Fast4 Tennis – Das Format der Zukunft?

Mit dieser Zählweise könnten Fünf-Satz-Matches nur noch 90 Minuten dauern. Ist das Profitennis bereit für eine Regelreform?

von tennisnet.com
zuletzt bearbeitet: 21.09.2016, 16:23 Uhr

SYDNEY, AUSTRALIA - JANUARY 11: Lleyton Hewitt serves during the FAST4Tennis exhibition match between Rafael Nadal and Lleyton Hewitt at Allphones Arena on January 11, 2016 in Sydney, Australia. (Photo by Zak Kaczmarek/Getty Images)

Die Frage nach der Spielzeit im Tennis erhitzt immer wieder die Gemüter. Für die Traditionalisten gibt es nichts Schöneres als stundenlange Marathon-Matches im Stile desAustralian-Open-Endspiels von 2012. Damals duellierten sichRafael NadalundNovak Djokovicin einem legendären Abnutzungskampf über 5 Stunden und 53 Minuten. Nicht jeder Tennisfan ist allerdings begeistert davon, so lange vor dem Fernseher zu sitzen, meint Jamie Reynold. „Wollen wir das wirklich? Ich halte das nicht für ideal“, sagt der stellvertretende ESPN-Produktionschef gegenüber „tennis.com“. Der Fernsehmacher plädiert daher für eine Zeitbeschränkung auf 90 Minuten.

In der Kürze liegt die Würze!?

Was sich zunächst nach einer Utopie anhört, wurde längst erprobt.Im Januar 2015 bestritten Roger Federer und Lleyton Hewitt in Sydney (Australien) einen Schaukampf, den der Schweizer mit 4:3 (5:3), 2:4, 3:4 (3:5), 4:0 und 4:2 in anderthalb Stunden Spielzeit für sich entscheiden konnte. Das Ergebnis ist kein Druckfehler, sondern entspricht dem Format Fast4 Tennis, welches der australische Tennisverband 2014 erstmals ausprobierte. Bei dieser Spielform gibt es keine „Let“-Regel, sodass ein Aufschlag nicht wiederholt wird, wenn er die Netzkante berührt und ins Feld springt. Zudem wird mit der „No-Ad“-Regel, also ohne Vorteil nach Einstand, gespielt. Außerdem benötigt man nur vier Spiele zum Satzgewinn – bei 3:3 gibt es einen Tiebreak, der verkürzt bis fünf gespielt wird. Das Format, welches die übliche Spielzeit halbieren soll, sorgte damals für große Begeisterung unter den Zuschauern.

Bis auf gewisse Einschränkungen in den Doppel-Wettbewerben wird im Profitennis weiterhin die traditionelle, mittlerweile 139 Jahre alte Zählweise angewendet. Deutlich aufgeschlossener gegenüber Reformen des Spielformats zeigt sich das US-Nachwuchs- und -College-Tennis. „Wir wissen, dass die Leute nicht unendlich viele Stunden zum Spielen zur Verfügung haben. Deshalb müssen wir das Zeitfenster für Tennis abkürzen“, sagt Jeff Waters vom US-Tennisverband USTA. Im College-Tennis habe man deshalb bereits einige Regeländerungen eingeführt, um die Spielzeit zu verkürzen: „Super-Tiebreaks“ ersetzen den dritten Satz, die „No-Ad“-Regel kommt zur Anwendung und auch die Einspielphase gehört der Vergangenheit an.

Funktionieren Nachwuchskonzepte auch bei den Profis?

Auch im Jugendbereich wird im US-Verband seit mehr als 15 Jahren mit alternativen Spielformaten gearbeitet. „Das traditionelle Denken sollte weg. Deshalb war es unser Ziel, die Kinder 90 Minuten gegeneinander antreten zu lassen“, erklärt USTA-Mann Jeff Brack. Die Zeitbegrenzung habe sich positiv ausgewirkt, „die Kids hatten mehr Spaß, waren freundlicher zueinander und lernten sich besser zu fokussieren.“ Zudem ist jeder vom ersten Punkt an voll gefordert – die Formel sei nichts für Langsam-Starter. Sehen wir vergleichbare Konzepte bald auch auf der Profi-Tour?

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