisnet: Auffällig ist, wie viele körperlich kleine Spieler hier bei den Junioren am Start waren. Da kann man sich gar nicht vorstellen, dass die schon bald auf der ATP-Tour spielen wollen. Wie weit sind die meisten Teilnehmer vom Männertennis noch weg?

Petzschner: Ich glaube, man muss immer ein bisschen aufpassen, womit man die Jungs vergleicht. Jamie hat zum Beispiel im Finale beim Challenger in Bonn gespielt. Da hat er fünf Matches auf absolut höchstem Niveau bestritten. Best of Five ist natürlich immer was anderes. Da haben viele der 17-, 18-Jährigen einfach wirklich noch Probleme. Da brauchst du auch ein bisschen Erfahrung, wie du da dir einfach die Kräfte einteilst. Das haben die, die schon öfter die Erfahrung hatten, besser im Griff. Klar, körperlich fehlen denen einfach noch ein, zwei Jahre. Das sieht man auch bei vielen. Aber nichtsdestotrotz, zwei Jahre sind eine Menge Zeit.

Tennisnet: Wie sieht die Aufteilung im Deutschen Tennis Bund zwischen Ihnen und Davis-Cup-Chef Michael Kohlmann bei jenen Spielern wie etwa einem Max Schulhaus aus, der jetzt gerade den Übergang zum Männertennis vollzieht?

Petzschner: Ich bin immer wieder mal bei den Jungs mit dabei, habe in diesem Jahr auch schon ein paar Turniere mit den Jungs gemacht, versuche da immer noch den Kontakt gut zu halten. Offiziell ist genau jetzt der Übergang zwischen mir und Michael. Wir beraten uns viel, wo die Reise hingehen soll. Aber viele Spieler haben auch super Teams um sich herum. So wie Niels McDonald mit Good2Great und der Max Schönhaus auch mit Björn Simon und Hannes Haider. Wirklich gute Leute, die den Weg da sehr, sehr gut fortführen.

Philipp Petzschner und Jürgen Melzer mit der Siegestrophäe der US Open 2011
© Getty Images

Philipp Petzschner und Jürgen Melzer mit der Siegestrophäe der US Open 2011

Tennisnet: Kommen wir zu Ihnen. Sie haben hier vor 15 Jahren gemeinsam mit Jürgen Melzer den Doppel-Titel geholt. Gibt es dazu noch irgendwelche Hinweise auf der Anlage?

Petzschner: Tatsächlich war meine Mutter die letzten zwei Tage hier. Ich hätte gesagt, es hängt irgendwo eine Plakette von mir. Die war mal irgendwann in Ashe, wenn man beim Haupteingang reingegangen ist. Das ist jetzt nicht mehr so. Ich glaube, es hängt irgendwo was. Ich kann aber nicht sagen, wo.

Petzschner: „Sport nach Mitternacht ist nicht gesund“

Tennisnet: Sind die US Open jenes Major, zu dem Sie mit der größten Freude zurückkehren?

Petzschner: Tatsächlich ist das Australien, obwohl ich da nie gewonnen habe. Einfach von der ganzen Atmosphäre her freue ich mich immer gefühlt am meisten drauf. Hier ist es schon cool, hier habe ich echt super Erfahrungen, vor allem mit dem Doppelsieg mit dem Jürgen. Und im Arthur Ashe Stadium einmal gegen Djokovic gespielt zu haben, das ist echt ganz ordentlich. Hier hatte ich aber auch ein paar bittere Niederlagen in meinem Leben, von daher sind es immer so gemischte Gefühle. Trotz alledem ist dieses Turnier ist etwas ganz Besonderes. Wenn  man hier unten sitzt auf dem Outside-Court und dann hört, was da passiert, wenn Coco Goff den zweiten Satz im Ashe gewinnt - es ist so elektrisierend. Das gibt es, glaube ich, nirgendwo anders.

Tennisnet: Apropos gemischte Gefühle: Ein großes Thema war das Match zwischen Ben Shelton und Carlos Alcaraz, das großartiges Tennis gebracht hat. Aber eben auch ein Ende um etwa halb vier Uhr Früh. 

Petzschner: Ich würde sagen, für die Spanier war es super, weil da war es Frühstücksfernsehen. Aber klar: Die Zeiten sind unmenschlich. Ich verstehe den Faktor Entertainment. Aber mit diesen zwei verschiedenen Ticketverkäufen, gibt es das Problem, dass man dann eine Dreiviertelstunde zwischen den Matches braucht, um die Leute raus und wieder rein zu bekommen. Nur vor Shelton gegen Alcaraz war es ja auch etwas Besonderes: wie oft passiert das, das erste Match 7:6 im dritten und danach 7:6 im fünften und dann wieder drei Sätze und dann wird es halt irgendwann einfach tough. Ich finde nur: nach Mitternacht Sport zu treiben, das weiß ich persönlich selber von ein oder zwei Matches, ist nicht gesund. 

von Jens Huiber

Samstag
12.09.2026, 09:46 Uhr
zuletzt bearbeitet: 11.09.2026, 23:35 Uhr