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Turnierchef Patrik Kühnen im Interview: "Die BMW Open sind für Sascha Zverev wie Heimkommen"

Niemand liebt den Tennissport mehr als Patrik Kühnen, der Turnierdirektor der BMW Open by Bitpanda. Eine Woche vor Turnierbeginn gibt der Ex-Profi und Davis-Cup-Champion und Kapitän im Interview mit tennisnet ein Update über den anstehenden Klassiker beim MTTC Iphitos.

von Jens Huiber
zuletzt bearbeitet: 05.04.2026, 08:06 Uhr

Patrik Kühnen mit Champion Alexander Zverev bei den BMW Open by Bitpanda 2025
© Jürgen Hasenkopf
Patrik Kühnen mit Champion Alexander Zverev bei den BMW Open by Bitpanda 2025

Tennisnet: Herr Kühnen. Wenn man dieser Tage beim MTTC Iphitos vorbeifährt, steht an der Einfahrt schon der markante Bogen, der die Spieler und Fans bei den BMW Open traditionell begrüßt. Nun lag da in dieser Woche ein leichter Schneeflaum drauf. Was die Tennisfans vor allem an 2016 erinnert, als Juan Martin del Potro bei leichtem Schneetreiben trainierte. Hat das den Ruf der BMW Open noch weiter gestärkt? 

Patrik Kühnen: Geschadet hat es uns auf jeden Fall nicht. Wenn man sich die Entwicklung des Turniers anschaut, sind wir stetig gewachsen. Wir waren ja bereits 2024 in unserem letzten Jahr als 250er-Turnier an neun Tagen ausverkauft. Die Aufwertung zum 500er-Event war für uns ein sehr wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung. Und auch vergangenes Jahr waren wir an allen neun Tagen ausverkauft. Wir hatten 2025 neun tolle Tennistage, keinen Tropfen Regen. Das war wunderbar, das war ein richtiges Tennisfest, und wir hoffen natürlich, dass es dieses Jahr ähnlich läuft.  

Tennisnet: Sollte das Wetter nicht so mitspielen, hat man beim MTTC Iphitos aber schon öfter gesehen, dass die Plätze unheimlich schnell wieder bespielbar sind. Was ist da das Geheimnis? 

Kühnen: Ich möchte ja nicht dem Platzwart oder unserem Platzwart-Team was vorwegnehmen, aber klar ist, dass wir uns natürlich auch des Wetters bewusst sind und schauen, okay, auf was können wir uns fokussieren, was können wir denn kontrollieren. Das Wetter logischerweise nicht, aber wir können natürlich dafür sorgen, dass die Plätze in einer solchen Beschaffenheit da liegen, dass, wenn es regnet, die Courts schnellstmöglich wieder bespielbar sind. Und da haben wir uns intensiv darum gekümmert, gemeinsam mit dem Team, das die Plätze betreut.  

“Die Synergie zwischen Sascha Zverev und dem Publikum stimmt”

Tennisnet: Ale Titelverteidiger wird Alexander Zverev anreisen, der 2025 in München seinen einzigen Turniersieg der gesamten Saison gefeiert hat. Wie wichtig ist Sascha Ihr Turnier? 

Kühnen: Ich habe den Eindruck: sehr wichtig. Sascha spielt ja schon seit vielen, vielen Jahren bei uns und die drei Titel haben ihm alle natürlich gut getan. Zunächst waren es Turniersiege auf dem Weg in die Weltspitze. Und dieser Titel 2025, glaube ich, war für ihn sehr, sehr wichtig. Bei den BMW Open fühlt sich Sascha einfach wohl. Es ist sicherlich auch für ihn eine Herausforderung, wenn die Temperaturen jetzt nicht so warm sind. Aber das trifft auf alle Spieler zu. Die BMW Open by Bitpanda haben einen festen Platz in Saschas Turnierkalender. Ich denke, dass die Atmosphäre eine ganz besondere ist, weil die Tennis-Fans ihn in München sehr lieben, fast bedingungslos unterstützen und auch viel dazu beigetragen haben, dass er im vergangenen Jahr am Ende das Turnier gewonnen hat, da die Synergie einfach stimmt. Und ja, es ist für ihn so ein bisschen wie nach Hause kommen in all den Jahren mit Familie, mit seinen Coaches und mit seinem Team, um hier wirklich Weltklasse-Tennis zu spielen und sich den Fans so zu präsentieren. 

Tennisnet: Es gab ja schon im vergangenen Jahr, Joao Fonseca nach München zu holen. Diesmal hat es geklappt. Wie ist es dazu gekommen? 

Kühnen: Bei Joao Fonseca wie auch bei allen anderen kommt es in erster Linie darauf an, wie die Spieler selbst ihren Turnierplan aufsetzen. Das gilt es auch zu respektieren. Ich war seit mehreren Monaten in Kontakt. Und dann kam irgendwann auch die Entscheidung aus dem Team von Joao Fonseca, okay, dass die Woche interessant ist. Und dass sie sich gut vorstellen können, auch in München zu spielen. Das hat sich aber entwickelt. Wir haben in München, das will ich auch nochmal betonen, ja trotzdem auch die Situation, dass wir etwas Höhenlage haben, roundabout 500 Meter. Und das ist natürlich zuträglich für Spieler wie Fonseca, die offensives Tennis spielen, weil das Spiel etwas schneller ist. Und im zweiten Schritt ist ein Antreten in München meiner Meinung nach ein Vorteil, wenn man danach in Madrid spielt. Denn auch dort gibt es eine Höhenlage von ungefähr 700 Metern. Der Wechsel von München nach Madrid funktioniert ganz gut, wie wir das damals auch gesehen haben, als Andy Murray bei uns gespielt hat und gewonnen hat - und wenige Tage später in Madrid. 

Patrik Kühnen: “Wildcards am besten für Spieler mit Selbstvertrauen - wie einst Holger Rune”

Tennisnet: Im vergangenen Jahr war Jannik Sinner für München bereits fix angekündigt worden, aus bekannten Gründen konnte er dann nicht spielen. Da sollte man doch annehmen, dass München bei Sinner einen gut hat … Völlig ausgeschlossen, dass Jannik doch noch kurzfristig kommt? 

Kühnen: Naja, wenn jetzt Jannik Sinner anrufen würde, dann denke ich schon, dass wir einen Weg finden würden, ihn im Feld unterzubringen. Man muss das aber wirklich stark im Konjunktiv betonen. Aber wenn man ein bisschen genauer draufschaut und sich jüngst die Erfolge ansieht - der Turniersieg in Indian Wells, der Turniersieg in Miami - und sich dann die Belastung natürlich noch mal vor Augen führt, glaube ich, dass Jannik eher nicht alles spielen wird. Momentan kann man sagen, dass wir nicht damit rechnen, dass Jannik Sinner bei uns in diesem Jahr aufschlägt. 

Tennisnet: München ist derweil auch immer ein Turnier gewesen, dass deutschen Spielern Chancen eingeräumt hat, sich auf höchster Ebene zu präsentieren. Wer könnte 2026 von einer Wildcard profitieren? 

Kühnen: Natürlich habe ich ein Auge auf die deutschen Spieler. Das ist ganz klar, wie in den vergangenen Jahren auch. Und wenn wir Chancen haben, die deutschen Jungs auch zu unterstützen, dann werden wir das tun. Es gilt aber auch: Eine Wildcard ist dann am besten platziert, wenn ein Spieler Selbstvertrauen hat, so wie es seinerzeit auch mal bei Holger Rune war, der bei seiner ersten Wildcard bei uns 14 Tage zuvor den Challenger in San Remo gewonnen hatte, somit mit viel Selbstvertrauen zu uns gekommen ist, das ihn bis zum Turniersieg transportiert hat. Ja, wie gesagt, ich bin in engem Kontakt mit den deutschen Spielern, das ist ganz klar. Wie sich das dann am Ende niederschlägt, muss man noch abwarten. 
 

von Jens Huiber

Sonntag
05.04.2026, 11:45 Uhr
zuletzt bearbeitet: 05.04.2026, 08:06 Uhr