Trotz „Fery Tale“ – Judy Murray kritisiert Talentförderung
In Wimbledon feiern die britischen Tennisfans aktuell den Sensationslauf von Lokalmatador Arthur Fery, der sich als Nr. 114 der Welt mit einer Wildcard ausgestattet bis ins Viertelfinale spielen konnte. Nicht von dessen Erfolg blenden lassen will sich dagegen Judy Murray, die aufgrund des schwachen Abschneidens der restlichen britischen Spielerinnen und Spieler die Nachwuchsförderung der LTA an den Pranger stellt.
von Dietmar Kaspar
zuletzt bearbeitet:
08.07.2026, 09:30 Uhr

Mehr als gedämpft waren die Erwartungen der britischen Fans für das Turnier in Wimbledon, als die beiden Aushängeschilder Jack Draper und Emma Raducanu kurzfristig aufgrund von Verletzungen ihren Start absagen mussten. Umso größer natürlich die Euphorie, dass mit dem unweit der Anlage in London aufgewachsenen Arthur Fery durch seinen sensationellen Lauf ins Viertelfinale ein Lokalmatador in die Bresche sprang. Einen ungeschönten Blick auf die aktuelle Situation im britischen Tennis hat dagegen Judy Murray, die sich nicht nur als fundierte Übungsleiterin einen Namen machte, sondern ihre Söhne Andy im Einzel und Jamie im Doppel an die Spitze der Weltrangliste führte.
Trotz der Freude über die spektakulären Erfolge des 23-Jährigen Fery sieht die Schottin den Verdienst nicht überwiegend beim britischen Tennisverband, wie sie auf dem Kurznachrichtendienst X zum Besten gab: „Eine großartige Aufholjage von Arthur Fery. Doch er ist, wie so viele britische Profispieler, ein Produkt des amerikanischen College-Systems.“
Ein Hauptpunkt ihrer Kritik setzt dabei an, dass dem Verband trotz der vorhandenen finanziellen Mittel der Übergang der jungen Talente zu den erwachsenen Profis nicht ausreichend gelingt: „Was würde mit dem Förderweg der LTA geschehen, sollte das US-College-System eines Tages wegfallen? Denn ihr derzeitiges Fördersystem endet im Grunde mit 18 Jahren.“ Bestätigt sieht sich die Erfolgsmutter im Abschneiden der restlichen Spieler von der Insel. Während bei den Damen mit Katie Swan gerade mal eine von acht Spielerinnen den Einzug in die zweite Runde schaffte, liest sich die Bilanz bei den Herren mit Jan Choinski und Jacob Fearnley neben Fery bei drei aus elf nur unwesentlich besser.
Mit dem desaströsen Abschneiden der britischen Juniorinnen und Junioren beim Komplettausfall mit elf Erstrundenniederlagen stellt Murray gar die generelle Ausrichtung der britischen Förderung in Frage: „Sechs Jungs, fünf Mädchen. Unglaublich enttäuschend. Der eingeschlagene Weg ist fehlerhaft. Orientiert euch am italienischen Modell. Investiert in Vereine und Trainer, nicht in zentralisierte Systeme.“
Hier das Einzel-Tableau der Herren aus Wimbledon
Her das Einzel-Tableau der Damen aus Wimbledon
