Spieler-Aufstand in Paris: Droht jetzt der Medien-Boykott bei den French Open?
Es gibt neue Gerüchte rund um den Grand-Slam-Boykott: Die Spieler planen nun angeblich einen koordinierten Medien-Protest gegen die ihrer Meinung nach unfair verteilten Preisgelder.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
20.05.2026, 18:03 Uhr

Wie die französische Sportzeitung L’Équipe berichtet, wollen viele Profis ihre Pressekonferenzen am traditionellen Media Day vor Turnierbeginn auf gerade einmal fünfzehn Minuten begrenzen. Die Aktion richtet sich direkt gegen die Organisatoren von Roland Garros und die vier Grand Slams insgesamt.
Der zentrale Vorwurf: Die Spieler würden trotz steigender Einnahmen einen immer kleineren Anteil am wirtschaftlichen Erfolg erhalten. Laut Spielervertretern soll der Anteil der Preisgelder an den Gesamteinnahmen in Paris inzwischen nur noch bei rund vierzehn Prozent liegen. Dies ist deutlich weniger als bei vielen ATP- und WTA-1000ern, wo etwa 22 Prozent üblich sind.
Sabalenka und Sinner machen Druck
Vor allem Aryna Sabalenka zählt inzwischen zu den lautesten Stimmen der Bewegung. Die Weltranglistenerste hatte zuletzt sogar einen generellen Boykott der Grand Slams angedeutet, falls sich an der Verteilung nichts ändern sollte. Unterstützung bekommt sie unter anderem von Coco Gauff, Jannik Sinner und zahlreichen weiteren Topspielern der WTA- und ATP-Tour.
Die Argumentation der Profis ist simpel. Ohne die Spieler gäbe es keine TV-Deals, keine ausverkauften Stadien und keine globale Vermarktung. Zwar erhöhte Roland Garros als Reaktion auf den Protest der Spieler das Preisgeld für 2026 auf insgesamt 61,7 Millionen Euro, doch die Profis verweisen darauf, dass die Turnierumsätze noch deutlich stärker gestiegen seien.
FFT kontert: “Spieler kassieren bereits massiv”
Die französische Tennisföderation reagierte ungehalten auf die Protestpläne. In einem offiziellen Statement bedauerte die FFT die Initiative und verwies darauf, dass nicht nur die Spieler, sondern auch die Medien, die Sponsoren und die Veranstalter zum Erfolg des Turniers beitragen würden.
Zudem argumentiert die FFT, dass Profis zusätzlich enorme indirekte Einnahmen generieren würden – etwa über Sponsorenverträge oder Antrittsgelder. Außerdem würde man diesmal besonders Spieler in den frühen Runden stärker unterstützen: Für Qualifikanten und Erstrunden-Verlierer wurden die Preisgelder laut Verband um mehr als elf Prozent angehoben.
Millionäre ohne Realitätssinn?
Die Diskussion sorgt allerdings auch außerhalb der Tennisszene für Kopfschütteln. Schließlich sprechen viele Stars über angeblich „ungerechte“ Einnahmen, obwohl einzelne Topspieler pro Saison längst zweistellige Millionenbeträge kassieren. Sabalenka etwa verdiente allein im vergangenen Jahr über elf Millionen Pfund an Preisgeld, Jannik Sinner über neunzehn.
Das ist wohl der entscheidende Punkt: Mehr Geld für die absolute Spitze dürfte nur schwer vermittelbar sein. Wenn überhaupt, müsste ein größerer Anteil künftig bei jenen Profis landen, die Woche für Woche um ihre Reisekosten kämpfen und nicht bei den Stars im Privatjet.
