Thiem-Manager Herwig Straka - "Das würde Krieg mit Roger Federer bedeuten“

Im Rahmen der Bekanntgabe des Austragungsortes der Davis-Cup-Begegnung zwischen Österreich und Uruguay (6. und 7. März 2020 in Premstätten) nahm sich der Manager von Dominic Thiem, Herwig Straka, ein paar Minuten Zeit für tennisnet.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 14.12.2019, 12:50 Uhr

Herwig Straka am Freitag in Premstätten
© GEPA Pictures
Herwig Straka am Freitag in Premstätten

tennisnet: Herr Straka. Sie haben das Davis-Cup-Finalturnier als die Champions League im Tennis bezeichnet. Wie hat Ihnen die Premieren-Ausgabe in Madrid gefallen?

Herwig Straka: Ich war leider selber nicht vor Ort, habe aber natürlich mit vielen Leuten gesprochen, die mir davon berichtet haben. Es war so, wie wir es erwartet haben, nämlich in Sachen Zuschauer sehr herausfordernd. Ein Finalturnier mit 18 Nationen wird zumeist an der Heim-Nation und maximal zwei, drei anderen aufgehängt werden. Es war insofern gut, dass Spanien gewonnen hat. Ob das Format langfristig Bestand haben wird, bezweifle ich. Es ist dennoch der Höhepunkt der ITF und deshalb auch die Champions League. Auf der ATP Tour haben wir natürlich viele andere Höhepunkte. Für ein nationales Team ist es also das Wichtigste, sich für dieses Finalturnier zu qualifizieren. Aber es gab zurecht Kritik an den Spielansetzungen. Und die Anlage ist nicht geeignet für ein Turnier im Winter.

tennisnet: Ein besserer Termin wäre die Zeit nach den US Open. Da aber veranstaltet Roger Federer den Laver Cup. Sehen Sie hier mittelfristig eine Lösung?

Straka: Es gibt ja Woche, in denen die ITF ein Vorrecht hat. Sie könnten den Davis Cup dort ansetzen. Das würde aber definitiv Krieg mit Roger Federer bedeuten. Soweit ich weiß, wird Federer diesen Termin nicht aufgeben. Als ATP Board Member kann ich sagen, dass wir schon eine Zusammenarbeit mit der ITF anstreben. Weil es ziemlich klar ist, dass wir zwei große Team-Wettbewerbe auf Dauer nicht werden halten können. Ich glaube nach wie vor, dass die erste Woche im Kalender die allerbeste ist. Auch wenn es vielleicht seltsam anmutet, dass man das Jahr mit einem Finale beginnt. Aber das ist der einzige Termin im ganzen Jahr, an dem die Spieler verfügbar sind und auch gerne spielen. Und man muss sich nach den Spielern richten.

tennisnet: Nun steht genau zu diesem Termin, nämlich Anfang 2020, erstmals der ATP Cup an. Vertrauen Sie dem australischen Publikum mehr als jenem beim Davis-Cup-Finalturnier?

Straka: Absolut. Die Tennisbegeisterung in Australien ist extrem groß. Natürlich in Spanien auch. Aber wir sprechen von einem Kontinent, auf dem nur ein Monat pro Jahr gespielt wird. Da sind die Fans richtig gierig auf Tennis. Wir sprechen aber nicht nur von Australien, sondern von ganz Asien. China, Japan, Indien - ein riesiges Einzugsgebiet. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das voll bekommen werden.

tennisnet: Wie zuversichtlich dürfen die österreichischen Tennisfans sein, dass Dominic Thiem im kommenden Jahr im Davis Cup spielt?

Straka: Im Finale wäre Dominic auf jeden Fall dabei. Wenn wir uns die aktuelle Planung anschauen, wird es mit Premstätten gegen Uruguay schwierig werden. Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, dann wird er spielen.

Sympathie zwischen Muster und Thiem

tennisnet: Geplant sind nach den Australian Open Buenos Aires und Rio de Janeiro. Ist ein Start in Acapulco ganz vom Tisch?

Straka: Unser Plan ist es, weniger Turniere zu spielen. Acapulco ist eines jener Events, das dem zum Opfer fällt. Aber auch da muss man zuerst einmal schauen, wie Dominic spielt. Im Moment ist er sehr gut drauf.

tennisnet: Das werden wir hoffentlich auch beim ATP Cup sehen. Wo ja Thomas Muster der österreichische Kapitän sein wird. In London hat Muster gesagt, dass man über eine weitere Zusammenarbeit reden würde.Wie ist denn da der aktuelle Stand?

Straka: Die nächsten Gespräche werden in Australien stattfinden. Es gibt eine Sympathie von beiden Seiten für eine Lösung, aber es würde ja auch bedeuten, dass der Thomas einige Wochen unterwegs sein müsste. Das klären wir gerade ab. Und wir kennen ihn ja: Wenn er etwas macht, dann immer mit vollem Committment. Und das müssen dann auch der Dominic und Nicolas Massu wollen. Der nicht in Frage steht. Wenn, dann geht es nur darum, ein paar Spitzen zu setzen. Damit Dominic noch erfolgreicher wird.

tennisnet: Richtig oder falsch - in der Wiener Stadthalle, wo Thomas Muster neben Ihnen in der Box gesessen ist, hat er bei den Matches von Dominic Thiem schon mitgecoacht?

Straka: Er hat mit mir viel gesprochen. Und auch reingesprochen. Ich habe Dominic danach gefragt, ob das auch bei ihm angekommen ist. Das war der Fall. Aber klarerweise ist seine Referenz nach wie vor die Bank mit Nicolas Massu und Wolfgang Thiem gewesen. Aber wenn man neben Thomas Muster sitzt und mitbekommt, was der alles so sieht in einem Match, dann gibt es da in jedem Fall großes Potenzial.

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von Jens Huiber

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zuletzt bearbeitet: 14.12.2019, 12:50 Uhr

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