Tennis ohne Stars: "Dann hat die Tour ein Problem!"
Die Verletzungsserie im Tennis nimmt bedenkliche Ausmaße an. Im Zuge der US Open meldet sich nun auch die ehemalige Tennisspielerin Marion Bartoli zu Wort.
von Isabella Walser-Bürgler
zuletzt bearbeitet:
02.09.2026, 15:03 Uhr

Die Saison 2026 könnte in den Annalen des Tennissports möglicherweise auch als die “verfluchte” Saison eingehen. Grund dafür sind die unzähligen Langzeitverletzungen zahlreicher Topspieler. Mit Jannik Sinner und Carlos Alcaraz fehlten in der laufenden Saison sogar die beiden größten Magnete der aktuellen Spielerriege immer wieder. Die einstige Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf gegeben.
Der Faktor Belag
Der Beschaffenheit des Untergrunds könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Auf langsameren Hartplätzen verpufft der Vorteil eines starken Aufschlags zunehmend. Die Ballwechsel werden länger und die Spieler müssen vermehrt über ihre Grundschläge gehen. Dadurch werden vor allem Schultern und Arme stärker belastet.
Auch die Entwicklung der verschiedenen Beläge hat das Spiel verändert. Rasen gilt zwar weiterhin als die schnellste Oberfläche, doch selbst Wimbledon stellte bereits 2001 auf Perennial Ryegrass um, um das aufschlaglastige Spiel einzudämmen und längere Ballwechsel zu fördern. Gleichzeitig sind Teppichplätze mittlerweile zur Gänze aus dem Profizirkus. Somit wird Tennis über weite Strecken körperlich immer intensiver.
Dazu kommt das Ball-Problem
Nicht jeder Ball ist gleich. In Wimbledon wird zum Beispiel mit Slazenger gespielt, bei den Australian Open mit Dunlop, auf den nordamerikanischen Hartplätzen mit Wilson. Für Spieler, die ihre Saison auf bestimmte Bedingungen abstimmen, bedeutet der ständige Wechsel eine zusätzliche Belastung (unter anderem auch für das Handgelenk, wie zuletzt auch Carlos Alcaraz feststellen musste). Spieler wie Daniil Medvedev oder Stefanos Tsitsipas haben sich in der Vergangenheit wiederholt über die schweren Bälle beschwert.
„Ohne Spieler haben wir keine Tour“
Zwölf Spieler mussten von den aktuellen US Open auf der Männerseite zurückziehen, darunter auch die Nummer eins der Welt, Jannik Sinner. Sein größter Rivale Carlos Alcaraz hatte zuvor verletzungsbedingt unter anderem die French Open und Wimbledon verpasst. Für Marion Bartoli sind diese Ausfälle ein Warnsignal, das die Verantwortlichen der Tour nicht ignorieren dürften.
„Das Problem ist, dass die Beläge immer langsamer werden, die Bälle aber extrem schwer sind“, sagte die Französin bei Sky Sports. Ihre Forderung lautete daher: Entweder müssen die Courts wieder schneller oder die Bälle leichter werden. Denn: „Ohne Spieler haben wir keine Tour.“ Wenn Sinner, Alcaraz und weitere Topstars dauerhaft ausfallen, habe der Tennissport irgendwann schlicht zu wenig Anziehungskraft für die breite Masse.
