Die denkwürdigsten deutschen Damen-Matches – Platz 5

Steffi Graf entthronte Rasenkönigin Martina Navratilova und gewann im Jahr 1988 zum ersten Mal in Wimbledon.

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 15.12.2014, 08:45 Uhr

Vom 1. bis 24. Dezember präsentierttennisnet.comeine redaktionelle Bestenliste und kürt die zwölf denkwürdigsten deutschen Matches bei den Damen und Herren. Für die Wertung wurde nicht nur der Spielverlauf und die Dramatik, sondern auch die historische Bedeutung der Matches berücksichtigt. In unseremtennisnet.com-Adventskalenderwerden wir bis Heiligabend abwechselnd ein Türchen bei den Damen und Herren öffnen. Wir wollen euch damit die tennisfreie Weihnachtszeit etwas versüßen. Getreu dem Motto „Ladies first“ haben die Damen immer den Vorrang. Die Herren ziehen dann nach.

Die denkwürdigsten deutschen Damen-Matches: Platz 5

Steffi Graf – Martina Navratilova (USA) 5:7, 6:2, 6:1

(2. Juli 1988 in London – Finale Wimbledon)

Die Vorgeschichte:

Im Jahr 1987 wurde die Wachablösung im Damentennis vollzogen. Steffi Graf stürzte Martina Navratilova nach insgesamt 332 Wochen an der Weltranglistenspitze vom Thron. In Wimbledon war Navratilova allerdings noch die uneingeschränkte Herrscherin. Die US-Amerikanerin war drauf und dran, Geschichte zu schreiben und griff nach ihrem neunten Wimbledontitel, den siebten in Serie. 1988 kam es im Endspiel zur Neuauflage des Vorjahresfinals gegen Graf. Die Deutsche hatte das Finale ein Jahr zuvor in zwei Sätzen verloren. Doch im Jahr 1988 waren die Vorzeichen anders. Graf war in jenem Jahr die uneingeschränkte Dominatorin im Damentennis und strebte Historisches an. Sie hatte bereits die Australian Open und French Open gewonnen und wollte nun auch ihren ersten Titel in Wimbledon holen.

Das Match:

Für Graf lief im Finale zunächst alles nach Plan. Sie führte im ersten Satz mit 4:2, als sie dann ein Zeichen ihres Vaters, der auf der Tribüne saß, falsch interpretierte. Sie schlug in der Folge ihren ersten Aufschlag wie einen zweiten und spielte damit Navratilova mit ihrem Offensivtennis in die Karten. Die US-Amerikanerin sicherte sich den ersten Satz mit 7:5 und führte auch im zweiten Satz mit 2:0, ehe Graf in ihrer letzten Hoffnung einen Schlägerwechsel durchführte. „Was ich erzähle, klingt wie ein Märchen, aber es ist wahr. Ich nahm nämlich einen kaputten Schläger. Seit Wochen schon war da ein merkwürdiges Rascheln oben im Schlägerkopf. Splitter im Hohlraum, von einem Schlag auf dem Boden wahrscheinlich. Ich wusste nicht, warum ich diesen Schläger nahm. Einfach so. Die letzte Hoffnung“, schrieb Graf nach dem Finale in ihrer „Bild“-Kolumne. Und es funktionierte tatsächlich. Graf spielte fortan wie aus einem Guss. „Das gute Stück war weicher bespannt – und weckte mich auf. Die Beine gehorchten wieder, die Schläge, der Ball. Martinas Stopps waren teuflisch. Aber ich kam ran“, sagte Graf, die Navratilova nur noch ein Spiel überließ. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 3:1 im dritten Satz konnte die Deutsche auf dem Weg zum Wimbledontitel nicht stoppen. Graf wurde nach Cilly Aussem im Jahr 1932 die zweite deutsche Wimbledonsiegerin.

Die Auswirkungen:

Graf konnte ihr Glück kaum in Worte fassen. „Was dann kam, weiß ich nicht mehr so genau. Ich weiß nur, ich schrie, warf den Schläger in die Ränge. Ich redete mit der Herzogin von Kent, weiß aber nicht mehr, was sie sagte, was ich antwortete. So ein Gefühl hatte ich nach einem Sieg noch nie.“ Der Erfolg auf dem „Heiligen Rasen“ überstrahlte alles, was Graf bislang in ihrer Karriere erreicht hatte. „Der Sieg bedeutet mir noch mehr als der erste Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier im vorigen Jahr in Paris. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich noch mehr freuen kann“, strahlte Graf bei der Siegerehrung. Die Deutsche gewann damit im Jahr 1988 auch das dritte Grand-Slam-Turnier und vervollständigte zwei Monate später den„Golden Slam“– eine bislang einzigartige Leistung im Tennis.

Die denkwürdigsten deutschen Damen-Matches im Überblick:

Platz 6: Steffi Graf - Jana Novotna

Platz 7: Steffi Graf - Martina Navratilova

Platz 8: Sabine Lisicki - Serena Williams

Platz 9: Steffi Graf - Anke Huber

Platz 10: Anke Huber - Martina Navratilova

Platz 11: Sylvia Hanika - Martina Navratilova

Platz 12: Angelique Kerber - Petra Kvitova

(Text: cab)

von tennisnet.com

Montag
15.12.2014, 08:45 Uhr