Simone Vagnozzi: „Wir müssen mit diesen Episoden bei Jannik leben“
Mit dem Triumph in Wimbledon konnte Jannik Sinner seinen bereits fünften Grand-Slam-Titel einfahren. Bei den French Open blieb dem Südtiroler allerdings der vorzeitige Karriere-Slam durch einen körperlichen Einbruch verwehrt. Eine einfache Erklärung für diese immer wiederkehrenden körperlichen Probleme hat auch sein Coach Simone Vagnozzi nicht.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
29.07.2026, 06:31 Uhr

Mehr Favoritenrolle als für Jannik Sinner bei den vergangenen French Open ging eigentlich kaum. Nach dem erfolgreichen Sunshine-Double sicherte sich der 24-Jährige auch den Titel bei den drei Sandplatz-Masters-Turnieren in Monte Carlo, Madrid und Rom und schien damit bestens gerüstet für den erstmaligen Triumph in Roland Garros zu sein. Doch bekanntlich kam es anders, als der Südtiroler in der zweiten Runde gegen den Argentinier Juan-Manuel Cerundolo bei nur noch einem zu gewinnenden Spiel einen kompletten körperlichen Einbruch erlitt und die Partie in fünf Sätzen noch abgeben musste.
Es war auch nicht das erste Mal, dass Sinner bei hohen Temperaturen große Probleme bekam. So musste er im vergangenen Jahr bei der Verteidigung seines Masters-Titels in Shanghai in der dritten Runde wegen Krämpfen vorzeitig aufgeben. Auch am Ort seiner größten Triumphe in Australien taumelte der Weltranglistenerste schon öfters. So musste er 2025 auf dem Weg zu seinem Titelgewinn im Achtelfinale gegen Holger Rune eine 11-minütige Auszeit nehmen, ehe er sich wieder fangen konnte. Auch bei der diesjährigen Ausgabe des ersten Majors hatte er in seiner Drittrunden-Partie gegen Eliot Spizziri mit Krämpfen zu kämpfen.
Als komplexeren Sachverhalt sieht sein Coach Simone Vagnozzi diese Phasen im Interview mit dem Corriere della Sera: „In Paris herrschten extreme Temperaturen und er reiste mit einer erheblichen körperlichen und mentalen Belastung an. Die kleinen Einbrüche, die er erlebt hat, sind das Resultat vieler kleiner Faktoren, die zusammenkommen – doch man darf nicht vergessen, dass es sich dabei um insgesamt vier Vorfälle in den letzten fünf Jahren handelt.“
Eine schnelle Lösung für diese Problematik sieht der italienische Coach aber nicht: „Die Hitze, die Müdigkeit und die Anspannung können zusammenwirken. Es gibt nicht nur diesen einen Faktor – wäre das der Fall, ließe sich das Problem leichter beheben. Wir müssen lernen, mit diesen Episoden zu leben, und daran zu arbeiten, sie zu vermeiden.“
Das große Plus sieht Vagnozzi jedoch in der unermüdlichen Einstellung seines Schützlings: „Jannik ist auch in dieser Hinsicht etwas Besonderes. Es sagt sich: ‚Ich bringe große Opfer, ich gebe meine Jugend für diesen Sport auf – da kann ich unmöglich aufgeben‘. Solche Spieler haben das Gefühl, stärker zu sein als andere und wollen dies auch unter Beweis stellen. Genau das verleiht ihnen die Kraft, stets zu reagieren und selbst bei einem hohen Rückstand nicht aufzugeben.“
