Psychologie im Tennis, Teil 3 – Richtig lernen

Eine kleine Anleitung, wie man aus Niederlagen das Beste macht.

von Marco Kühn
zuletzt bearbeitet: 15.12.2016, 12:30 Uhr

Stan Wawrinka

Kein Mensch gibt gern Schwächen zu. Dies gilt nicht nur auf dem Tennisplatz, sondern ebenso in nahezu allen anderen Bereichen des Lebens. Keiner von uns möchte in einer Sache der Schlechteste sein - und das auch noch öffentlich. Der Antrieb, der daraus entsteht, nennt sich Wettkampf. Ein Kampf darum, der Beste zu sein, der man werden kann. Wer im Tennis richtig und aufrichtig lernen will, kann dies am besten durch Niederlagen tun. Jedes 2:6 und 1:6 macht einen Tennisspieler besser. Wenn er die Fähigkeit besitzt, aus diesem Match zu lernen und ehrlich sich selbst gegenüber zu sein.

Warum schnelles Abhaken falsch ist

"Komm, Schwamm drüber". Nach harten Niederlagen ist es für den Spieler leicht, das Ganze einfach abzuhaken und nicht weiter darüber nachzudenken. Ähnlich verhält es sich mit dem Kneipenbesuch, wenn die Freundin entschieden hat, in einem anderen Bett mit einem anderen Mann zu schlafen. Auch in solchen Fällen ist es der einfachste Weg, in die Kneipe zu gehen, Bier zu trinken und zu hoffen, dass morgen alles besser ist. Doch ist diese Verhaltensweise, die "Schwamm drüber"- Methodik, der falsche Weg.

Als Spieler muss man in seine heftigste Niederlage eintauchen. Mit klarem, sachlichen Verstand. Der Spieler darf sich nicht selbst in Schutz nehmen. Keine Schuld an äußeren Einflüssen wie Wind, Belag oder Zustand des Platzes suchen. Der erste Schritt dahin, richtig zu lernen, beginnt mit dem Annehmen der eigenen Verantwortung für alles, was auf dem Platz geschehen ist. Ohne dabei auch nur ein Auge zu verschließen.

Den Lerneffekt richtig nutzen

Alle Punkte des Spiels müssen analysiert werden. Angefangen bei der eigenen Einstellung, bis hin zur Taktik und einzelnen Ballwechseln. In welchen Momenten war der Spieler besonders schwach? Wann hatte der Gegner seine besten Momente? Wie sind diese starken Momente des Gegners entstanden? Der Spieler sollte sich eine schriftliche Liste mit den Dingen anlegen, die er aus einer Niederlage gelernt hat. Dort kann zum Beispiel stehen:

- nicht zu sehr ärgern

- mehr Konzentration beim zweiten Aufschlag

- nicht den Kopf zu sehr hängen lassen

- Taktik in bestimmten Situationen flexibler gestalten

Hat man eine solche Liste zusammen, muss der gewonnene Lerneffekt so schnell es möglich ist auch umgesetzt werden. Es bringt nichts, nur zu analysieren. Es müssen Taten folgen. Wenn ein Student ein Buch aufmerksam und gewissenhaft liest, das Wissen aber niemals umsetzt, hat ihm das Lesen des Buches nichts gebracht. Im Training kann der Spieler alle Punkte seiner aus der Niederlage gewonnen Liste hervorragend abarbeiten. Detailliert und erneut mit klarem Verstand. Die Arbeit eines Tennisspielers findet nicht nur mit dem Schläger auf dem Platz statt, sondern auch außerhalb des Platzes in seinem Kopf.

Der Spieler, der aus seinen Niederlagen das Meiste lernt und das Gelernte am besten umsetzt, wird sich schneller und effektiver verbessern als jeder andere Spieler, der seine Niederlagen ausschließlich abhakt.

Eine Analyse von Marco Kühn (tennis-insider.de).

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Donnerstag
15.12.2016, 12:30 Uhr