Sam Stosur und der Australien-Fluch: Zumindest "kein totales Desaster"
Und jährlich grüßt das Murmeltier. Die 34-Jährige kann in ihrer Heimat einfach nicht erfolgreich spielen. Auch in ihrer Geburtsstadt Brisbane kam für den Publikumsliebling das frühe Aus - mal wieder.
von Ulrike Weinrich
zuletzt bearbeitet:
02.01.2019, 10:42 Uhr

"Grand Sam" - den Namen hatten die Australier ihrer "Sammy" nach ihrem US-Open-Triumph 2011 verliehen. Damals im September hatte Stosur überraschend das Finale von Flushing Meadows gewonnen. Gegen keine Geringere als Serena Williams übrigens.
Eine Volksheldin, sympathisch und bodenständig, war geboren. Doch die Modellathletin, deren Eltern Tony und Dianne sie 2018 auf etlichen Turnieren (Mallorca, Eastbourne, Wimbledon) begleitet hatten, konnte die Erwartungen ihrer Landsleute nie so recht erfüllen - zumindest was die Auftritte in der Heimat betrafen.
Keine Erklärung für den jahrelangen Heimkomplex
Bei den Australian Open, den US Open in Sachen Belag und Bälle sehr ähnlich, kam Stosur nach ihrem New-York-Coup nur noch einmal in die dritte Runde - zuletzt gab es drei Erstrunden-Pleiten in Serie. Als Geheimfavoritin hatten viele die Topspin-Spezialistin stets auf ihrem Zettel.
"Klar, die Erwartungen an mich waren und sind in Melbourne immer besonders groß. Der Druck ist da, keine Frage", sagte Stosur gebetsmühlenartig nach jeder frühen Niederlage - eine Erklärung für ihren Heimkomplex fand sie aber nie. Viele unkten: Die Nerven der Kick-Aufschlägerin seien eben nicht die allerbesten.
"Ich bin happy mit einigen Dingen, die ich da draußen auf dem Court gezeigt habe"
Der böse Fluch setzte sich auch zu Beginn dieser Saison fort. Ihr erstes Match des neuen Tennis-Jahres verlor die ehemalige Nummer vier der Welt in ihrer Geburtsstadt Brisbane mit 6:4, 2:6, 2:6 gegen die Weltranglisten-139. und Qualifikantin Maria Bouzkova (Tschechien).
Vor allen Dingen in den Grundschlägen fehlte der Favoritin die Konstanz. Das Problem: Bei ihrer extremen Griffhaltung, die den Stosur'schen Spin ermöglichen, muss die Rechtshänderin von der Gold Coast optimal stehen und den Ball exakt treffen.
"Es ist kein totales Desaster", sagte die French-Open-Finalistin von 2010 nach dem Fehlstart.. Im WTA-Ranking wird sie nur noch an Position 74 geführt - als viertbeste Australierin.
Und Stosur versuchte vor ihrer vielleicht letzten Saison, die positiven Dinge ihrer Niederlage in ihrem 1000. Profimatch mitzunehmen.
"Ich bin happy mit einigen Dingen, die ich da draußen auf dem Court gezeigt habe. Ich habe das Gefühl, als hätte ich trotzdem einen Schritt in die richtige Richtung gemacht", betonte die 34-Jährige, die nun beim Turnier in Sydney (ab 7. Januar) ihr Glück versuchen will.
Der alte Coach Nick Watkins als Hoffnungsträger
Ihre Bilanz in Brisbane konnte sie jedenfalls nicht aufpolieren. In neun Anläufen kam "Sammy" nie über die zweite Runde hinaus. Dabei war Stosur voller Zuversicht in die neue Spielzeit gestartet.
Mit der Verpflichtung ihres alten Coaches Nick Watkins wollte sie noch einmal alles daran setzen, an vergangene Erfolge anzuknüpfen. Dazu bleibt freilich noch genügend Zeit in den kommenden Monaten.
Dass Stosur allerdings diejenige sein wird, die beim Heim-Major für den ersten australischen Einzel-Triumph seit Chris O’Neil 1978 sorgt, daran glauben selbst die größten Optimisten nur noch in ihren kühnsten Träumen.
Der WTA-Tour aber würde es gut zu Gesichte stehen, wenn sie noch einige Zeit zum Wanderzirkus zählen würde.
