Schräg, schiefer, Medvedev: Wie seine irre Technik die Tour aufmischt
Daniil Medvedev spielt anders als alle anderen, darin ist sich die Tenniswelt einig. Seine ungewöhnliche Technik macht ihn aber auch gefährlich.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
28.03.2026, 18:59 Uhr

Während Generationen von Trainern eine saubere Technik predigen, stellt Daniil Medvedev dieses Prinzip auf den Kopf. Doch trotz seiner ungewöhnlichen Bewegungen und seines unorthodoxen Stils konnte er sich in der Ära der Big Three etablieren und lehnt sich nun auch gegen die neue Dominanz von Carlos Alcaraz und Jannik Sinner auf. 23 Titel (inklusive eines Grand-Slam-Sieges) sprechen für sich.
“Schläge sehen aus wie ein Überlebenskampf!”
Star-Coach Patrick Mouratoglou hat – wie zu vielem – auch dazu eine Meinung. Schließlich trainiert Medvedev seit Jahren an seiner Akademie an der Côte d'Azur. Seine Beobachtung: “Was bei Medvedev wie Improvisation aussieht, ist in Wahrheit hochfunktional. Er erzeugt Geschwindigkeit aus scheinbar unmöglichen Lagen und zwingt Gegner dazu, sich ständig neu anzupassen.Seine Schläge sind darauf ausgelegt, in jeder Situation eine Lösung zu haben, egal ob der Ball flach kommt, hohes Tempo hat oder ob Medevedev selbst aus defensiver Position agiert.”
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Unberechenbar und unbequem
Ein weiterer Faktor sei laut Mouratoglou Medvedevs Position auf dem Court. Medvedev stehe oft extrem weit hinter der Grundlinie, wodurch er Aufschläge neutralisiere und Ballwechsel derart in die Länge ziehe, bis der Gegner die Geduld verliert. “In Kombination mit seiner flachen, schnellen Schlagtechnik entsteht damit ein Spielstil, der die Gegner zermürbt. Viele wissen nicht, wie sie gegen ihn Punkte erzwingen sollen – und genau darin liegt seine größte Stärke”, so Mouratoglou.
Paradox des Erfolgs
“Medvedevs Spiel sollte kaum jemandem als Vorbild dienen”, schließt Mouratoglou seine Überlegungen. “Der Stil ist unnachahmbar und passt genau auf einen Spieler: auf Medvedev selbst.” Dennoch könnten Hobbyspieler daraus lernen, dass es am Ende beim Tennis eben doch nicht um die Ästhetik, sondern um die Effizienz geht. “Ein Stil kann ‘falsch’ (im Sinne von ”nicht dem Lehrbuch entsprechend") aussehen", sagt Mouratoglou, “aber am Ende zählt, ob man damit Matches gewinnt.”
