Psychologie im Tennis, Teil 2 – Nur der Moment zählt

Das vielzitierte Momentum kann man sowohl positiv als auch negativ beeinflussen.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 08.12.2016, 11:15 Uhr

LONDON, ENGLAND - NOVEMBER 20: Andy Murray of Great Britain celebrates a point during the Singles Final against Novak Djokovic of Serbia at the O2 Arena on November 20, 2016 in London, England. (Photo by Julian Finney/Getty Images)

Fast kein anderer Sport lebt so sehr im Moment wie Tennis. Ein Schlag, ein grandioser Winner – und ein Match kann komplett kippen. Man erinnere sich zurück an das Match vonJuan Martin del PotrogegenRoger Federerbeim US Open-Finale 2009. Federer spielte wie der sichere Sieger. Eine Vorhand aus dem Lauf heraus reichte del Potro, um das Momentum auf seine Seite zu ziehen und nicht mehr herzugeben. Bis zum Matchball, welcher ihm den bislang einzigen Grand-Slam-Titel seiner Karriere bescherte. Dies ist vielleicht eines der besten Beispiele, was für eine Macht ein Momentum im Tennis haben kann.

Solch ein Momentum kann auch vollkommen falsch genutzt werden. Ein leichter Fehler mit der Vorhand aus dem Halbfeld – und ein oder gar zwei ganze Aufschlagspiele werden abgeschenkt. Minutenlanges lamentieren ist meist die Folge. Man kennt die gestikulierenden Spieler, die in Selbstgesprächen gefangen sind. Man ärgert sich über einen leichten Fehler, verliert dadurch aber wesentlich mehr Punkte als nur diesen einen. Wenn die Konzentration nicht auf den nächsten Punkt gelegt wird, kann man ganz schnell das Match komplett aus den Händen verlieren. Als Spieler hat man dann das Gefühl, gar keinen Einfluss mehr auf das Geschehen auf dem Platz zu haben. Die Fähigkeiten des Gegners erscheinen übermächtig. Die eigenen Stärken geraten vollkommen in Vergessenheit.

Wie man den Moment am besten nutzt

Anstatt dem Frust zu lange freien Lauf zu lassen, müssen auf dem Tennisplatz unglaublich schnell Entscheidungen getroffen werden. Nicht nur während der Ballwechsel. Auch dazwischen. Statt Frust und Ärger walten zu lassen, sollte die Zeit genutzt werden, um die eigenen Optionen für den nächsten Punkt zu überdenken. Dabei muss man ehrlich zu sich selbst sein und seine eigene Situation genau einschätzen können. Diese Eigenschaft muss man trainieren wie die eigene Vor- oder Rückhand. Funktioniert der Kopf nicht, funktioniert auch die Vorhand nicht. Folgende Fragen helfen, den Durchblick auf dem Platz zu behalten, auch wenn es düster aussieht: Ist man derzeit in einem Tief während des Matches? Ist das Selbstvertrauen angekratzt? Wenn ja, wie kann ich dieses wiederfinden? Ist das Momentum gerade beim Gegner? Wie klaue ich ihm dieses wieder?

Sich selbst Fragen zu stellen, ist der effizienteste Weg, Frust und Ärger zu vermeiden. Nur sehr wenige Tennisspieler schlagen mehr Winner mit mehr Wut im Arm. Wut lenkt den Fokus ab. Fokus wiederum ist wichtig, um die Konzentration für die verschiedenen Ebenen in einem Match zu finden.

Fragen sind der Asphalt, mit dem man sich die Straße zum Momentum baut.

von tennisnet.com

Donnerstag
08.12.2016, 11:15 Uhr